Gunnar Kaiser: Eine schreckliche Entdeckung!

Eine schreckliche Entdeckung!

Gunnar Kaiser, Schriftsteller und Philosoph: gunnarkaiser.de YouTube Känale: Gunnar Kaiser Gunnar Kaiser Unchained Spotify: KaiserTV Spenden: kaisertv.de

Dieser Text wurde maschinell mit einer Transscriptionssoftware erstellt um Stichworte mit einer Volltextsuche finden zu können. Der Text enthält daher einige Fehler und ist auch wegen fehlender Satzzeichen nicht gut lesbar.

Ich möchte dass sie das erste mal zu Gesicht bekam war ich mir sicher ihn irgendwo schon einmal getroffen zu haben ich konnte nicht sagen was genau es an ihm war seine haltung sein gesicht die haare aber ich habe mir sicher und doch war das gewiss unmöglich noch nie in meinem leben war ich in einem altersheim gewesen dass hatte einfach keinen grund gegeben meine eltern waren beide vor langer zeit bei einem autounfall gestorben wie man mir erzählt hatte ich war zu diesem zeitpunkt gerade einmal zehn und sie waren nicht einmal 40 gewesen meine großeltern kannte ich nicht und andere angehörige aus ihrer generation besaß ich nicht kein grund also ein altersheim zu betreten und das sich mester d’orsay außerhalb seines zimmers gesehen haben könnte war völlig ausgeschlossen er war 87 jahre alt wie ich dem schild neben der scheibe entnehmen konnte durch die ich ihn jetzt betrachtete 87 jahre das bedeutete dass er bereits vor mindestens 22 jahren hier rein gekommen sein musste damals war ich noch nicht einmal auf der highschool und trotzdem an diesem tag einem warmen spätsommertag des jahres 2000 84 an dem ich das altersheim von ana paula zum ersten mal betreten hatte und dort schlafenden einem rollstuhl vorfand in sich zusammengesunken den weiß behaarten kopf sanft an ein kissen gelehnt war ich mir beinahe sicher irgendwo waren mir diese gesichtszüge schon einmal untergekommen die adler artige nase zwischen den eingefallenen wangen die grauen schläfen und die vollen lippen über dem sauber rasierten kennen es lag mir auf der zunge doch es wollte mir partout nicht einfallen wo es gewesen sein könnte vielleicht war es aber auch einfach nur die tatsache dass ich seit jahren das gesicht eines fremden nicht mehr unbedeckt gesehen hatte ich nähere mich der scheibe die sein zimmer vom flur trennte alle zimmer des altersheims von amma paula waren auf die gleiche art gebaut wie mir dr wheeler der leiter des heims an einem pappmaché modell demonstrierte dass die mitte seines büros beherrschte die symmetrische anlage des gebäudes macht es möglich sagte wyler und tippte mit dem gummi bewährten ende seines bleistift auf den vier türmen des modells herum dass alle zimmer exakt gleich groß sind eines gleicht dem anderen hier wird niemand bevorzugt es sind gemütlich eingerichtete zellen mit genau quadratischem grundriss die zu einer der flur seite hin offen sind sie werden sehen mister miller dabei wandte er sich mit stolzgeschwellter brust zu mir unsere betagten menschen fühlen sich hier ausgezeichnet schon am vorabend hatte mich dr wieder am telefon mit einer stimme die das gewinnende tambrea eines vertreters für schreibmaschinen hatte darauf hingewiesen dass seine einrichtung dafür bekannt sei die penibelste sicherheitsstandards einzuhalten plexiglasscheiben in fenster und schiebetür mauern aus stahlbeton alle zimmer und flure werden dreimal am tag kontrolliert und zweimal antiseptisch gereinigt die sanitären einrichtungen viermal hier kommt keine maus nicht einmal ein bakterium ohne anmeldung herein kein bakterium aber sie sind sicher dass ungebetener besuch hier war fragte ich das ist es ja was mich so beunruhigt unsere alten sind hier sicherer als das gold in fort knox und doch ist es jemandem gelungen bei uns einzubrechen wer bricht dann in ein altersheim ein ich nahm einen schluck berben aus einem der gläser die seit einigen tagen auf meinem küchentisch standen in einen wohnsitz für betagte menschen in einem nun gut wer bricht in einen wohnsitz für betagte menschen ein noch dazu wenn er so gut gesichert ist wie vor knox das sollen sie ja eben herausfinden mister miller sie sind doch der privatdetektiv frank möller das bin ich es ist nur normalerweise steige ich maßnahmen