Gunnar Kaiser: Warum sind die Menschen so gehorsam? (3 Theorien)

Gehorsam, Autoritätshörigkeit, Fügsamkeit wohin das Auge blickt. Aber was ist der Grund für die Anpassung der Menschen an die Gruppe und ihre Normen, Gesetze und Regeln? Ich stelle drei Theorien aus der Psychologie vor. BÜCHER: Barry Schwartz: Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger glücklicher macht https://amzn.to/3eJbJic * Barry Schwartz: The Paradox of Choice: Why More Is Less https://amzn.to/3cGRxM4 * Hans-Joachim Maaz: Das falsche Leben: Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft https://amzn.to/3cHnBiQ *

Gunnar Kaiser, Schriftsteller und Philosoph: gunnarkaiser.de YouTube Kanal: Gunnar Kaiser Spenden: kaisertv.de Spotify: KaiserTV

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Ich muss echt zum Friseur, aber ich kann nicht zum Friseur, weil alle Läden zu sind. Warum ist das so? Wegen der Untertanenmentalität meiner Mitbürger* innen. Warum sind die Menschen so gehorsam?

Über die Frage warum die Menschen so Gehorsam sind gibt es natürlich viele Theorien, schon seit Gustave Le Bons „Psychologie der Massen“, seit Freud, seit Wilhelm Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“, seitdem Adorno und Fromm über die autoritäre Persönlichkeit geschrieben haben oder seit dem sozialpsychologischen Experimenten, Milgram Experiment, Ash-Experiment, Stanford Prison Experiment, also Untertanenmentalität, Obrigkeitshörigkeit, Anpassung, Konformität, Mitläufertum, gut zusammengefasst ist das ganze Thema Konformität, Mitläufertum und Autonomie auf der anderen Seite von Harald Welzer und Michael Paul in diesem Buch hier „Autonomie“, kann ich nur empfehlen, aber ich möchte heute noch 3 weitere Theorien anbringen, warum gerade in diesen Zeiten die Untertanenmentalität so kickt. 3 Gründe für die derzeitige Gehorsamspandemie, die erste ist von Barry Schwartz, einem amerikanischen Psychologen, die zweite ist von Hans-Joachim Maaz, einem deutschen Psychiater und Psychoanalytiker, und die dritte ist von Gunnar Kaiser, einem pseudointellektuellen Schwurbler im Internet.

