WIR – Wissen ist relevant: Ernst Wolff: Die Geschichte des Geldes – Von der Tauschwirtschaft bis zum Hochfrequenzhandel

Wir leben in einer Welt, die vom ganz großen Geld beherrscht wird. Billionenbeträge wechseln Tag für Tag die Besitzer, Großbanken und Hedgefonds verfügen über unvorstellbare finanzielle Macht und werden kaum noch gesetzlich kontrolliert. Das war nicht immer so. Blickt man in der Geschichte zurück, stellt man fest, dass die Finanzindustrie erst in den vergangenen Jahrzehnten derart gigantische Ausmaße angenommen hat, dass es eine Zeit gab, in der sie starken Beschränkungen unterlag und davor eine Zeit, in der die Menschheit ohne nationale Währungen, ohne Zentralbanken, davor sogar ganz ohne Geld ausgekommen ist. Wie kann es sein, dass sich ein vom Menschen selbst geschaffenes Produkt wie das Geld auf derartige Weise verselbständigen und mehr Macht über uns alle gewinnen konnte als sämtliche Schreckensherrscher der Welt zusammen? Was sind die Mechanismen, die es sich geschaffen hat und wie gelingt es ihm, von Jahr zu Jahr noch mächtiger zu werden? In seiner historischen Betrachtung der Entwicklung des Geldes von seinen ersten Anfängen bis hin zu seiner heutigen Bedeutung versucht Ernst Wolff, nicht nur diese Fragen zu beantworten, sondern auch einen Blick in die Zukunft zu werfen: Gibt es eine Chance, sich den Zwängen der Geldgesellschaft zu entledigen, um ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen? Der Vortrag wurde am 22.11.2019 in Berlin aufgenommen.

Kapitelübersicht:

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Wortlaut Transscript: Der nachfolgende Text wurde aus obigem Podcast / Video transskribiert. Um die Lesbarkeit zu verbessern wurde der Text geringfügig verändert bzw. gekürzt ohne den Inhalt zu verändern.

Mein Name ist Ernst Wolf, mein Thema die Geschichte des Geldes. Henry Ford, der Gründer der Ford Motor Company, hat einmal gesagt: „Es ist gut dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst hätten wir vermutlich noch vor morgen Früh eine Revolution.“

Es ist erstaunlich dass dieser Satz aus dem Munde einer der Ikonen des Kapitalismus einhundert Jahre später vollkommen unverändert gilt, auch heute noch kann man ohne zu übertreiben sagen, dass die Mehrheit der Menschen und zwar weltweit nicht weiß, wie unser Banken- und Geldsystem funktioniert, auf die Frage warum das so ist hat ein Landsmann von Henry Ford, nämlich der amerikanische Schriftsteller Mark Twain, eine in meinen Augen passende Antwort gegeben.

Mark Twain hat einmal gesagt: „Nicht das was wir nicht wissen bringt uns in Schwierigkeiten, sondern das was wir fälschlicherweise zu wissen glauben.“ Leicht abgewandelt lässt sich dieser Spruch auch auf das Geldwesen und seine Geschichte anwenden, nicht das was wir nicht wissen lässt uns das Geld nicht verstehen, sondern das was wir fälschlicherweise gelernt oder übernommen haben.

Die Geschichte des Geldes zeichnet sich nämlich durch eine besondere Eigenschaft aus, sie steckt voller Mythen, Legenden und Fehldarstellungen und das ist kein Zufall, denn Geld ist ja etwas Besonderes, etwas Universelles und absolut Außergewöhnliches, weil der Einsatz von Geld Jahr Folgen hat und Dinge bewirkt die weit über das Geld hinausgehen. Geld existiert mittlerweile seit mehreren 1000 Jahren, hat die verschiedensten Gesellschaftsformen und die gewaltigsten sozialen Umbrüche überstanden und ist den Menschen in den unterschiedlichsten Gestalten gegenübergetreten. Zuerst als Naturalgeld, später als Bargeld einmal in Form von Münzen, dann in der Form von Papier, noch später dann als Buchgeld, anschließend als virtuelles Geld und in unserer Zeit auch in der Form von Kryptowährungen.

Vor allem aber ist Geld für uns alle das Produkt, mit dem wir häufiger zu tun haben als mit jedem anderen Produkt und das nicht nur im direkten Umgang, sondern auch im übertragenen Sinn. fast alles in unserer Welt hat seinen Preis und wird damit einer bestimmten Menge an Geld gleichgesetzt.

Außerdem leben wir in einer Zeit in der Geld die größte Bedeutung in seiner gesamten Geschichte erlangt hat, erstens haben wir es mit der größten Geldmenge die es jemals gegeben hat zu tun, zweitens haben wir es mit dem am wenigsten transparenten Geldmärkten aller Zeit zu tun, Märkten auf denen Tag und Nacht Summen in Billionenhöhe hin und hergeschoben werden, ohne das der normal Bürger etwas davon mitbekommt, drittens haben wir es mit dem höchsten Schuldenberg aller Zeiten zu tun, also mit Geld das nur in Form von Forderungen existiert und viertens haben wir es mit der ungleichsten Verteilung des Geldes auf diesem Planeten zu tun, noch nie haben so wenige Menschen so viel besessen wie in unserer Zeit und zu diesen Extremen kommt noch ein weiteres Extrem hinzu und zwar eines das uns alle wachrütteln und uns schlaflose Nächte bereiten sollte.

Zum Geld gehört seit seiner Einführung ja auch der Zins, dessen Funktionsweise im Grunde recht einfach ist. Wer Geld verleiht, verlangt dafür bei der Rückzahlung mehr als er ursprünglich vergeben hat, mit diesem simplen Mechanismus ist es allerdings in unseren Tagen vorbei.

Negativ-Zinsen

Wir erleben nämlich zum ersten Mal in der Geschichte des Geldes ein völlig neues, absolut extremes Phänomen, nämlich das des Negativzinses. Negativ- oder Minuszinsen sind in den vergangenen Jahren von der Europäischen Zentralbank EZB und den Zentralbanken Japans, der Schweiz, Schwedens eingeführt worden und werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, schon bald in verschiedenen weiteren Ländern eingeführt werden.

Damit aber leben wir, was das Geld angeht, in einer absolut einzigartigen Zeit, bei Negativzinsen handelt es sich nämlich um ein Phänomen das es in der gesamten Geschichte des Geldes noch nicht gegeben hat und dazu um ein Phänomen das die Funktionsweise des bestehenden Geldsystems vollständig auf den Kopf stellt. Man muss das Prinzip des Negativzinses nur einmal konsequent durchdenken und sich klar machen was es bedeutet. Für denjenigen der Geld verleiht heißt das, er bekommt am Ende weniger zurück als er vergeben hat, wer aber würde sich in unserer Geld Gesellschaft freiwillig auf so ein Geschäft einlassen?

Ein Geschäft bei dem er von vornherein weiß das er verlieren wird, es gibt jemanden, nämlich die Zentralbanken, für denjenigen der sich Geld leiht haben Negativzinsen dagegen einen ganz anderen Effekt, für ihn bedeuten sie, dass er am Ende weniger Geld zurückgeben muss, als er anfänglich erhalten hat, das heißt aber doch nichts anderes als dass man sich unter einem solchen Regimes theoretisch ein vollkommen arbeitsfreies Einkommen generieren könnte, indem man hier da und dort Schulden macht.

Wer in aller Welt würde das nicht gern tun, aber bevor jetzt jemand von ihnen auf die Idee kommt so schnell wie möglich in den nächsten Zug in die Schweiz oder nach Dänemark zu steigen, oder sich ins nächste Flugzeug nach Japan zu setzen um von Negativzinsen zu profitieren, so einfach ist das nicht, wenn sie dort nämlich zu einer Bank gehen und um einen Kredit bitten dann werden ihnen diese Negativzinsen ganz sicherlich nicht zugestanden werden, selbst wenn sie noch so höflich danach fragen.

Negativzinsen werden ihnen dort, falls sie tatsächlich übersiedeln, erst dann begegnen, wenn sie ein Konto eröffnen, dann nämlich wird ihnen, sofern sie genügend Geld auf das Konto einzahlen, ein Teil von ihrem Geld weggenommen, das heißt den Effekt dieser Negativzinsen bekommt der einfache Bürger höchstens zu seinem Nachteil zu spüren.

Da stellt sich doch sofort die Frage: „Wer profitiert denn davon?“

Die Antwort lautet, profitieren tun ausschließlich Profis im Finanzgewerbe, die zusammen mit ihren Auftraggebern ohnehin schon sehr viel mehr Geld besitzen, als der Durchschnitt der Bevölkerung und die durch Negativzinsen die Chance erhalten, das System auf diese Weise noch weiter zu ihrem Vorteil zu nutzen und die soziale Ungleichheit in der Welt noch weiter voranzutreiben.