verweigerern hinterher oder decke versicherungsbetrüger auf aber ein altersheim ein wohnsitz für betagte menschen mister miller sie fürchten sich doch nicht vor alten leuten oder haben sie etwa angst vor dem tod der tod ist mein geschäft antwortete ich und legte auf am nächsten morgen fuhr ich mit meinem ford linken nachahmer paula also ich hin will das büro stand funkelt nicht seine blauen augen über der maske bittend an sie sind unsere einzige hoffnung wir können so einen fall nicht den behörden melden mister miller das werden sie verstehen wenn herauskommt dass man hier ein und ausgehen kann wie es einem beliebt wird es einen riesen aufschrei geben es wird heißen wir schützen unsere betagten nicht und habe das leid anderer menschen kalt gelassen die versicherungen werden nicht mehr für uns aufkommen und unsere kunden werden abwandern ich bitte also um höchste diskretion ich nickte und sogar eine packung lucky strike aus meinem jackett sie können hier drin nichtrauchen mister miller die gesundheit wie gewissermaßen antwortete wheeler sie dürfen die maske hier nicht ausziehen ich steckte die zigaretten wieder ein und wandte mich dem modell des gebäudes zuvor dem sich wieder aufgebaut hatte sehen sie hier der einzige eingang zum wohnsitz ist tag und nacht gut bewacht die wände der flure und der zimmer sind mit kameras ausgestattet eine deckenhöhe schiebetür aus glas gewährt unseren pflegern und ärzten ungehinderten ein blick in die zimmer der bewohner so dass sie im vorbeigehen den zustand der insassen prüfen können im notfall ist die schiebetür kurzerhand mit einem knopf zu öffnen sie wohnen in ihren zimmern ein wenig wie auf präsentiert tellern finden sie nicht privatsphäre wird hier im heim nicht allzu groß geschrieben die betagten menschen in unserem wohnsitz haben sich gegen das konzept der privatsphäre entschieden es steht zu oft im konflikt mit ihrer sicherheit und ihrer gesundheit was wäre ihnen lieber mister miller wenn sie einmal in das gesegnete alter kommen dass sie bei einem schlaganfall schnell behandelt werden oder dass sie unbeobachtet in der nase popeln können. Wichsen tun diese Leute eh nicht mehr.

Dieser letzte satz wheelers beruhigte mich mehr also es sollte während ich durch die saal belegten flure des heims ging und verstohlene blicke in die zimmer der alten war das erste was mich überraschte war die tatsache dass niemand von ihnen eine maske trug ihren akten gesichter erinnerten mich an die szenerie eines alten films den ich einmal unverhoffter weise im hinterhof einer mediathek entdeckt hatte und er mittlerweile verboten und zurück gezogen war ich war es nicht gewohnt menschen in diesem alter zu erblicken niemand von uns war es noch viel weniger ihre nase und ihren mund sehen zu können obwohl ihre kleidung adrett und auch die zimmer thallos aufgeräumt und sauber waren hatte ich doch den eindruck die insassen seien gewissermaßen verwahrlost sie hatten nichts was man eine frisur nennen konnte alle männer unter ihnen trugen ein weiß grauen zottelbart und selbst ihre fingernägel waren übermäßig lang zudem starten sie alle mit leeren augen vor sich hin so dass ich an das vegetieren eines zu tieres in seinem käfig denken musste schließlich stand ich vor zimmer 412 sie werden dort keine deutlichen einbruch spuren finden hatte dr wheeler gesagt bevor ich sein büro verließ wer in das zimmer gelangt ist muss im besitz eines elektronischen schlüssels gewesen sein wer ist in der lage sich zugang zu diesen schlüsseln zu verschaffen nur das personal und die bewohner selber und es wurde nichts entwendet nun das ist richtig und b falsch ich sah dr wieder an in seiner die glasigen hornbrille spiegelte sich das licht des september tags dass durch die engen fenster ins büro viel es wurde nichts entwendet aber jemand jemand es ins zimmer ein geboren und hat einen der der betagten menschen entführt genau und sie wissen jeglicher unkontrollierter kontakt mit den betagten menschen wird rigoros geahndet dem entführer droht lebenslänglich sollten wir ihn erwischen aber dann müssen sie doch unbedingt die kriminalpolizei melden versicherungsschutz hin aufschrei her wenn ein insasse fehlt müsste d’orsay fehlt ja nicht das ist es ja wie bitte er sitzt gemütlich in seinem rollstuhl und schläft sehen sie hier wheeler zeigte auf den monitor auf seinem schreibtisch auf dem das bild der überwachungskamera von zimmer 412 zu sehen war das ist jetzt das ist jetzt er schläft wie jeden tag um diese zeit und die kameraaufzeichnungen aus der besagten nacht geben nicht sehen der entführer wusste genau wo die kamera steht aber wenn mister darcy wieder da ist dann kann er ihnen doch sagen wen entführt hat er erinnert sich an nichts mehr aber gehen sie befragen sie ihn selbst

