Psyichater Raphael Bonelli: Freiheitskämpfer vs. Gesundheitsapostel

Corona Aktuell: In diesem Video zeigt Univ.-Doz. Dr. Raphael Bonelli, wie wir uns auf das Wesentliche besinnen und unsere Ängste und Differenzen überwinden können.

8 min

Der nachfolgende Text wurde aus obigem Podcast / Video transskribiert. Um die Lesbarkeit zu verbessern wurde der Text geringfügig verändert bzw. gekürzt ohne den Inhalt zu verändern.

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Meine Lieben, ich bin jetzt in etwas anderen Umständen im Krankenhaus. Ich habe jetzt 14-15 Videos gemacht über 2 Wochen lang und ich habe den Eindruck, dass mehr Angst herrscht als vor 2 Wochen und mehr Aggression. Angst und Aggression passen sehr gut zusammen, es ist sehr logisch, dass jemand der Angst hat auch aggressiver wird. Ich merke, dass bei Menschen die Angst haben, dass ihre Eltern sterben, dass sie hoch aggressiv werden. Es gibt Menschen, die auf der Straße aggressiv werden, wenn man ihnen auf 2 Meter nahekommt. Bei mir läuft in der Zwischenzeit sehr viel von diesen negativen Information zusammen ist mir gar nicht so angenehm eigentlich, aber ich kann es mir aussuchen kann mich auch distanzieren auf der anderen Seite wächst auch die Angst eingesperrt zu werden die Freiheit zu verlieren das ist auch eine Angst die diese ernst zu nehmen ist und wo sie auch in eine Aggression kippt manchmal also ich merke mehr eine der Frontenbildung zwischen  den Freiheitskämpfern und den  Gesundheitsfanatikern. Wenn ich jetzt einmal diese zwei Fronten zeichnen soll, da empfehle ich auf jeden Fall Besonnenheit, zurückziehen und den Blick zurück auf das Wesentliche. Eines der wesentlichsten Dinge, die ich kenne ist dass da ein neugeborenes Leben aus Liebe geboren, weil ich glaub das ist ein wesentlicher Faktor ein wesentlicher Grund um zu leben, dass wir eben zusammen als Menschen gut miteinander umgehen und das möchte ich sowohl den Freiheitskämpfern als auch den Gesundheitsaposteln mitgeben. Bitte achten Sie darauf, dass sie respektvoll mit dem jeweils anderen umgehen es ist gut, wenn jeder seine Meinung hat. Ich glaube es ist wichtig, dass man auch viel respektvoll mit fremden Meinungen umgehen kann und dass man nicht vergisst, dass wir in diesem Krieg oder in diesem Kampf gegen das Corona Phänomen einerseits und der Virus und andererseits die Maßnahmen, dass wir da eigentlich alle in einem Boot sitzen. Ich sehe, dass sich da jetzt zwei Fronten auftun, die sich gegenseitig versuchen aus dem Boot zu schmeißen. Das ist dumm, weil im Wesentlichen sind wir eine Menschheitsfamilie und wir gehören zusammen und wir müssen das gemeinsam meistern. Ich glaube nicht, dass jemand bösen Willen hat. Ich sehe das nicht so, dass die Regierungen jetzt einen fürchterlichen Plan haben um die Macht zu übernehmen. Ich glaube viele Menschen sind überfordert auch in Entscheidungssituationen. Ich bin selber froh, dass ich kein Entscheidungsträger bin. Natürlich muss ich meine täglichen Entscheidungen treffen, aber nicht für so viele. Ich habe auch viele Postings gelesen „Bonelli for President“ oder so was, also ich habe vor weder Präsident noch Bundeskanzler oder sonst was zu werden. Ich glaube es ist wichtig, dass jeder in dieser Gesellschaft eine Aufgabe übernimmt, die wirklich seins ist, wo er mitarbeitet am Gemeinschaftswohl. Das Gemeinschaftsgefühl, das hat Alfred Adler schon so schön formuliert, das