Aber dann lautet die nächste Frage: „Kann denn das auf Dauer gut gehen?“.

Die Antwort lautet und zwar klar und eindeutig, Nein das kann es nicht, auf diese Weise werden nämlich nicht nur die jahrtausendealten Prinzipien des Systems auf den Kopf gestellt, auf diese Weise wird das System selbst nach und nach ausgehöhlt und untergraben.

Warum aber wurden Negativzinsen dann überhaupt eingeführt, wenn man doch bisher in der gesamten Geschichte des Geldes ohne sie ausgekommen ist?

Aus einem relativ simplen, aber sehr ernüchternden Grund, aus purer Verzweiflung, weil wir in einer ganz besonderen Zeit leben, nämlich der Endzeit des bestehenden Geldsystems. Das Geldsystem, unter dem wir Leben und das sich über 5000 Jahre heraus gebildet hat, hat in unserer Zeit, also zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Stadium erreicht, indem es mit den Methoden der Vergangenheit nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

Das Geldsystem unter dem wir Leben ist in den vergangenen 50 Jahren, also in genau einem Prozent seiner gesamten Lebensdauer, durch die Deregulierung der Geldmärkte so stark pervertiert worden, dass es heute nur noch durch Mittel und Methoden am Leben erhalten werden kann, die es mit mathematischer Sicherheit untergraben, versetzen und letztendlich zerstören werden.

Wer jetzt fragt wieso, wieso tut man etwas von dem man weiß das es am Ende alles zerstört? Der trifft damit den alles entscheidenden Punkt, wenn es um das Geld System geht, Geld hat nämlich nichts mit Logik oder Vernunft, oder überhaupt in irgendeiner Weise etwas mit den menschlichen Verstand zu tun, bei Geld geht es um etwas ganz anderes. Beim Geld geht es, sobald wir von größeren Summen sprechen, als zur Deckung alltäglicher Bedürfnisse notwendig, um Habsucht, um Gier und um Macht. Der Hintergrund dafür ist recht einfach, Geld hat seitdem es von Menschen geschaffen wurde, die Eigenschaft sich ungleich zu verteilen und mit dieser ungleichen Verteilung geht nicht nur die Aufteilung der Menschen in wohlhabende und weniger wohlhabenden Menschen einher, sondern viel mehr. Geld schafft nämlich Beziehungen zwischen den Menschen und zwar ungleiche Beziehungen, also Hierarchien, oder anders ausgedrückt, Herrschaftsverhältnisse.

Wer also viel Geld besitzt ist nicht nur einfach reich oder wohlhabend, sondern kann damit Einfluss gewinnen, sich gegenüber anderen Menschen Vorteile verschaffen und nach und nach immer mehr Macht an sich reißen und wer sehr viel Geld und sehr viel Macht besitzt, der kann entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft, das heißt auf ihre sozialen, ihre wirtschaftlichen, und ihre politischen Strukturen nehmen.

Im Umkehrschluss heißt das, die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft die eine Geschichte von Machtkämpfen ist, ist in letzter Instanz eine Geschichte des Einflusses den das Geld auf diese Gesellschaft ausgeübt hat und damit kommen wir zu einem weiteren ganz entscheidenden Punkt, Geld ist nämlich im Verlaufe der Zeit nicht nur zu einem Instrument in den Händen der Reichen und Mächtigen geworden, das Geld selbst hat sich aufgrund seines universellen Charakters über die Gesamtheit der Menschen erhoben und es geschafft, eine in der Menschheitsgeschichte einmalige Stellung zu erlangen, es beherrscht nämlich uns alle. Das ist in unserer Zeit in besonderem Maße zu spüren, man muss dazu nur irgendeine X beliebige Nachrichtensendung anschauen, irgendwann wird darin garantiert der Satz auftauchen, was sagen die Finanzmärkte dazu, das klingt nicht nur so als sei der Geldmarkt eine über der Gesellschaft schwebende übernatürliche Instanz, die alles tun auf der Erde dirigiert, das ist mittlerweile so.

Wenn den Finanzmärkten, also diesen anonymen Marktplätzen, an denen Tag für Tag riesige Mengen an Geld von Hochleistungscomputer hin und hergeschoben werden, wenn diesen Finanzmärkten etwas nicht passt, dann reagieren sie sofort.

Wenn ihnen zum Beispiel ein Gesetz in einem Land nicht gefällt, dann ziehen sie sich ganz schnell aus diesem Land zurück, wenn ihnen bestimmte Marktteilnehmer, ob das nun Konzerne sind, oder ganze Länder, wenn die ihnen nicht passen, dann ignorieren sie diese einfach und zwingen sie so finanziell in die Knie, wenn ihnen Politiker nicht passen, dann lassen sie deren Länder, wie in der Eurokrise mehrmals passiert, so lange zappeln bis diese Länder die Politiker durch Bänker, also sogenannte Technokraten ersetzen und wenn es ganz hart kommt, wie ebenfalls in der Eurokrise, dann warten die Finanzmärkte notfalls so lange, bis die parlamentarische Demokratie ausgeschaltet wird und ganze Länder unter die Zwangsverwaltung von Organisationen, wie der Troika gestellt werden, bevor sie diesen Ländern wieder Zugang zum internationalen Finanzkreislauf gewähren.

Aber nicht nur die Finanzmärkte, auch das Geld selbst hat im Verlauf seiner Geschichte seine ganz eigenen Mechanismen entwickelt, Mechanismen die sich dem Willen des Menschen entziehen, die er als einzelner oder auch in Gruppen nicht beeinflussen kann.

Nehmen wir zum Beispiel das Phänomen der Inflation, das dann Auftritt wenn zu viel Geld ins System gespeist wird, oder dass der Deflation, wenn ihm zu viel Geld entzogen wird, das sind Mechanismen die niemand beeinflussen kann, die uns zwar nach sozialem Stand unterschiedlich treffen, die aber trotzdem für alle gelten, ob Arm oder reich, ob mächtig oder ohnmächtig.

Geld ist damit ähnlich wie Mary Shellys Roman Figur Frankensteins Monster ein Produkt des Menschen, hat aber nach seiner Erschaffung begonnen ein Eigenleben zu führen und es über Jahrhunderte und Jahrtausende geschafft seine eigenen Schöpfer zu beherrschen und zu tyrannisieren.

Die Frage die sich an dieser Stelle stellt lautet: „Wie konnte das passieren, wie konnte den Menschen, etwas das sie selbst geschaffen haben, derart entgleiten und so mächtig werden wie das Geld?“ und die Antwort darauf kann nur eines geben, die Geschichte.

Das erste Geld – vor 6.000 Jahren

Wenden wir den Blick deshalb in die Vergangenheit, blicken wir etwa 6000 Jahre in diese Vergangenheit zurück, vorweg noch eine kurze Erklärung, die Entwicklung des Geldes hat sich auf den verschiedenen Kontinenten nicht gleichzeitig vollzogen und ist extrem wechselvoll, aber es würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen auf alle Details einzugehen, ich versuche deshalb nur die grobe Linie nachzuziehen, um die kausalen Zusammenhänge der Entwicklung aufzuzeigen die sich grob gesehen in 4 Epochen aufteilen.

Erstens, Naturaltausch und Naturalgeld, zweitens Metallgeld und Münzgeld, drittens Bargeld also Papiergeld und Münzen und viertens Buchgeld oder Giralgeld und elektronisches Geld.

Beginnen wir mit der ersten Epoche, bis vor etwa 6000 Jahren waren die Menschen noch Nomaden, zogen also als Jäger und Sammler durch die Gegend und lebten von dem was die Natur ihnen bot, dann begannen sie nach und nach erste Siedlungen zu errichten, also sesshaft zu werden, damit begann eine neue Epoche der Menschheitsentwicklung, denn mit der Zeit kamen zur Jagd, und zum Sammeln von Essbarem der Ackerbau, zunächst in erster Linie der Anbau von Getreide und später dann die Viehzucht hinzu.

In der Anfangszeit wurde so natürlich nur der Eigenbedarf dieser kleinen Gemeinschaften gedeckt, aber mit der Zeit haben sich die landwirtschaftlichen Methoden immer weiter verfeinert, sodass die Erträge größer wurden und über das was die einzelne Siedlung oder später dass einzelne Dorf benötigte, hinausging.