Da stand ich nun vor der gläsernen schiebetür des zimmers 412 und betrachtete den schlafenden mister darcy in seinem rollstuhl erst als ich bis auf eine handbreit herangekommen war bemerkte ich dass sein rechtes auge halb offen war und mich unverwandt anblickte. Sie sind kein neuer Pfleger mein Sohn als ich dass es worte von namen überkam mich das unbestimmte gefühl diese man nichts vormachen zu können trotz seiner eingesunkenen körperhaltungen und seiner fahlen gesicht werbung machte er den eindruck eines durchaus wachen geistes ich bejahte was tun sie dann hier sagte er mit der heiseren stimme eines mannes der seit langer zeit nicht mehr gesprochen hatte in seinem tonfall mischten sich neugier und misstrauen ich komme wegen dem was geschehen ist. Nun öffnete sich auch sein anderes lied seine augen von einem hellen fast ausgeglichenen blau als hätten sie schon zu viel gesehen im leben fokussierten mich eine weile, dann schien der blick seinen halt zu verlieren und irrte ziellos im raum umher. Wegen dem was geschehen ist. Er wiederholte meine worte dreimal als würde er ausprobieren wie sie in seinem mund klangen. Ich kann ihnen sagen was geschehen ist sie erinnern sich fragte ich natürlich erinnere ich mich ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen. ich atmete auf wenn er sich wirklich an die nacht erinnerte an seinen entführer an das was er mit ihm angestellt hatte dann würde ich den fall sicherlich bald gelöst haben. ich würde ihnen ja gerne einen platz anbieten, sagte d’orsay und schob seinen rollstuhl ein wenig näher an die glasscheibe, aber sie sehen ja auf ihrer seite des glases gibt es keine sitzmöbel und ich bin nicht befugt jemanden hereinzulassen. ratlos ich mich um. vielleicht setzen sie sich einfach auf den boden es wird eine längere geschichte. ich tat wie mir geraten und nun im schneidersitz vor dem alten mann im rollstuhl kauernd gerade einmal eine armlänge von ihm entfernt nur die sauber geputzte glasscheibe zwischen ihm und mir, blickte ich zu ihm empor während der anfing zu erzählen.

es war vor langer langer zeit da lebten die menschen dieses landes friedlich und in harmonie vor sich hin. weit verzweigte familien lebten mit all ihren angehörigen unter einem dach, vom urgroßvater unter urgroßmutter über den oheim und die tanten und den vetter und die base bis hin zu den kleinsten sah sich die familie tagein tagaus. nicht immer lief dies alles ohne streit ab man schlug sich doch mal vertrug sich. die häuser und gärten waren groß und man hatte freude an der lebenslust der kinder und achtete die alten. docks erhielt als hätte ihn eine art wehmut nach der alten zeit ergriffen die er sicherlich nicht selbst erlebt hatte. ich weiß nicht mehr genau ab welchem zeitpunkt seiner rede mir klar geworden war dass der eindruck geistiger wachheit denen der alte auf mich machte nur eine täuschung gewesen war und weder wusste was vorletzte nacht geschehen und wer ihn entführt hatte, noch wer ich überhaupt war und warum er mir diese geschichte erzählte, er sprach leise und doch deutlich mit bedacht als müsste er jedes wort abwägen und dabei war mir klar dass er umnachtet war er schien sich beim erzählen in einer anderen wirklichkeit zu befinden. doch ich entschied d’orsay nicht zu unterbrechen sondern weiter zuzuhören halb aus der hoffnung heraus dass seine erzählung vielleicht doch noch entscheidende hinweise zur lösung des falls liefern würde halb ahnend es könnte sich nicht bloß um ein wirres und belangloses märchen handeln. mit der zeit jedoch vor doch sofort veränderte sich das zusammenleben der menschen, es begann damit