Gemeinschaftsgefühl ist auf jeden Fall auf das gemeinsame zu sehen und dem anderen nicht einen bösen Willen zu unterstellen. Die Gesundheitsapostel unterstellen den Freiheitskämpfern, dass sie rücksichtslos sind und dass sie wollen, dass alle Armen, Kranken und Alten sterben, das stimmt nicht. Andererseits, die Freiheitskämpfer unterstellen den Gesundheitsaposteln, dass sie bösartig, totalitär die Macht übernehmen wollen und die Freiheit total vernichten, das stimmt auch nicht. Wir sind alle armselige Menschen, die alle ihre Ängste haben. Ich kann ihnen sagen als Psychiater, je bewusster ihnen ihre Angst ist und je klarer sie diese auch innerlich und äußerlich formulieren können, umso eher können Sie auch rational darüber nachdenken. Was genau ist meine Angst, was soll der Staat mit mir machen, was soll ich nicht mehr dürfen in Zukunft, gibt es irgendeine Macht die will, dass ich nie mehr auf die Straße gehe und mich mit meinen Freunden treffe, das wird wohl nicht sein. Auf der anderen Seite will irgendwer, dass meine arme Mami stirbt, die 75 ist, nein. Je mehr sie diese unbewusste Angst, die sie treibt ins Bewusstsein holen, indem sie wirklich mal in sich gehen und überlegen was die Sache war, worum geht es wirklich, umso mehr kommen sie drauf, okay das ist vielleicht überzogene Angst. Angst ist ein schlechter Ratgeber, was ich vielleicht in meinen Videos noch zu wenig klargestellt habe. Es gibt eine unbewusste Angst und die unbewusste Angst äußert sich dann in einer äußeren Inflexibilität des Denkens und einer Unfähigkeit auf die Argumente des Anderen zu hören. Das merke ich mehr und mehr in dieser eskalierenden Diskussion, in der wir stehen. Ich möchte nicht für eine der Seiten beansprucht werden, ich möchte neutral sein als Psychiater. Ich möchte auf allen Seiten sein, in dem Sinne, dass ich ihnen helfe diese Angst zu überwinden. Es gibt in dieser Diskussion Kampf gegen das Coronavirus kaum Bösewichte. Bösewichte wären die Kriegsgewinner, die absichtlich Ängste schüren, damit sie einen Vorteil daraus haben. Populisten, damit meine ich nicht unbedingt die rechten, sondern auch die linken Populisten, gibt es auf beiden Seiten. Ich sehe wir armseligen Menschen, die wir jetzt wieder neu konfrontiert werden von der Tatsache, dass wir alle sterben werden und viele Menschen ob sie es zugeben oder nicht haben Angst um sich selbst. Viele sagen, nein ich habe Angst um die alten, armen Kranken, aber in Wirklichkeit haben sie Angst um sich selbst, dass sie krank werden und sterben, oder auch dass sie  ihre Eltern verlieren, was eben auch ein zutiefst natürlicher Vorgang ist, oder dass sie eben massiv eingeschränkt werden. Mein Tipp für heute ist, einen Schritt zurückgehen, einen Gang zurückschalten langsamer werden. Nutzen wir diese Entschleunigung, die jetzt passiert, denken wir darüber nach worauf es wirklich ankommt. Überlegen wir uns wie wir diese Welt besser machen. Die Welt machen wir immer besser, wenn jeder einzelne Mensch ein besserer Mensch wird, indem ich lange darüber nachdenke, was ist das Wahre, das Gute und Schöne, dass ich versuche diese Werte in meinem Herzen zu etablieren, auf diese Werte zu schauen und versuche meine Handlungen entsprechend diesen Werten auszurichten. Das beginnt damit, wie ich mit anders Denkenden umgehe, kommuniziere und eine Diskussion führe. Alles Gute.

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