Damit begann ein gewaltiger Einschnitt, der für die menschliche Gesellschaft revolutionäre Folgen hatte. Die Menschen der verschiedenen Siedlungen begannen nämlich die Dinge die sie nicht selbst brauchten mit anderen zu tauschen, anfangs fand dieser Tausch nur sporadisch und ungeordnet statt, aber die Menschen merkten schnell das sich ihr Lebensstandard durch diesen Tausch verbesserte, deshalb begannen sie nach einiger Zeit ganz gezielt nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern auch für den Tausch zu produzieren, auf diese Weise entstanden mit der Zeit die ersten Märkte und der erste Handel.

Dieser Entwicklung folgte dann vermutlich nicht allzu viel später die Einführung allgemein akzeptierter Tauschmittel und zwar in 2 Stufen, zunächst entwickelte sich solche Stoffe die leicht zu transportieren, gut aufzubewahren und die vor allem nicht verderblich waren, zu Zwischentauschmitteln.

Darunter fielen Salz, Tabak, getrockneter Fisch oder auch Felle und Stoffe, ihr Wert bemaß sich nach der Menge an Arbeit, die ihre Herstellung erforderte, was also aufwändiger zu produzieren war, hatte mehr Wert als etwas das mit weniger Arbeit herzustellen war, je nach Kulturkreis bildete sich dann mit der Zeit einzelne besonders resistente und besonders einfach zu transportierende Stoffe als allgemeine Tauschmittel heraus, so unter anderem Muscheln, Perlen, Tierzähne, seltene Steine und später dann Metalle.

Die Metalle nahmen schon bald einen besonderen Platz ein, denn während sie zunächst nach ihrem Gewicht bemessen wurden, aus dieser Zeit stammt übrigens die Bezeichnung „Pfund“ für die britische Währung, merkten die Menschen schon bald das man Metalle im Gegensatz zu Muscheln und Tierzähnen bearbeiten und in verschiedene Form bringen konnte.

Diese Formung des Materiales führte dann schließlich auch zur Münzprägung und damit zur ersten Einführung dessen was wir heute als Bargeld bezeichnen, interessant sind in diesem Zusammenhang 2 Denkfehler die wohl die meisten von uns machen wenn sie an diese Zeit denken und die die Worte Markt Twains, mit denen ich mein Vortrag begonnen habe, bestätigen.

Die meisten Menschen gehen zum einen davon aus, dass die ersten Banken erst nach der Entstehung des Geldes entstanden sind und zum anderen davon, dass der Zins eine Erfindung der Bänker war, beides aber ist nicht richtig, das Bankwesen ist in seinen Grundzügen noch unter dem Naturalgeld, also vor der Entstehung von Münzen entstanden, es wurden zum Beispiel Mieten und Pachten in Naturalien verlangt, es konnten Pfänder hinterlegt oder auch Anleihen aufgenommen werden, alles in Naturalien.

Noch interessanter ist die Tatsache, dass auch der Zins lange vor der Einführung der Münzen existierte, einen besonderen Hinweis darauf wie der Begriff entstanden sein könnte, gibt übrigens die Geschichte der Sumerer, also der Einwohner Mesopotamiens des heutigen Irak, von ihnen stammt der älteste bekannte Zinsbegriff.

Das Wort der Sumerer für Zins, war das gleiche wie für Kalb oder Ziegenjunges, mit etwas Phantasie kann man sich denken das damals jemand der einem anderen eine Kuh oder eine Ziege überließ, den Zins bei der Rückgabe in Form eines zusätzlichen Jungtieres erwartete. Banken und Zinsen sind also schon vor der Entstehung des Geldes entstanden und zeigen das einzelne Menschen bereits vor der Entstehung des Geldes, von der ungleichen Verteilung des Reichtums auf der Grundlage des Tausches profitiert haben.

Miet und Pacht konnte ja nur derjenige verlangen, der im Besitzt von etwas war das Miete oder Pacht benötigte und die Rückgabe eines Haustieres, inklusive Jungtier, setzte ja auch den Besitz des Haustieres durch den Verleiher und den Bedarf danach, beim Bittsteller voraus.

Die ersten Münzen

Kehren wir zurück zu den ersten Münzen, während man die Metalle zunächst nach ihrem Gewicht beurteilt hat, begann man mit der Zeit sie in bestimmte Formen zu bringen, Ringe Stäbe oder Barren.

Um etwa 650 vor Christus wurden dann die ältesten bekannten Münzen in Kleinasien hergestellt und um Christi Geburt herum wurden vom römischen Reich die ersten bekannten Münzen mit dem Konterfei des Herrschers, also des römischen Kaisers, in Umlauf gebracht. Damit war eine neue Stufe der Entwicklung des Geldes erreicht, diese Münzen wurden ja von den damaligen Machthabern herausgegeben, die sich so das Monopol auf die Geldschöpfung aneigneten und damit ihre Macht festigten, auch hier ein weiterer interessanter Aspekt, wer meint das diese Herrscher dann irgendwann auf die Idee kamen, von ihren Untertanen Steuern zu kassieren, der irrt, auch Steuern gab es schon lange bevor das Geld in Form von Münzen entstand, zum Beispiel um etwa 3000 vor Christus, im alten Ägypten in der Form von Naturalsteuern.

All das sind keine Spitzfindigkeiten, sondern grundsätzlich wichtige Erkenntnisse zur Geschichte des Geldes, weil sie zeigen das hier keine revolutionären Neuerungen eingeführt wurden oder Verschwörung stattfanden, sondern einfach auf vorhandene Verhaltensmuster aus dem Tauschhandel zurückgegriffen wurde und das ich so ganz nebenbei und ohne das die Menschen sich der Ursachen bewusst waren, gesellschaftliche Strukturen ergaben und festigten, die auf der materiellen Ungleichheit der Beteiligten basierten.

Kehren wir zurück zum Münzgeld, es hat sich in verschiedenen Formen über fast 2 Jahrtausende als einzige Geldform gehalten, im Mittelalter, also in der Zeit von 500 nach Christus bis 1500 nach Christus, wurden in der Hauptsache 3 Metalle zu seiner Herstellung verwendet, Gold, Silber und Kupfer.

Vor allem das Silber war bei den damaligen Herrscher, also in den meisten Fällen den Fürsten, sehr beliebt, sobald neue Silbervorkommen entdeckt wurden, sicherten sie sich die Schürfrechte und ließen dann eigenes Geld herausgeben.

Interessant ist, dass diese Fürsten offensichtlich merkten das ihnen solche Untertanen, die besonders viel Geld akkumulierten, gefährlich werden konnten und das sie daher zu einem einfachen Trick griffen, der sogenannten Verrufung des Geldes, das heißt sie ließen alle paar Jahre neue Münzen prägen, erklärten die alten für ungültig und sorgten so dafür, dass niemand so reich wurde das er ihre Macht gefährden konnte, außerdem sorgte die Verrufung dafür, dass die Untertanen ihr Geld nicht horteten, also sparten, sondern es aus Angst vor einer möglichen Abwertung immer relativ schnell wieder Ausgaben und so für eine hohe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sorgten.

Wer übrigens meint, dass ihm dieses Prinzip irgendwie bekannt vorkommt, es ist im Grunde eine Art Vorläufer des Prinzips der lockeren Geldpolitik, die wir selbst seit einigen Jahren erleben. Neben den Fürstenhäusern waren es damals vor allem der Adel und Geistlichkeit, also die Vertreter der Kirche, die von dem Geld System profitierten, die Kirchen waren bei den Fürsten aus einem einfachen Grunde sehr beliebt, sie beklagten zwar die Ungerechtigkeit die das Geldsystem mit sich brachte, versprachen den darunter Leidenden aber ein besseres Leben im Jenseits und machten sie so zu gefügigen Untertanen im Diesseits. Kein Wunder also, dass damals neben dem Adel, der Klerus, also der Priesterstand, zu den privilegierten der Gesellschaft gehörte.

Die ersten Banken

Gegen Ende des Mittelalters setzte dann in Europa eine Entwicklung ein, die dem Geldsystem einen ganz neuen Schub geben sollte, es entstanden nämlich die ersten Banken, die nicht mit Naturalgeld, sondern mit Münzgeld arbeiteten.

Ausgehend vom italienischen Florenz, breiteten sie sich sehr schnell über den ganzen europäischen Kontinent aus und sorgten dafür das einzelne Bankiersfamilien, die diesen Trend frühzeitig erkannten, extrem reich wurden.

Dieser Entwicklung folgte eine weitere die die politischen Verhältnisse betraf, die staatliche Macht zentralisierte sich nämlich immer mehr, aus Grafschaften wurden Herzogtümer, aus Herzogtümern Fürstentümer und aus Fürstentümern König- oder Kaiserreiche.

