Boris Reitschuster: Manipulation in den Medien, „Studie“ zu Corona-Protesten – wie bestellt

Die Schlagzeile war allgegenwärtig, selbst in den ZDF-Nachrichten kam es groß. „Studie zeigt: Corona-Demos in Berlin und Leipzig waren Superspreader-Events“, titelt das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), zu dessen Eigentümer auch die SPD gehört. Weiter heißt es in dem Text und in unzähligen anderen Medien sinngemäß ähnlich: „Die Erkenntnis scheint nicht neu zu sein, doch jetzt ist sie wissenschaftlich untermauert – die großen Anti-Corona-Demonstrationen in Berlin und Leipzig im vergangenen Jahr waren Superspreaderevents. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW und der Humboldt-Universität Berlin.“

Boris Reitschuster Youtube Kanal: Boris Reitschuster | Spenden
lesen Sie bitte hier weiter:

lesen Sie bitte hier weiter:

Die nachfolgenden Inhalte wurden von obige Quelle als Sicherungskopie für den Fall der Löschung oder Sperrung der Original Quelle kopiert. Wir gehen davon aus, dass unserer Vorgehensweise im Sinne der Urheber ist. Sollte dies nicht der Falls sein, bitten wir um eine kurze Nachricht an redaktion äät deutungsvielfalt.de. -> weitere Hinweise

Auch auf der Bundespressekonferenz, von der ich diesen Beitrag schreibe, fragten Kollegen bereits nach der Studie. Tenor der Fragen: Müsste man jetzt nicht noch strenger sein mit Demonstrationen von Gegnern der Corona-Maßnahmen?

Sieht man sich die „Studie“ genauer an, kommt Erstaunliches zu Tage: Das Originalpapier ist als „Diskussions-Papier“ bezeichnet. Ich fragte einen befreundeten Arzt, der auch als Gastautor für meine Seite schreibt und in der Wissenschaft aktiv ist, ob man dieses Papier wirklich als Studie bezeichnen kann. Seine Antwort: „Medizinische Studien gehen auf einen pre-print server und dann durch die peer review. Striktes System. Dies hier ist ein Irgendwas eines Wirtschaftsverbandes namens ZEW. Und mein Bauchgefühl sagt mir: das ZEW bekommt staatliche Zuschüsse. Wetten?“

Man braucht nicht weit zu suchen, um genau das festzustellen. Über das ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) heißt es auf Wikipedia, das sonst keine zuverlässige Quelle ist, aber hier durchaus unverdächtig: „Die Finanzierung des ZEW erfolgt zum größten Teil aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg sowie seit dem Jahr 2005 aus der Bund-Länder-Finanzierung; diese institutionelle Förderung betrug im Jahr 2019 ca. 61 Prozent. Drittmittel (inklusive „sonstiger Erträge“) machten 36 Prozent aus.“

Warum es in den Medien heißt, bis hin zum ZDF, es sei auch eine Studie der Humboldt-Universität, ist mir rätselhaft. Einziger Hinweis auf die Humboldt-Uni in dem Diskussionspapier ist, dass einer der Verfasser mit der Humboldt-Universität in Verbindung gebracht wird. Darf man die Studie deshalb als Humboldt-Studie bezeichnen, fragte ich meinen Arzt: Seine Antwort:  „Unfug. Man kann allenfalls erwähnen, dass eine mit HU verbundene bzw. dort tätige (?) Person mitgewirkt hat. Ich würde sofort den HU Präsidenten kontaktieren und grillen. Ob er weiß, was unter dem Namen der HU läuft. Das ZEW ist mir suspekt. Bauchgefühl: staatsgeldabhängiger Laden?? Und mit Medizin hat das ZEW schon mal gar nichts zu tun, scheint aber laut Webseite besessen von Corona. Regierungs-Front Shop?“

Die Verfasser des Papier haben folgende Qualifikation: Ole Moschauer „Labor Economics, Economics of Migration, Applied Econometrics“.  Über den zweiten Autor, Martin Lange, heißt es auf der Website des ZEW: „Martin Lange ist seit September 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Personalmanagement“. Dort ist er im Forschungsschwerpunkt „Integration in Arbeitsmärke“ tätig. Seine Forschungsinteressen liegen in der angewandten Mikroökonometrie und der empirischen Arbeitsmarktforschung. Dabei beschäftigt er sich insbesondere mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Migration auf die aufnehmende Gesellschaft, dem Integrationsprozess von Migranten sowie der ökonomischen Analyse kriminellen Verhaltens.“

Insofern handelt es sich hier um eine Medien-Kampagne, ja beinahe um Desinformation. Ein merkwürdiges Papier wird in den Medien zur „Studie der Humboldt-Universität“ – und es wird der Eindruck erweckt, es handle sich um eine fundierte Studie und der eilige Leser wird zudem noch glauben, sie sei eine medizinische.

Den Inhalt der Studie konnte ich leider nur überfliegen. Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, wird dort zumindest der Eindruck erweckt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen AfD-Anteil von Wählern in bestimmten Regionen und Corona-Fällen dort. 

Ich hoffe sehr, dass sich jemand von meinen Lesern oder Gastautoren der Studie annehmen und ihren Inhalt analysieren wird. Sie finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.