1. Barry Schwartz

Barry Schwartz zeigt in seinem Buch „The Paradox of Choice“, dass Auswahl uns eigentlich nur stresst, Wahlfreiheit setzt uns unter Druck, eigentlich sollte man ja denken, je mehr Freiheit, je mehr Auswahl wir haben, desto zufriedener sind wir auch, desto glücklicher sind wir und desto mehr müssten wir eigentlich nach Freiheit, nach Autonomie streben, weil das unser Glück verspricht, aber Barry Schwartz sagt Nein, das ist nicht so. Viele Tests zeigen das auch, eine Verringerung von Auswahlmöglichkeiten, eine Beschränkung, die Menschen im Grunde genommen zufriedener macht, ein gewisser Grad an Beschränkung ist sogar befreiend und wir merken das wir umso zufriedener mit dem sind was wir gewählt haben, wenn die Auswahl aus dem wir das gewählt haben, gar nicht so groß war, je Größe unserer Auswahl ist, das gilt für alle Märkte, den Supermarkt, den Dating Markt, desto mehr empfinden wir Stress und wir haben sogar Angst, je mehr Entscheidungen wir fällen müssen, desto mehr Fehler können wir auch machen und jede einzelne Entscheidung kostet uns psychischen Aufwand und den versuchen wir zu vermeiden, man hat sogar Leute gefragt: „Wenn du Krebs haben solltest, möchtest du dir deine Behandlung selber aussuchen?“ und die Mehrzahl der Leute hat gesagt ja natürlich, aber als Mann Krebspatienten gefragt hat „möchtest du darüber selber entscheiden oder möchtest du das einen Experten aussuchen lassen?“, haben 88% der Menschen gesagt Nein das soll ein Experte für mich entscheiden, denn das selber zu entscheiden, das bedeutet eben Stress, das bedeutet eben auch die Verantwortung zu übernehmen, auch die Verantwortung für die Fehler, wenn es jemand anders entscheidet, dann hat er auch den Fehler gemacht und so könnte man auch die Pandemie sehen, als eine Art Bedrohung von außen die uns Stress, natürlich nicht im gleichen Maße wie uns eine Krebserkrankung Stress verursachen würde, aber doch ist da etwas was uns im Grunde genommen unter Stress setzt und wodurch wir jetzt durch eine gewisse Beschränkung gelindert werden von dem Stress, die Einschränkung unserer Wahlfreiheit, also von oben durch einen Shutdown, durch solche Maßnahmen, bedeutet eigentlich eine große Erleichterung und wir haben jetzt auch weniger Verantwortung, der Staat sagt uns was zu tun ist und wenn der Staat uns sagt was wir zu tun haben, dann hat er auch die Verantwortung über unser Leben und er kann nur die Fehler machen, das erleichtert uns selber psychisch. Also in dem der Staat als großer Verbieter auftritt der uns bindet, der uns Grenzen setzt, macht er unser Leben eigentlich noch glücklicher und freier, so empfinden wir es in Zeiten des Stresses, deswegen ist vielleicht auch die jetzige Reaktion in der Gesellschaft auf die Maßnahmen und die weitere Einschränkung der Maßnahmen gar kein richtiger Gehorsam im Sinne von Unterwürfigkeit, Autoritätshörichkeit, sondern eher eine Reaktion auf eine Überforderung durch eine Bedrohung von außen, die uns dann eine Unfreiheit als sinnvoll, weil erleichternd erscheinen lässt.