Deren neuen Machthabern gefiel allerdings ein Trend nicht, dass nämlich viele der neu entstandenen Banken ihr eigenes Geld herausgaben und das ihnen so nach und nach die Kontrolle über das Geldwesen zu entgleiten drohte, also beanspruchten sie das Recht auf Geldschöpfung wieder für sich allein, aber auch das konnte den unaufhaltsamen Aufstieg der Banken nicht aufhalten und so bildete sich nach und nach neben der staatlichen Macht eine zweite Macht heraus, die der Banken und schon nach nicht allzu langer Zeit zeigte sich wer von den beiden besser wirtschaften konnte.

Während sich die Herrscher einerseits einen sehr aufwendigen und verschwenderischen Lebensstil leisteten und andererseits immer wieder Eroberungskriege führten, die extrem viel Geld kosteten, verfeinerten die Banken ihr Geschäftsmodell immer weiter, erschlossen sich immer neue Quellen des Geldverdienens und akkumulierten zunehmend größere Reichtümer und damit immer mehr Macht.

Die ersten 3 Jahrhunderte nachdem Ausklang des Mittelalters standen also einerseits im Zeichen des ständig wachsenden Geschäfts der Banken, andererseits im Zeichen der zunehmenden Herrschaftzentralisierung, die zum Zusammenschluss vieler Fürstentümer, dem Ende der Kleinstaaterei und schließlich zur Entstehung der ersten Nationalstaaten führte.

Eine der wichtigsten Maßnahmen die diese Nationalstaaten nach ihrer Gründung vornahmen, bestand in der Einführung einer nationalen Währung, die natürlich auch von den Banken übernommen werden musste, das aber stärkte nicht etwa die Herrscher gegenüber den Banken, sondern umgekehrt, weil die Herrscher ja ständig Kriege führten und die Banken in ihrer Gesamtheit über mehr Geld als die Herrscher verfügten, griffen die Banken zu einem recht einfachen, aber historisch überaus effektiven Mittel, sie gründeten nämlich die Zentralbanken.

Die ersten Zentralbanken

Hier sind wir wieder an einem Punkt angelangt, an dem Mark Twains Aussage zum tragen kommt, Zentralbanken sind nämlich nicht, wie fast alle Menschen heutzutage glauben, von staatlicher Seite ins Leben gerufen Institutionen, die einmal gegründet wurden um die Geldwirtschaft und das Bankengewerbe zu regulieren oder gar zu kontrollieren, solche Kontroll- oder Regulierungsbehörden sind sie in unserer Zeit nicht, das sind sie nie gewesen und dazu sind sie nie gegründet worden.

Die ersten Zentralbanken sind von Bänkern und Kaufleuten zu einem einzigen Zweck geschaffen worden und zwar zum Zweck der persönlichen Bereicherung. Die Bank of England zum Beispiel wurde 1694 von Bänkern und vermögenden Kaufleuten gegründet, die dem König einen Kredit zur Kriegsführung gewehrt haben, auch die schwedische und die französische Zentralbank sind auf ähnliche Weise durch Kreditvergabe zur Kriegsführung entstanden.

Das ist für das Verständnis der Geschichte des Geldes ein überaus wichtiger Punkt, denn hier ist etwas passiert das die gesellschaftliche Hierarchie entscheidend verändert hat, die damaligen Herrscher, im Fall Englands, Schwedens und Frankreichs, also die Könige, sind über den Mechanismus der Kreditvergabe durch die Zentralbank in einer Abhängigkeit von den Banken gerutscht, die wirkliche Macht im Staat haben seitdem die Banken, denn sie bestimmen schließlich wem Geld gegeben wird und wem nicht, sie können Herrscher finanzieren, sie können Sie aber auch stürzen.

Das heißt mit der Gründung der Zentralbanken, die ja nichts anderes als eine Bündelung der Macht der einzelnen Banken zu einer gewaltigen geballten finanziellen Zentralkraft darstellt, endet die Ära in der einzelne Bankiersfamilien, wie die Medici in Italien oder die Fuggers und die Rothschilds in Deutschland, das Geschehen bestimmten, stattdessen beginnt die Herrschaft der Banken als Gesamtheit, also als einem eigenen Wirtschaftszweig der sich über den Rest der Gesellschaft erhebt.

Dieser Prozess vollzog sich allerdings nicht mit lautem Getöse, sondern ging sehr still und leise vonstatten und offenbarte schon damals eine Charaktereigenschaft die sich das Bankwesen bis heute bewahrt hat und das in der Tat einen großen Teil seiner Macht ausmacht, das Understatement.

Den Bänkern hat es von Anbeginn ihrer Herrschaft über die Gesellschaft genügt, ihre Geschäfte zu tätigen ohne dabei großes Aufsehen zu erregen und hauptsächlich im Hintergrund zu schalten und zu walten, dass brachte 2 große Vorteile mit sich, zum Einen hielten sich die Banken bei öffentlicher Kritik so immer aus der Schusslinie und zum Anderen konnten sie sich auf die Dinge konzentrieren, die ihre Macht in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten um ein Vielfaches vergrößern sollten.

Zunächst war das das Einsetzen der industriellen Revolution und die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise ab Mitte des 18. Jahrhunderts, die Ablösung viele Handwerksbetriebe durch Fabriken und die zunehmende industrielle Fertigung von Waren, brachten ja einen erheblichen Wettkampf um Marktanteile mit sich, in dem nur solche Unternehmen bestehen konnten, die ständig expandierten.

Diese ständige Expansion aber erforderte Geld oder besser gesagt Kapital, denn so nannte man Geld das zum Zweck der Vermehrung in Industriebetriebe gesteckt wurde, da die Unternehmer meistens nicht in ausreichendem Maße darüber verfügten, mussten sie es sich bei den Banken leihen, bei denen diese gewaltige und steigende Nachfrage bei der Kreditvergabe für einen weiteren erheblichen Machtzuwachs sorgte.

Etwa zur gleichen Zeit erfolgte dann in Europa eine weitere Revolution, nämlich die Einführung des Papiergeldes, die ging nicht ganz unfallfrei vonstatten denn in der Anfangszeit kannte man das Phänomen der Inflation ja noch nicht, also wurde in vielen Fällen einfach drauflos gedruckt, mit der Folge, das das Geld rapide an Wert verlor, doch die Bänker lernten schnell und die Obrigkeit Griff ebenfalls mit ins Geschehen ein, so wurde vorgeschrieben dass die Währungen an feste Werte gebunden werden mussten, in Europa fast ausschließlich an Edelmetalle und auch hier erwiesen sich die Bänker als sehr erfindungsreich, wenn es um den eigenen Vorteil ging.

Nachdem das Papiergeld nämlich von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert war, stellten die Bänker fest, das ihnen bei der Vergabe von Krediten ab einem bestimmten Punkt die Hände gebunden waren, dann nämlich wenn ihre Kunden mehr Geld leihen wollten, als durch den eigenen Vorrat an Edelmetallen gedeckt war.

Daher wandten sich die Bänker an die Politik und erklärten, dass ja nicht alle Kunden auf einmal vor ihren Türen stehen und ihr Edelmetall wieder einfordern würden und dass man ihnen deshalb doch gestatten könnte etwas mehr Geld zu verleihen, als Mann an harten Werten im Tresor hielt und tatsächlich, es wurde ihnen erlaubt und damit war das Mindestreserveprinzip geboren, es besagte, Banken mussten nur einen bestimmten Anteil des Geldes das sie verlieren durch Festwerte hinterlegen, damit war ein wahrhaft historischer Meilenstein in der Geschichte des Bankwesens erreicht.

Durch das Mindestreserve Prinzip erhielten die Banken nämlich zum ersten Mal das Recht zugesprochen, selbst Geld zu erzeugen, das vorher nicht da war, also das Recht der Geldschöpfung. Mit diesem Recht haben sich die Banken einen Sonderstatus erworben der sie endgültig über den Rest der Bevölkerung erhoben hat, denn in einer vom Geld beherrschten Gesellschaft kann es kein anderes Recht geben das seine Besitzer so sehr privilegiert, wie das der Geldschöpfung.

Die Ära des Buchgeldes

Der nächste Schub sollte dann auch nicht lange auf sich warten lassen, denn der Ära des Papiergeldes folgte schon bald die Ära des Buchgeldes, also des ersten Geldes das nicht in physischer Form existiert, sondern nur in der eines Eintrags in den Büchern einer Bank, dass aber von den Kunden der Bank jederzeit in Form von Bargeld eingefordert werden kann. Durch die Einführung des Buchgeldes erweiterten sich die Möglichkeiten der Geldschöpfung, da Kredite nun über einen einfachen Buchungssatz geschaffen werden konnten.