dass die menschen nach und nach von der sehnsucht nach etwas gepackt wurden was sie ein selbst verwirklicht das leben. erst waren es die schauspieler und künstler die unbedingt sie selbst sein wollten dann nach ihrem vorbild die masse der gesellschaft man begehrte vor allem eins einzigartig zu sein. das führte dazu dass die menschen nicht mehr so viele kinder bekamen da großer nachwuchs als hinderlich angesehen wurde für die selbstverwirklichung. weil sie nun vom anblick großer kinder scharen entwöhnt waren, begannen sich die menschen nach dem übermut und der leichtigkeit derer zu sehen die zuvor ihre häuser und dörfer bevölkert hatten. man wollte wie ein kind sein, so leichtsinnig unbeschwert und albern und vor allem so naiv und voll heilige einfalt. der junge mensch den man immer seltener zu gesicht bekam wurde dadurch zum götzen und ein kult der jugendlichkeit entstand zu seinen ehren. so wurde 30 das neue 20 und 50 das neue 30 und 60 das neue 40 und so weiter sie verstehen. ich nickte. da nun aber durch den wachsenden wohlstand zugleich die alten immer älter wurden, wurden sie immer mehr und zu einer belastung. Alt sein war gleichbedeutend mit unnütz sein ausgedient und überflüssig alte erinnerten an krankheit und tod daher waren sie störend und schließlich unerwünscht man fing damit an die menschen wenn sie ein bestimmtes alter erreicht hatten aus den familien zu entfernen und in eigens dafür ersonnene einrichtungen zu stecken zu ihrem besten versteht sich so entstanden altersheim wie das in dem sie sich gerade befinden sie meinen die menschen hätten einmal in zeiten gelebt in denen es gar keine altersheime gab sehr richtig in der alten zeit hätte man diesen gedanken für völlig verrückt gehalten die menschen die einen geboren aufgezogen und ernährt hatten wie zum dank aus dem eigenen heim auszustoßen doch durch die vertreibung der alten aus den häusern vergaß man sie mit der zeit in der öffentlichkeit spielten sie keine rolle mehr immer seltener besuchte man sie in den heimen und auch auf friedhöfe ging niemand mehr um der verstorbenen zu gedenken und diese vergessen führte dazu dass man nicht mehr wusste was mit den menschen überhaupt geschah die ein bestimmtes alter überschritten hatten es ging so weit dass man sogar ihren tod vergaß ihrem tod ganz recht die menschen lebten damals in einem zustand selige unwissenheit sie hatten vollkommen vergessen dass es natürlich war das alte menschen starben dass menschen überhaupt starben man bietet nicht mehr für sie man trauert nicht um sie man besuchte sie nicht auf den intensivstationen ihre gräber ließ man verfallen und die friedhöfe zu wachsen dass die alten einfach verschwanden wurde zu einer und hinterfragten selbstverständlichkeit erwähnenswert war nur noch der tod eines menschen der in voller blüte stand ab einem bestimmten lebensjahr waren die menschen einfach verschwunden da schien der lauf der dinge zu sein und man war nicht traurig darüber bis eines tages bei diesen worten verstummte mister darcy erschien auf zu horchen als weitere er gefahr doch seine augen blieben leer als erst nach ein paar sekunden auch ich schritte von schräg hinten vernahm blickte ich mich um und sah eine der pflegerinnen den flur herunterkommen geht es ihnen gut mister darcy fragte sie als sie genau neben mir stand und durch die scheibe einen blick in das zimmer und auf den alten war wie aus der pistole geschossen antwortete er es geht mir ausgezeichnet schwester molly seine stimme war auf einmal verändert lauter und mechanischer als die des raunenden erzählers der bislang für mich gewesen war gut sehen sie aus mister d’orsay das sagen sie jeden tag schwester miley ich weiß jetzt gehört zu meinen protokoll aber heute meine ich es wirklich irgendetwas ist anders an ihnen wenn sie meinen versetzte jersey und zuckte mit den achseln schwester molly kritzelte etwas mit bleistift auf ein klemmbrett murmelte ein paar worte vor sich hin und setzte dann ihren weg an den anderen scheiben vorbei fort erst als sie nicht mehr zu sehen und zu hören war fuhr d’orsay nun wieder leise und bedacht ford eines tages also machte einer der renommiertesten experten auf dem gebiet der sozialforschung