2. Hans-Joachim Maaz

Hans-Joachim Maaz der deutsche Psychoanalytiker und Psychiater hat in seinem Buch das falsche Leben über die normopathische Gesellschaft geschrieben und er sagt im Grunde genommen, wenn wir als Kind nicht geliebt wurden, wenn wir nicht akzeptiert worden sind, dann haben wir verschiedene Reaktionen darauf ausgebildet, wir haben ein falsches Selbst ausgebildet und eine Form dieses falschen Selbst kann das gehemmte Selbst sein, das gehemmte Selbst ist übervorsichtig, ist unsicher, es will nirgendwo anecken, es ist zurückhaltend auch mit seinen Gefühlen, es will überall auf Nummer sicher gehen, deswegen passt es sich dann oft der Mehrheitsmeinung an, sogar bis zur Selbstverleugnung, bis zur Selbstaufgabe, was dann eben ins Mitläufertum münden kann, so wie man es in Diedrich Hessling, in Heinrich Manns der Untertan gesehen hat.
Also der Liebesmangel den das Kind empfunden hat, der soll im Grunde genommen durch die Überanpassung ausgeglichen werden, man sucht Bestätigung durch Wohlverhalten und das kann sich auch auf die ganze Gesellschaft niederschlagen, eine ganze Gesellschaft kann diese kollektive Normophatie ausbilden, die ihr Heil in der Überanpassung an die Normen findet, das liegt nach Maaz vor allem daran, dass es Beziehungsstörungen in der Frühbetreuung gab und da könnte man überlegen ob es nicht in den letzten Jahrzehnten in unseren Gesellschaften durch das Bildungssystem eben so eine Art systemische Häufung von Beziehungsstörungen durch Frühbetreuung gab.
Das führt also zu einer Gesellschaft die sich krankhaft nach der Norm ausrichten will, die sich selbst verleugnet, ja und die auch quasi immer auf ein Befehl von oben wartet, die sich immer im Befehlsnotstand, wie Adorno das einmal in Erziehung Auschwitz beschrieben hat befindet, und die deswegen auch so glücklich damit ist, wenn jetzt von oben endlich gesagt wird was wir tun sollen. In der Form ist Gehorsam nach Maaz eigentlich ein Suchen nach Zugehörigkeit, nach Zugehörigkeit zu den Anderen, zu der Gruppe, zu der Gesellschaft und wenn diese kollektive Normophatie dann auch noch auf narzisstische Persönlichkeiten stößt, dann ergibt es eine explosive Mischung. Maaz diagnostiziert das auch für die Deutsche Gesellschaft, den Patienten Deutschland wie das nennt, eine normopathische Anpassungsstörung mit Zügen von narzisstischem Größenwahn, ihr kennt das, das ist die Deutsche Gesellschaft. Das schlägt sich auch in vielen Einzelheiten nieder, in diesem politischen Moralismus, in dem der Hypernormalisierung von allem, in der Blindheit auch für die eigene Anpassung und vor allem die Tatsache, dass die psychosoziale Störung nicht als solche erkannt wird, wenn eine Mehrheit von ihr betroffen ist und natürlich auch in der Diffamierung von Andersdenkenden. Maaz schreibt: „Die bloße Diffamierung von Protest, ist ein ziemlich sicheres Zeichen für das Schutzverhalten eines falschen Selbst, das sich durch Kritik als bedroht erlebt, weil dadurch die eigene Abwehr und Kompensation verunsichert wird.