Und als ob das alles noch nicht genug wäre, eröffnete sich den Banken im 18. und 19. Jahrhundert noch eine weitere Geldquelle, die Kolonialfeldzüge, die Eroberung von Kolonien war mit hohen Kosten verbunden, denn sowohl die Herrschenden die das Militär entsandten, als auch die Kaufleute die dort Handel betrieben, brauchten zur Finanzierung ihrer Aktivitäten viel Geld und heizten so die Kreditvergabe der Banken weiter an.

Man kann also wenn man die Zeit zwischen dem Ausgang des Mittelalters und dem Ende des 19. Jahrhunderts betrachtet sagen, dass das Geldwesen in dieser Zeit ganz entscheidend von dem gigantischen Aufstieg und dem Machtzuwachs der Banken geprägt war, sie sind in dieser Zeit zu den eigentlichen Herren der Gesellschaft geworden, auch wenn sie ihre Macht weitgehend hinter den Kulissen und abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit ausgeübt haben.

Jetzt wirds aber richtig interessant. um nun den weiteren Verlauf der Geschichte des Geldes zu verstehen, müssen wir nämlich einen gewaltigen Sprung machen, nicht zeitlich, aber geografisch, wenn wir nämlich die Funktion unseres heutigen Geldsystem begreifen wollen, dann reicht es nicht aus die Geschichte des Geldes in Europa anzusehen, dann muss man nach Amerika schauen.

Das Geld und Finanzsystem, unter dem wir heute leben hat seinen Ursprung nämlich in einer Konferenz, die im Jahr 1944 in einem kleinen Urlaubsort an der Ostküste der USA namens Breton Woods stattfand. Dieses Geldsystem hat eine ganz besondere Eigenschaft, es ist im Gegensatz zum europäischen, nämlich nicht über Jahrhunderte gewachsen, sondern der gesamten Welt aufgrund der wirtschaftlichen und militärischen Übermacht einer Nation, der USA, aufgezwungen worden, das ist ein in der Geschichte des Geldes einmaliger Akt, denn das hat vor den USA noch keine Nation geschafft, der gesamten Welt die eigene Währung, praktisch über Nacht als Leitwährung auf zudiktieren.

Man muss es schon fast als eine Ironie der Geschichte bezeichnen, dass dieses Geldsystem seinen Ursprung ausgerechnet im Wilden Westen hat, die Eroberung des amerikanischen Westens, der heute noch oft romantisiert und verklärt wird, war ja nicht nur eine äußerst blutige Angelegenheit, bei der die einheimische Bevölkerung, insgesamt etwa 800 Indianerstämme, weitgehend ausgerottet hat, sondern auch eines der größten Wirtschaftsprojekte in der gesamten Menschheitsgeschichte.

Nie zuvor sind in so kurzer Zeit, in einem Zeitraum von weniger als 100 Jahren, so viele Straßen gebaut, so viele Eisenbahnlinien errichtet und so viele Städte aus dem Boden gestampft worden, wie in den USA im 19. Jahrhundert.

Nie zuvor sind in so kurzer Zeit so viele Unternehmen entstanden und haben sich einen so gnadenlosen Wettbewerb geliefert und dabei vor allem eine Branche gefördert, nämlich die Banken, als große Gewinner der Eroberung des wilden Westens werden uns zwar immer einzelne Unternehmerfamilien dargestellt, wie die Rockefellers, oder die Gettys die zu Legenden geworden sind, aber der größte Gewinner, der absolut größte Gewinner war der sogenannte Moneytrust, also die Banken die diesen Unternehmern einen Kredit nach dem anderen zur Verfügung stellten und dadurch immer reicher und mächtiger wurden und die diese Macht auch zu nutzen verstanden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts saßen Vertreter der damals größten Bank JP Morgan in den Vorständen von 112 Unternehmen und kontrollierten ein Kapital von 22 Milliarden Dollar, das wäre heute ein Betrag im Billionenbereich, blickt man also auf die Jahre zwischen 18.- und 19. hundert zurück, dann sieht man das sich die Entwicklung des Geld- und Bankensystems in den USA vor allem durch seine rasante Geschwindigkeit auszeichnet, es hat mehrere Phasen, die in Europa Jahrhunderte gedauert haben, in wenigen Jahrzehnten zurückgelegt, so ist der Dollar, dessen Name übrigens auf das deutsche Wort Taler zurückgeht, 1785 in Münzform als nationale Währung eingeführt worden und bereits 76 Jahre später, also 1861, als Papiergeld in Umlauf gebracht worden, um den Bürgerkrieg zu finanzieren.

Übrigens sei an dieser Stelle noch einmal an Mark Twain erinnert, bis heute hält sich ja das Gerücht, der amerikanische Bürgerkrieg sei aus edlen Motiven geführt worden und habe der Befreiung der Südstaaten von der Sklaverei gedient, zwar ist die Sklaverei damals tatsächlich abgeschafft worden, aber dabei ging es nicht in erster Instanz um humanitäre Prinzipien, sondern um Geld.

Unter dem Regime der Sklaverei mussten die Sklavenhalter ja für die Unterbringung und die Ernährung der Sklaven sorgen, in ländlicher Umgebung war das kein Problem, aber durch den Siegeszug der Industrie wurden immer mehr Industriearbeiter in den Städten gebraucht und dort wäre die Unterbringung und Versorgung dieser Arbeiter die Unternehmer teurer zu stehen gekommen, als wenn man den Leuten einen Lohn zahlte und sie für sich selbst sorgen ließ.

Die Abschaffung der Sklaverei war also im Grunde nichts anderes, als die Entlassung aus der Sklaverei in die industrielle Lohnabhängigkeit, aber zurück zu den Banken, zum Moneytrust, dessen mächtigste Vertreter sich mittlerweile an der Wall Street in New York niedergelassen und dort ihre eigene Börse eröffnet hatten.

Unter ihnen setzte mit Anfang des 20. Jahrhunderts ein neuer Prozess ein, hatte die Goldgräberstimmung unter den Banken im 19. Jahrhundert dafür gesorgt, dass immer mehr Banken gegründet wurden, begann jetzt ein gnadenloser Kampf um Marktanteile, das heißt die großen Banken Taten nun alles um sich an der Spitze des Systems zu etablieren und den kleinen Banken entweder das Leben zu erschweren, oder sie sich einzuverleiben.

Eine große Hilfe erhielten sie als es zur Panik von 1907 kam, bis heute ist nicht geklärt ob die Panik Folge eines Unternehmenzusammenbruch war, oder von gezielt gestreuten Gerüchten der Großbanken, aber die großen Gewinner dieser Krise waren die Großbanken, sie warteten einfach ab bis die Krise ihren Höhepunkt erreichte und den kleineren Banken das Wasser bis zum Hals stand, kauften sie dann zu äußerst günstigen Preisen auf und verbuchten so einen weiteren gewaltigen Machtzuwachs, aber obwohl diese Macht nach der Panik von 1907 so groß war wie nie zuvor, gaben sich die Größten unter den Großbanken damit nicht zufrieden, sondern begannen einen neuen Plan zu schmieden.

Mit einem Trick zur FED

Er sah vor eine eigene Zentralbank zu gründen, um sich das bis dahin beim amerikanischen Staat liegende Monopol der Geldschöpfung anzueignen, zu diesem Zweck tat sich damals eine sehr kleine Gruppe von Bänkern, die aber immerhin ein Viertel des weltweiten Reichtums repräsentierten, mit einigen hochrangigen Politikern der republikanischen Partei zusammen und was dann passierte gleicht einem Krimi.

Die Männer reisten unter falschen Namen aus New York und Washington an, gaben vor einander nicht zu kennen und trafen sich auf der Insel Jackel Island vor Georgia, dort tagten sie eine Woche lang, in der Abgeschiedenheit eines privaten Golfclubs und entwarfen die Grundzüge für eine Zentralbank, nach dem Muster der Bank of England, danach reisten die Banker wieder unerkannt nach Hause, während die Politiker sich auf den Weg nach Washington machten, wo sie das fertige Konzept ins Parlament einbrachten und scheiterten und zwar aus einem einfachen Grund, der Moneytrust war damals in der Bevölkerung der USA so verhasst, dass der Kongress, also das amerikanische Parlament, einen Sturm der Entrüstung befürchtete und das Projekt deshalb lieber auf Eis legte.

Die Bänker aber ließen sich so leicht nicht entmutigen und griffen zu einem überaus fragwürdigen, aber äußerst erfolgreichen Mittel, sie gaben ihren Plan nämlich einen neuen Namen, Federal Reserve, heuerten einige renommierte Wissenschaftler an, um den Antrag umzuformulieren und dazu einige gekaufte überaus kritische Gutachten zu erstellen und setzten dann eine Kampagne in Gang, man nur als dreiste Täuschung der Öffentlichkeit bezeichnen kann.