doktor john scott parker vom staatsministerium für gesundheit und jugendlichkeit eine schreckliche entdeckung so lautete übrigens auch der titel seines buches in dem er seine erkenntnisse kurz darauf veröffentlichte und das für einige jahre gesprächsthema nummer eins in allen medien war die schreckliche entdeckung des computers bestand darin dass die alten tatsächlich starben er hatte in den krankenstationen und altersheimen in rentner wohnsitzen und in den krematorien recherchiert und war zu der erkenntnis gekommen dass die verschwundenen älteren menschen teilweise viele jahre noch versteckt vor der öffentlichkeit weiter lebten bis sie alle verschieden man hatte vergessen das alte sterben ungläubig sah ich dass er an ja aber dank doch das gepolter erinnerte man sich wieder daran seine entdeckung löste einen skandal in der gesellschaft aus menschen sterben man konnte es nicht fassen mann leugnete mann ignorierte man beschuldigte doktors computer des hochverrats bezichtigt ihn ein lebens leuten zu sein und verunglimpfte all diejenigen die ihm zuhörten oder seine lehren verbreiteten als spinner und wirrköpfe bis die beweisen für scooter das fund zu erdrückend waren es kam der tag dass ich eine ganze gesellschaft der wahrheit über das leben stellen musste dass es im alter endete dass menschen dahin schieden denn nicht zuletzt sah man sich dank dieser einsicht gezwungen sich auch mit der eigenen endlichkeit auseinanderzusetzen dies alles war zu viel für die menschen die entdeckung des todes die er nur eine wiederentdeckung von längst bekanntem aber über generationen hinweg verdrängte im wissen war löste eine reaktion aus die heftiger nicht hätte sein können aus schrecken über das was man so lange vergessen hatte und nun als unleugbaren bestandteil der wirklichkeit anerkennen musste begann man fieberhaft nach wegen zu suchen das versäumnis wieder gut zu machen ein großes schuldgefühl über kamen die menschen angesichts der vernachlässigung mit der sie den alten so lange zeit begegnet war man begann damit die alten vor allem schützen zu wollen was im verdacht stand ihr leben zu verkürzen fleischverzehr tabak keime vireninfektionen man desinfizierte noch die kleinste oberfläche auf schritt und tritt man wunsch sich hände und arme bis zu den ellenbogen mann trug handschuhe und gesichtsmasken manche sogar ganzkörper schutzanzüge drohnen apps und virtuelle brillen wurden eingesetzt um alle kontakte lückenlos verfolgen zu können es bürgerte sich die gepflogenheit ein nicht nur zu den alten und den risikogruppen sondern überhaupt zu allen menschen wo es nur irgend möglich war einen mindestabstand zu halten die umarmung verschwand aus der öffentlichkeit sogar das streicheln stab aus ein kuss auf der straße galt als ausweis und solidarischer gesinnung ein händeschütteln als frisches zeichen der wissenschaft leugnung und selbst in dem letzten bisschen verbliebener privatsphäre dass ein paar in seinen ein bis zwei personen haushalten hatte nahm man beim kuscheln und beim sex stellungen ein die die infektionsgefahr weitestgehend aus räumen sollten man ließ sich gegen alle bekannten und unbekannten ansteckenden krankheiten impfen und verpflichtete diejenigen die sich nicht impfen lassen wollten ein gelbes kreuz aus übereinander gelegten spritzen auf der schulter zu tragen all dies geschah freilich zum wohl und zur gesundheit der alten die opfer die eine gesamte gesellschaft auf sich nahm waren so übermenschlich dass sie damit ihr gewissen wieder beruhigen konnte wenn es auch um läufer war das alte starben so wollte man sich doch nicht vorwerfen lassen etwas getan zu haben was ihr leben unnötig hätte verkürzen können nie wieder rief man und klopfte sich stolz auf die schulter nicht einander sondern jeder sich selbst gleichzeitig sorgt dies dafür dass man die alten weiterhin in den heimen lassen konnte man hatte ja nicht alles menschenmögliche getan und den tod von ihnen fernzuhalten man hatte nicht über den verlauf mehrerer jahre eine gesamte gesellschaft und ihre hergebrachten verhaltensweisen umgekrempelt um sie jetzt durch unverantwortlichen leichtsinn zu gefährden wie fahrlässig wäre es da ihnen zu erlauben