3. Gunnar Kaiser

Nun haben wir noch eine dritte Theorie, was wenn ich euch sage das es sich gar nicht wirklich um Gehorsam handelt, es ist gar kein Gehorsam, es wird ja von den Betroffenen, die wir also als Gehorsam oder Untertänig bezeichnen, gar nicht so empfunden, keiner geht hin und sagt „ja stimmt, ich bin Gehorsam, warum bin ich so Gehorsam“, im Gegensatz dazu werfen die, denjenigen die sagen wir mal Freiheitskämpfer sind Egoismus vor, denjenigen die rausgehen, denen die keinen Mundschutz tragen, diejenigen die sich weigern den Maßnahmen zu gehorchen, denen werfen die Gehorsamen eben Egoismus, Rücksichtslosigkeit, mangelndes Verständnis, Uneinsichtigkeit vor und darin liegt natürlich auch immer die Gefahr eben den Andersdenkenden zu pathologisieren, so wie ich es jetzt eben mit den Gehorsamen gemacht habe, ja du kannst einfach mit der Freiheit nicht umgehen, du kannst die Auswahlmöglichkeit nicht vertragen und deswegen fliehst du sozusagen in die Einschränkung oder dein falsches Leben, das muss sich in der Anpassung eben kaschieren, gleichzeitig wird man selber aber pathologisiert von den Angepassten, das sie nämlich eben sagen, ja dein Egoismus da muss doch irgendwas in deiner Kindheit falsch gelaufen sein, du warst bestimmt Einzelkind, oder deine Eltern haben dich verwöhnt oder was auch immer.
Meine Theorie ist, jeder ist Gehorsam, jeder ja jeder und zwar kommt es auf das Ausmaß des Gehorsams an, wenn wir uns eine ganz normale Regelung jetzt vorstellen zum Beispiel die Rettungsgasse auf der Autobahn und wir merken das das neu eingeführt wird von oben, vom Straßenverkehrsamt und auf einmal halten sich die Leute daran und bilden schön eine Rettungsgasse und man selber bildet es auch, dann würde man sich selber ja nicht als Gehorsam ansehen, denn man erkennt die Sinnhaftigkeit dieser Regel, man ist einsichtig, man sieht es als sinnvoll an, zweitens sagt man, Na ja es kostet mich ja nicht viel, das ist keine große Einschränkung meiner Freiheit und es hat auch nicht so große Nebenfolgen und drittens ist es auch gleichmäßig auf alle verteilt, die Regel gilt für alle, es ist irgendwie gerecht und wenn diese 3 Dinge gegeben sind, Einsicht, keine großen Nebenfolgen, also auch keine große Einschränkung und es ist gleichmäßig auf alle gerecht verteilt, dann befolgen wir die neue Regel auch, Kritiker würden sagen fügsam und wenn wir zum Beispiel ein Tempolimit haben, auf einer Autobahn muss vorher noch kein Tempolimit gab und auf einmal wird da gesagt, jetzt dürft ihr nur noch 130 fahren und man hält sich dran und jetzt sieht man, einige fahren aber schneller als 130, die Raser und man selber würde die eben ja nicht als Freiheitskämpfer, als Nonkonformisten bezeichnen, sondern man würde sie als rücksichtslos, als uneinsichtige Egoisten bezeichnen, genau so, wie wir die Raser sehen, sehen diese „wir bleiben zuhause Fraktion“ uns, wenn wir uns eben gegen die Maßnahmen von oben auflehnen, die sehen uns genau, wie wir die Raser sehen, als uneinsichtige Egoisten, das bedeutet der einzige Unterschied zwischen den Gehorsamen und den Freiheitskämpfern ist im Grunde genommen das Maß ein Einsicht, das man in die neuen Regeln hat und dieses Maß an Einsicht kommt glaub ich nur daher, dass man entweder andere Informationen hat, also dass beide Gruppen unterschiedliches Wissen über die Situation insgesamt haben, eine unterschiedliche Einschätzung der Lage, unterschiedliche Bilder auch vielleicht, auch emotional und das das der eigentliche Unterschied ist, weil einige Menschen eine sehr schnelle Einsicht haben und es schnell auch akzeptieren und sagen okay so ist die Lage, das sind die Maßnahmen, ich sehe das schnell ein und andere sind da wiederständiger, die sind skeptischer, sind vielleicht auch unbequemer und die hinterfragen das und sagen Nein das sehe ich nicht ein, wo ist der Sinn von diesen Maßnahmen, ist die Situation wirklich so wie es eben beschrieben wird und das ist glaub ich der Hauptunterschied, nicht der von Gehorsam und Freiheitsliebe, sondern eben der von schneller Einsicht und langsamer Einsicht, dieser Unterschied teilt die Menschen in klug, rücksichtsvoll, altruistisch, die mit der schnellen Einsicht, oder eben halt unterwürfig, Autoritätshörig und auf der anderen Seite die Ungehorsamen, die Nonkonformisten, die Freiheitskämpfer, die Rebellen oder eben auch die Egoisten, die mit der widerständigen Einsicht, die eben sich länger darum bemühen auch hier ein komplettes Bild der Lage zu bekommen, die da skeptischer sind und der Unterschied warum die einen schneller zu einer Einsicht kommen und die anderen langsamer ist glaube ich der des Vertrauens, die einen Menschen vertrauen einfach den Behörden, den Experten, der Autorität eher, die anderen misstrauen und daher kommt dann eben auch der Eindruck, dass die einen Untertäniger sind und die anderen größere Rebellen und Freiheitskämpfer.

Das war’s für heute auf Kaiser TV, ich hoffe das Video hat euch gefallen, falls ja dann könnt ihr alles nachhören, als Podcast auf iTunes, auf Soundcloud, auf Deezer, auf Spotify, ihr könnt was Spenden, über Patriot, Paypal, könnt Mitglied werden beim bei diesem Kanal hier für 1€ im Monat und ihr könnt was in die Kommentare schreiben, ja lasst euch was einfallen, was war für euch die überzeugende Theorie, die von Barry Schwartz, die von Hans Joachim Maaz, die von diesem Gunnar Kaiser oder vielleicht noch eine vierte oder gar keine, schreibt in die Kommentare, ich freue mich darauf, bis zum nächsten Mal, macht‘s gut.

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