Sie ließen die Gutachten nämlich veröffentlichen und den eigenen Plan durch ihre Beziehungen zu amerikanischen Presse, als eine Maßnahme zur Eindämmung der Macht der Banken darstellen, zudem traten einige der Politiker, die die Fed selbst mit konzipiert hatten an die Öffentlichkeit und verteufelten und verdammten ihren eigenen Plan als unzulässigen Eingriff in das Bankwesen, das Ergebnis war, dass die amerikanische Bevölkerung auf den Betrug hereinfiel, die Federal Reserve tatsächlich für eine Einrichtung zur Zügelung der Banken hielt und die Parlamentarier deshalb keinen Gegenwind mehr zu befürchten brauchen und das Projekt absegneten.

Mit der Gründung der Fed im Jahre 1913, war einer der historischen Meilensteine im Geldwesen des 20. Jahrhunderts erreicht, denn nun hatten sich die ohnehin größten Banken der Welt zu einem Kartell zusammengeschlossen, dessen Macht um vieles größer war, als die des Weißen Hauses, also der Regierung der Vereinigten Staaten und es dauerte nicht einmal 4 Jahre, bis sich diese Macht eindrucksvoll zeigte.

Während nämlich der Erste Weltkrieg in Europa tobte, ließ sich Präsident Woodrow Wilson 1917, nach einer ersten Amtszeit als Antikriegspräsident wieder wählen und versprach seinen Landsleuten hoch und heilig die USA auch weiterhin, aus dem damals in Europa tobenden Krieg herauszuhalten.

Die Wall Street Banken aber hatten das kriegsgeschehen in den ersten 3 Kriegsjahren bereits kräftig gefördert, indem sie ungeachtet aller moralischen Prinzipien hohe Kredite vergeben hatten, insbesondere ein Großbritannien, Frankreich und Italien.

Als es 1917 dann so aussah, als könnte Deutschland den Krieg gewinnen, fürchteten die USA Banken um ihr Geld, allerdings nicht lange, aufgrund ihrer Macht und ihres Einflusses auf das Weiße Haus, gelang es ihnen in kurzer Zeit aus dem Antikriegspräsidenten Wilson einen Kriegsbefürworter zu machen und anschließend auf dem Schlachtfeld das Blatt gegen Deutschland zu wenden.

Als der Erste Weltkrieg dann zu Ende war ging der Siegeszug der Wall Street weiter, es waren in erster Linie die großen US Banken die dafür sorgten, dass Deutschland im Versailler Vertrag zu Reparationszahlungen verurteilt wurde, auch hier sollte man sich noch einmal an Markt Twains Worte erinnern, die überwiegende Mehrzahl der Menschen geht ja heute noch davon aus, dass Deutschland damals als Kriegsstifter dazu verurteilt wurde, bei den Kriegsopfern Wiedergutmachung zu leisten, das aber entspricht nicht der Wahrheit, weder war Deutschland der alleinige Kriegsstifter, der Krieg war von mehreren anderen Nationen auch sorgfältig vorbereitet worden, noch kamen die Reparationszahlungen die Deutschland an Großbritannien, Frankreich und Italien leisten musste, den Opfern des Krieges, also Verwundeten, Verstümmelten oder traumatisierten Menschen zugute, tatsächlich schlossen die Reparationsgelder über die Regierungen in London, Paris und Rom zur Begleichung von deren Schulden in die Wall Street und die Wall Street nutzte diese zurückerhalten Gelder, indem sie sie zu einem großen Teil und das ist kein Witz, umgehend wieder nach Deutschland vergab, um dort den Wiederaufbau nach dem Krieg zu fördern.

Das größte und mächtigste Bankenzentrum der Welt hat damals also, einerseits den bis dahin schlimmsten Krieg der Menschheit, durch die Vergabe von Krediten gefördert und anschließend wieder durch Kreditvergabe, von seinen Folgen profitiert.

Nicht nur das, diese Kreditvergabe wurde auch auf die arbeitende Bevölkerung, sowohl in Europa als auch in den USA ausgedehnt, die nach den Schrecken und Entbehrungen des Krieges sehr empfänglich dafür war und löste damals eine wahre Kreditorgie aus, die heute unter dem Namen „Goldene 20er Jahre“ bekannt ist.

Eine Zeit in der viele Menschen mit Geld nur so um sich warfen, allerdings mit geliehenem Geld und auch diesen Rausch nutzten die US Banken mittels der Federal Reserve kühl kalkulierend für sich aus, die Fed wartete nämlich bis der Höhepunkt der Kreditschwämme erreicht war, erhöhte dann mehrmals die Zinsen und sorgte so dafür, dass viele Kreditnehmer in Schwierigkeiten gerieten, die New Yorker Börse 1929 zusammenbrach und die Welt zu Beginn der 30er Jahre in eine gewaltige Wirtschaftskrise, die große Depression rutschte.

Verlierer waren die arbeitenden Menschen, sowohl in den USA als auch in Europa, die millionenfach ohne Job da standen und jetzt mit Hunger und Armut zu kämpfen hatten, Gewinner waren die US Banken, die die Krise in aller Ruhe nutzten und insgesamt fast 10.000 ebenfalls in Not geratene kleinere amerikanische Banken aufkauften.

Die erste globale Leitwährung

Der nächste große Meilenstein in der Entwicklung des globalen Geld- und Finanzsystems war dann der Zweite Weltkrieg, um den sich ja bis heute der Mythos rangt er sei ein Krieg der Demokratie gegen die Diktatur gewesen, auch hier sieht die historische Wahrheit anders aus, die NSDAP hat ihren Aufstieg während der Zeit der Weimarer Republik, also zwischen 1919 und 1933, zu einem großen Teil dem Wohlwollen der Wall Street zu verdanken und die USA sind nicht in den Krieg eingetreten, um die faschistische Diktatur in Deutschland zu beenden, sondern aus einem ganz anderen Grund, um Großbritannien als Weltmacht zu beerben und der Welt den eigenen Stempel aufzudrücken.

Genau das haben die Banken der Wall Street noch vor dem Ende des Krieges, mithilfe der amerikanischen Politik getan, sie haben der Welt 1944 auf der Konferenz von Breton Woods, ein Finanzsystem aufgezwungen, dass ihre eigene Währung zur ersten globalen Leitwährung und die Federal Reserve zur mächtigsten Zentralbank gemacht hat, die es jemals auf der Erde gegeben hat.

Die Folgen der Beschlüsse der Konferenz von Breton Woods, also die Bindung aller Währungen der Welt an den US Dollar und dessen Bindung an Gold, waren in den kommenden Jahren weltweit zu spüren, im Zuge des Nachkriegsbooms von 1948 – 1973 wurde die gesamte Welt mit Dollars nur so überschwemmt, es gab keine andere Währung, dessen Bedeutung auch nur in seine Nähe kam.

Doch auch alle Macht der Federal Reserve konnte nicht verhindern, dass das Erzeugen von immer mehr Dollars zu einem zunehmenden Missverhältnis zum Gold führte und das Investoren in aller Welt, das gegen Ende der 60er Jahre diesen Trend bemerkten, da immer mehr von ihnen begannen ihre Dollar in Gold umzutauschen, zog die US Regierung die Notbremse und entkoppelte den Dollar am 15. August 1971 vom Gold, das war auch wenn die meisten Menschen kaum Notiz davon genommen haben, eine der wichtigsten Entscheidungen die im 20. Jahrhundert für das gesamte weltweite Geldsystem getroffen wurden.

Seit diesem Tag nämlich haben wir es rund um den Globus nur noch mit Fiat-Geld zu tun, also Geld das an keinen festen Wert mehr gebunden ist und daher ausschließlich vom Vertrauen der Menschen ins System lebt.

Diese Entkoppelung hat immense Folgen gehabt, sie hat nämlich die Voraussetzung dafür geschaffen, dass das Geldsystem nach dem Ende des Nachkriegsbooms ,also ab etwa ab 1973, dereguliert werden konnte und dass der Finanzsektor förmlich explodieren und sich weitgehend von der Realwirtschaft lösen konnte.

Damit sind wir jetzt bei einem Prozess der das Geldsystem unserer Zeit mehr als jeder andere geprägt hat und der dafür gesorgt hat, dass es 2 mal, nämlich 1998 und 2007/2008 beinahe zusammengebrochen wäre und in unserer Zeit nur noch aufgrund massivster Manipulation, vor allem durch die Zentralbanken, am Leben erhalten werden kann.