wieder inmitten der menschen und familien zu leben wie einst unter einem dach mit den kindern und den werktätigen nun hatte man was man wollte das gute gewissen alles für die alpen zu tun solidarisch zu sein mit ihren alten erlaubte den menschen sie wie bisher dem vergessen anheim zu geben die alten noch ein paar jahre vor dem tod zu verstecken hieß sie weiterhin vernachlässigen zu können sich zu schützen hieß sie in einsamkeit zu begraben er machte eine pause in der ich nicht unterscheiden konnte ob er nach dachte oder eingeschlafen war dann sagte er soviel zu dem was geschehen ist seine erzählung hatte ich dort sehr aufmerksam gemustert erst jetzt bei seinen letzten worten fiel mir auf was ihn von den anderen insassen des wohnsitzes für betagte menschen unterschied sie haben sich nicht selbst rasiert oder mister wie kommst du darauf mein sohn sie haben das über die jahre perfektioniert nicht wahr ich weiß nicht wovon du sprichst ihre blindheit zu kaschieren ich bin nicht derjenige der blind ist mein sohn und doch kann ich mir nicht vorstellen dass sie ein blinder alter mann im rollstuhl in der lage sind sich selber so akkurat forcieren die haare zu schneiden sogar ihre fingernägel sind auf eine perfekte länge gekürzt anders als bei ihren nachbarinnen und nachbarn hat schwester molly sie besonders liebt es kann nicht alles so lange her sein dass sie geschnitten wurden schwester ball war es nicht wenn du das meinst schwester molly war noch nie in meinem zimmer wer war s dann es war ein mann ungefähr in deinem alter er auch nach ihre chance und lavendel wasser ein wenig wie du er hat mich für ein paar stunden von hier fort gebracht in seinem ford lenken wir fuhren ein wenig durch die stadt und hörten benny goodman im radio bei ihm zu hause tragen wir einen gaben whiskey dann nahm er handtuch kamm und schere und sorgte sich um mich und danach brachte er mich wieder hier her und nun sitzen wir hier ein leichteste dann überkam mich von meinen schultern die wirbelsäule herunter ich stoppte woher woher wusstest du dass ich kein pfleger bin wenn du mich nicht siehst der verbrecher kommt immer an den ort seiner tat zurück heißt es doch aber dass es so schnell gehen würde mit diesen worten ruft er seine fleckige nase zweimal und reckte sie ein paar zentimeter höher du hast das gerochen ich kenne deinen geruch schon länger als du ihn selbst kennst ich weiß nicht mehr wie du aussiehst ich erinnere mich daran nicht es mag 20 oder 30 jahre her sein und du hast sicherlich eine maske getragen aber ich weiß wie du riechst mein sohn ich wusste es immer ich betrachtete ihn erneut das leise lächeln auf seinen lippen seine leeren augen die jetzt zu funkeln schienen auch seine hände zitterten jetzt ja das waren seine hände die ich gestreichelt hatte das waren seine fingernägel die ich geschnitten hatte ja das war sein haar so ein weißes dünnes haar und das war sein kind das ich rasiert hatte das waren seine hohlen wangen auf die ich einen kurs gedrückt hatte das war der mann den ich umarmt hatte in der nacht wegen der ich nun wieder hier war ich wollte etwas sagen aber er unterbrach mich bevor ich ein wort hervorbringen konnte das ist alles was du tun kannst zu mehr sind wir nicht mehr in der lage wir beide nicht niemand mehr ich machte mich auf und stand nun dicht vor ihm was soll ich dr wieder sagen der fall ist auch geklärt oder nicht da hatte er recht aber das half mir nicht ich ging den flur entlang zurück in richtung empfangs büro und ausgang nach ein paar schritten jedoch hielt sich in drehte mich um und sagte was mache ich nun mit dem was du mir erzählt hast was fange ich an mit meinem neuen wissen ich weiß es nicht schreib es auf oder erzählt es deinen kindern leben sowohl müsste d’orsay fahr vorsichtig mein sohn ich verließ ohne mit dr wheeler noch einmal gesprochen zu haben den wohnsitz für betagte menschen von anna pohl und setzte mich in meinen wagen ein paar stunden furcht noch durch die straßen der mittags stillen statt aus dem radio erklang des frühlings die hitze war wieder unerträglich geworden dann machte ich mich auf den weg ins nächstgelegene revier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.