Unter der Deregulierung, ist die kontinuierliche Abschaffung von gesetzlichen Einschränkungen für das Bankwesen zu verstehen und diese Deregulierung ist nicht das Ergebnis einer Verschwörung oder des bösen Willens einzelner Individuen, diese Deregulierung ist die logische Konsequenz aus der Entwicklung des Geldsystems.

Nachdem der Dollar nämlich bis Mitte der 70er Jahre sämtliche Märkte der Welt erobert hatte, stieß er allmählich an seine Grenzen, die Märkte waren weitgehend gesättigt, die Warenproduktion geriet ins Stocken und damit auch die Kreditvergabe der Banken, da die aber in den davorliegenden Jahren mehr und mehr Macht an sich gerissen hatten, drängten sie mit Nachdruck auf neue Gewinnmöglichkeiten und forderten die Abschaffung von Gesetzen die ihre Entfaltungsmöglichkeiten einengten und jetzt zeigte sich wie sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen und der Politik zu ihren Gunsten verändert hatte.

Hatte die Politik in den USA in den 30er Jahren die Bürger zumindest noch durch das Trenn-Banken-Gesetz geschützt, tat die Politik in den 80er und 90er Jahren so gut wie nichts für die Bürger und gab den Wünschen der Banken immer bereitwilliger nach.

Hedge-Fonds – die unendliche Machterweiterung

Einer der wichtigsten Meilensteine der Deregulierung war die Zulassung von Hedgefonds, Hedgefonds sind Vermögensverwaltungen für Milliardäre die wie Banken arbeiten dürfen ohne ihren Regularien zu unterliegen, da ja keine Großbank daran gehindert werden konnte selbst einen oder mehrere Hedgefonds zu Gründen und sofort an, all die Geschäfte zu betreiben die ihr vorher verboten waren, wurde mit der Einführung von Hedgefonds nicht etwa eine Konkurrenz zu den Banken geschaffen, sondern deren Macht fast unendlich erweitert. Zudem wurden Briefkastenfirmen erlaubt und auf diese Weise die ganz legale Steuervermeidung, durch die Gründung von offshore Firmen in Steuerparadiesen dieser Welt gefördert, außerdem wurden bis dahin verbotene Aktienrückkäufe gestattet, durch die Großkonzerne die eigenen Kurse an den Börsen manipulieren konnten, was sie seitdem in immer größerem Ausmaß tun. Leerverkäufe erlaubten Investoren auf fallende Kurse zu setzen und sich an den Verlusten anderer Unternehmen zu bereichern, zudem wurden immer mehr Derivate auf den Markt geworfen, Finanzprodukte die heute den mit Abstand größten Raum im gesamten Finanzsektor einnehmen und deren Funktionsweise für das Verständnis des gegenwärtigen Finanzsystem unabdingbar ist.

Das Wort Derivat kommt vom lateinischen Verb deriware, gleich ableiten, die Derivate sind Finanzprodukte deren Preis sich vom Preis eines anderen Produktes ableitet, bei diesem anderen Produkt kann es sich um alles Mögliche handeln, ein Rohstoff, ein Aktienkurs oder auch einen Zinssatz. Derivate sind also im Grunde nichts anderes als Wetten, mit denen man auf steigende oder fallende Preise, Kurse oder Zinsen setzt, mit ihnen kann man innerhalb sehr kurzer Zeit, sehr hohe Gewinne erzielen, aber auch sehr hohe Verluste erleiden.

Obwohl Derivate historisch einmal zur Eingrenzung von Risiken entstanden sind, dienen sie in ihrer heutigen Form fast ausschließlich der Bereicherung von Spekulanten, dazu schaden sie der Realwirtschaft, indem sie ihr Geld entziehen und einzelne Marktteilnehmer, zum Beispiel durch Wetten auf fallende Kurse, vom Unglück anderer profitieren lassen, der Derivatemarkt hat auch dafür gesorgt, dass die Intransparenz im Finanzsektor gewaltig zugenommen hat, da ein großer Teil der Derivate over the counter, zu Deutsch, über den Tresen gehandelt wird und daher nicht in den Büchern der Finanzinstitute auftaucht, außerdem begünstigen Derivate illegale Aktivitäten im Finanzwesen, wer nämlich über Insiderinformationen verfügt, kann selbstverständlich besser auf kommende Entwicklungen wetten, als der der sie nicht hat und wer sehr viel Geld hat, kann seine Marktmacht gezielt einsetzen und so dafür sorgen, dass die eigene Wette aufgeht. Der ganze Finanzsektor hat sich also, vor allem durch den Einsatz solcher Derivate insbesondere in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, in ein riesiges Casino verwandelt und das mit weitreichenden Folgen.

Zum einen wurde die Realwirtschaft für Investoren immer weniger interessant, da die Gewinnmöglichkeiten im Finanzcasino ja viel höher waren und zum anderen, nahmen die Risiken im Finanzsektor exponentiell zu und das mit dramatischen Folgen. 1998 geriet in New York der Hedgefonds Long Term Capital Management ins Trudeln, da er sich riesige Summen zum hebeln seiner Wetteinsätze geliehen und diese durch Fehlspekulationen verloren hatte, sein Bankrott hätte nicht nur den Hedgefond selbst, sondern auch mehrere Großbanken mit ins Verderben gerissen und so mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Dominoeffekt im globalen Finanzsystem ausgelöst, der Crash wurde damals in letzter Minute verhindert und zwar dadurch das sich die betroffenen Großbanken mit der Fed zusammentaten, zähneknirschend 4 Milliarden investierten und den Fonds aufkauften.

10 Jahre später dann erfolgte der zweite beinahe Zusammenbruch, diesmal waren die Summen um die es ging hauptsächlich wieder im Derivatebereich, aber so groß, dass eine Rettung durch einzelne Banken ausgeschlossen war, deshalb sprangen die Staaten ein und retteten die vom Bankrott bedrohten Institute mit Steuergeldern, das aber riss so große Löcher in die Staatshaushalte, das anschließend die Zentralbanken einspringen mussten und damit begann die größte Manipulation die das Geldsystem in seiner gesamten Geschichte erlebt hat.

Seitdem beinahe Zusammenbruch von 2007 2008 sind billionen und aberbillionen an Dollars, Euros, britischen Pfund, japanischen Yen, schweizer Franken oder chinesischen Yuan ins globale Finanzsystem gepumpt und zu immer niedrigeren Zinsen vergeben worden. Außerdem haben sich die Zentralbanken im Stil von Hedgefonds selbst ins Geschäft mit Anleihen, Aktien und Verbriefungen eingeschaltet und die Märkte in einer Weise manipuliert, die die Welt zuvor nicht gesehen hat, gerechtfertigt wurden diese Eingriffe zunächst mit dem Verweis darauf, dass es sich um eine vorübergehende Notmaßnahme handle, seit Ende 2018 aber wissen wir, das stimmt nicht.

Zwischen 2015 und 2018 haben nämlich mehrere Zentralbanken, insbesondere die Fed versucht, vom eingeschlagenen Pfad wieder umzukehren, das heißt sie haben versucht die lockere Geldpolitik zu beenden, die Zinsen wieder zu erhöhen und weniger Geld ins System zu pumpen. Dieser Versuch aber ist Weihnachten 2018 spektakulär gescheitert, als die Aktienmärkte innerhalb weniger Tage die größten Einbrüche seit 70 Jahren erlebten. In höchster Not sind die Zentralbanken, allen voran auch wieder die Fed, damals an die Öffentlichkeit getreten und haben der Finanzindustrie versprochen, die Straffung ihrer Politik umgehend zu beenden und zur lockeren Geldpolitik zurückzukehren und genau das haben sie seitdem getan und zwar mit Vehemenz. 2019 haben wir 2 Zinssenkungen der FED erlebt, seit es September 2019 am amerikanischen Geldmarkt zu Turbulenzen gekommen ist, pumpt die FED erneut hunderte von Milliarden US Dollars ins System, während die EZB unter ihrer neuen Chefin Christine Lagarde, bereits angekündigt hat, ebenfalls die Zinsen zu senken und weiteres Geld ins System einzuspeisen, damit aber haben die FED und die übrigen Zentralbanken einen Weg eingeschlagen, der sie direkt auf einen Abgrund zuführt, durch die expansive Geldpolitik gleichen sie nämlich dem Fahrer eines Autos mit luftgekühltem Motor, der zur Kühlung des Motors immer schneller fahren muss, das kann eine bestimmte Zeit lang gut gehen, wird aber schlussendlich dazu führen, dass der Motor überhitzt und platzt und um genau dieses Platzen zu verhindern sind die Verantwortlichen gezwungen zu immer neuen Mechanismen der Manipulation zugreifen, wie zum Beispiel zu den eingangs von mir erwähnten Negativzinsen und es wird weitere Maßnahmen geben, wie zum Beispiel die Bargeldabschaffung die ja im Grunde nichts anderes ist als eine Reaktion auf Negativzinsen.

Man will so verhindern das Menschen oder Institutionen sich den Negativzinsen durch die Flucht ins Bargeld entziehen, dieser Prozess ist in einigen Ländern, insbesondere in Afrika und in Asien, schon weit fortgeschritten, aber auch in Europa wird er kräftig vorangetrieben, Schweden ist Vorreiter und in der EU arbeitet man auch intensiv daran, seit 2017 sind die ersten Obergrenzen für Bargeld Einzahlungen abgeschafft worden und seit 2018 wird der 500€ Schein nicht mehr gedruckt.

Es gibt auch bereits weitergehende Überlegungen, wie das gegenwärtige System noch länger am Leben erhalten werden kann, so hat der IWF bereits 2013 eine einmalige Steuer auf alle Vermögen in Höhe von 25% vorgeschlagen, das heißt an irgendeinem Tag soll die Bevölkerung länderübergreifend und ohne Vorankündigung, mit einem Viertel ihres Vermögens zur Kasse gebeten werden, ob es zu so einer Maßnahme kommen wird, die ja mit Sicherheit gewaltige soziale und politische Folgen haben und das Grundproblem nicht lösen, sondern nur aufschieben würde, das kann niemand sagen, man kann aber davon ausgehen das die Finanzindustrie zusammen mit der Politik noch einige Anstrengungen unternehmen wird, um dieses System zu Gunsten, der wenigen die davon profitieren, am Leben zu erhalten.

Die neben den Negativzinsen wohl absurdeste, aber inzwischen schon ernsthaft in Erwägung gezogene Idee, ist die des Helikoptergeldes, da es nicht mehr möglich ist den weltweit riesigen Berg an Schulden jemals wieder zurückzuzahlen, wird allen Ernstes überlegt eine Inflation in Gang zu setzen, indem man die Zentralbanken Geld schöpfen und dieses direkt an die Bevölkerung vergeben lässt, ohne Gegenleistung aber mit der Auflage, das Geld umgehend in den Konsum zu stecken, um so die Nachfrage zu stärken und eine Inflation auszulösen.

Es handelt sich dabei wie bei den Negativzinsen, um nicht mehr und nicht weniger als den Offenbarungseid des gegenwärtigen Systems, da dieses Helikoptergeld eine Spirale auslösen würde, aus der es keinen anderen Ausweg gebe, als den es immer wieder aufs Neue und in immer größerem Ausmaß einzusetzen, mit dem absolut sicheren Endergebnis einer galoppierenden Inflation.

All diese Gedankenspiele zur Rettung des Systems haben 1. Gemeinsam, sie beweisen das wir alle Zeitzeugen in einer ganz besonderen historischen Periode sind, nämlich der Endphase des bestehenden Geldsystem und dass diese Phase vor allem von einem Prozess gekennzeichnet sein wird, immer verzweifelteren und immer aussichtsloseren Versuchen, ein aus sich selbst heraus nicht mehr lebensfähiges System, am Leben zu erhalten.

Wichtigste soziale Folge dieses Prozesses, aber wird die ständig zunehmende Ungleichheit, auf der Grundlage der zunehmend ungleiche Verteilung des Geldes sein, wir leben ja heute bereits in der absurden Situation, dass einige wenige Einzelpersonen auf der Welt so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Menschheit.

Eine Erscheinung die es in der Geschichte noch nie gegeben hat und eine Entwicklung die so auf Dauer mit Sicherheit nicht weitergehen kann, dennoch führen alle zur Erhaltung des Systems getroffenen Maßnahmen dazu, dass diese Kluft zwischen Arm und Reich auf der gesamten Welt, sich weiter vertieft, die sozialen Spannungen also weiter wachsen werden.

 Wie aber wird es dann weitergehen?

Um diese Frage zumindest grob annähernd zu beantworten, muss man den Blick einmal von den Einzelheiten lösen und nochmal auf den großen Bogen schauen, den die Entwicklung des Geldsystems innerhalb der menschlichen Geschichte geschlagen hat und sich dabei vor allem von einem Gedanken trennen, das nämlich Geld und Märkte etwas sind, auf dass die menschliche Gesellschaft nicht verzichten kann.

Sowohl das Geld, als auch die Währungen in allen ihren Formen, sind wir ja gesehen haben Produkte des Menschen und in ganz bestimmten historischen Situationen entstanden, hatten also ihre historische Berechtigung, nur die Zeit geht weiter und so wie in der Natur alle Lebewesen einen Lebenszyklus haben der irgendwann zu Ende geht, so haben auch Geld und Märkte ihren Zyklus und ihre Lebensdauer.

Märkte sind ja wie wir gesehen haben aus dem Tauschhandel entstanden und haben dann eine jahrhundertelange Blütezeit erlebt, ihre Funktionsweise gründete sich auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage, dieses Prinzip kann aber nur solange funktionieren, wie unter den Anbietern ein gewisses Gleichgewicht besteht, das aber verschwindet mit der Zeit durch die Tendenz zur Monopolisierung und zur Kartellbildung, diese Tendenz führt dazu das sich die Märkte auf der Suche nach immer neuen Rohstoffressourcen und immer neuen Absatzmöglichkeiten immer weiter ausdehnen müssen, aber da die Erde ja endlich ist, stoßen sie irgendwann an ihre Grenzen und diese Grenzen sind längst erreicht und haben uns längst die wichtigste aller gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten vor Augen geführt, die Welt verträgt auf Dauer keine Wirtschaft die auf unendlichem Wachstum basiert.

Die Erde auf der wir Leben ist endlich, physikalisch ausgedrückt ein geschlossenes System, aber das Prinzip der Marktwirtschaft geht unbeirrt von ihrer Unendlichkeit aus, betrachtet sie also wie ein offenes System.

Warum aber werden aus diesen unbestreitbaren Tatsachen keine Konsequenzen gezogen?

Aus einem sehr banalen Grund, weil sich dieses System, genauso wie das Geld selbst inzwischen, über die Menschen erhoben hat und als unantastbar angesehen wird und weil dieses falsche Bild, das nämlich das System in seinen Grundzügen nicht zu verändern ist, von dem einen Prozent das ständig von ihm profitiert, über die Mainstream Medien mithilfe der Politik und mithilfe vermeintlich unabhängiger Wissenschaftler propagiert und den Menschen Tag für Tag eingehämmert wird. Nur deshalb kann sich das gegenwärtige System halten, das ja historisch gesehen das ungleichste, ungerechteste und damit undemokratische System ist, das ist seit der Erschaffung des Geldes gegeben hat, deshalb aber hängt es auch an einem seidenen Faden, wenn es nämlich gelänge die Mehrheit der Menschen dieses System zumindest in seinen Grundzügen verstehen zu lassen, dann könnte es auch gelingen über einen grundlegenden gesellschaftlichen Umbruch, ein neues anderes System zu schaffen, das nicht dem einen Prozent, sondern der Mehrheit der Menschen dient und das es schafft das Geld zu einem Produkt zu machen, das nicht den Menschen beherrscht, sondern das von der Mehrheit der Menschen beherrscht wird.

Die Chancen dafür stehen in unserer Zeit gar nicht so schlecht, da das bestehende System ja nur durch solche Maßnahmen erhalten werden kann, die den Lebensstandard der Mehrheit der Menschen verschlechtern, wird diese Mehrheit in der vor uns liegenden Periode in immer schärferen Konflikt mit diesem System geraten und das bedeutet, sie wird auch in schärferen Konflikt mit den eigenen Vorstellungen geraten, genau dieser Konflikt aber wird die Bereitschaft erhöhen, sich mit dem System und den Folgen die sich daraus ergeben auseinanderzusetzen, deshalb besteht eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Zeit darin, diesen Konflikt zu nutzen und so viel Menschen wie irgend möglich über den Charakter und die Funktionsweise des gegenwärtigen Geldsystem aufzuklären, um so die Tür aufzustoßen für ein anderes System, eines das nicht einer Minderheit dient, sondern der Mehrheit und das nicht auf Gier, Machtstreben und dem Raubbau an den Ressourcen der Erde aufbaut, sondern auf einer friedlichen, vernünftigen und sozialverträglichen Nutzung dieser Ressourcen und das zum Vorteil von uns allen.

Wenn mein Vortrag heute einen kleinen Beitrag zu dieser großen Aufgabe geleistet hat, dann hat er seinen Zweck erfüllt, vielen Dank.

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