KenFM: Hermann Ploppa – Luther beendet das lukrative Geschäft mit der Todesangst

Der Buchautor und Publizist Hermann Ploppa erläutert in HIStory kurz und sachlich historische Daten und Jahrestage von herausragenden geschichtlichen Ereignissen. Dabei werden in diesem Format Begebenheiten der Gegenwart, die mit einem Blick in die Vergangenheit in ihrer Bedeutung besser einzuordnen sind, künftig alle 14 Tage montags in einen geschichtlichen Kontext gebracht.

Das Thema heute: Luther beendet das lukrative Geschäft mit der Todesangst – Die Ablassbriefe und ihre Abschaffung

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Große Unternehmen, große Staaten, große Klöster, große Kirchen, große Nichtregierungsorganisationen: sie alle sind nie zufrieden mit dem Status Quo und wollen stattdessen noch immer größer und größer werden. Es liegt in der Natur der Sache: ein Organismus kann nur überleben, wenn er wächst. So scheint es jedenfalls. Aber auch die persönliche Raffgier der Lenker dieser Organismen wird immer größer. So explodiert mit der Zeit der Bedarf nach frischem Geld. Und immer wieder lässt sich frisches Geld möglichst rasch nur durch die Erzeugung von Angst herbeischaffen. Auf das Schockerlebnis mit den zusammenstürzenden Twin Towers am 11. September 2001 folgt eine gigantische Aufblähung der Rüstung und der Sicherheitsindustrie. Und die Wachstumsexplosion der Biotechnologie führt augenblicklich gerade zum Geschäft mit der Angst durch den Seuchentod dank Corona.

Ich möchte heute zeigen: das war immer schon mal so. Und es gab auch immer wieder erfolgreichen Widerstand gegen diese Exzesse.

Nehmen wir nur mal die Geschichte um den Augustinermönch und Theologieprofessor Doktor Martin Luther. Der hat bekanntlich am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen angenagelt. Diese Tat soll dann sozusagen durch die Schlagkraft der besseren Argumente den Exzessen der Katholischen Kirche den Garaus gemacht haben.  Da gehört aber sicher mehr dazu, um so einen korrupten Apparat zum Einlenken zu bewegen, als nur gute Worte. Denn schon früher hatten reihenweise kluge Leute den Alleinvertretungsanspruch der Heiligen Mutter Kirche anzuzweifeln gewagt. Nur ging es diesen Leuten dann nicht mehr so gut und sie landeten auf dem Scheiterhaufen, wie z.B. Jan Hus. Oder sie verschimmelten in Kerkern.

Also: was war bei Martin Luther anders als bei seinen unglücklichen Vorgängern?

Zunächst mal: was war das Ungeheuerliche an Luthers 95 Thesen? Das Anschlagen von Thesen war damals eine akademische Sitte. Ein Doktor, der was Neues ausdiskutieren wollte, stellte seine Thesen der Öffentlichkeit vor. Dann kamen andere Doctores daher und sagten: das sehe ich aber ganz anders! Ich lade zu einem Streitgespräch ein. Das Ungeheuerliche lag lediglich darin, dass Luther in seinen 95 Thesen der Katholischen Kirche das Recht abspricht, sich als Vermittler zwischen den Glaubenden und Gott aufzuspielen.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich eine Kaste müßiggängerischer Kleriker von der hart arbeitenden Bevölkerung durchfüttern lassen. Die Gegenleistung der Kirchenleute bestand darin, als Anwälte der Laien bei Gott ein gutes Wort einzulegen. Inwieweit die Seelen der Verstorbenen von der diesseitigen Fürsprache der Kleriker profitieren konnten, ist uns naturgemäß nicht möglich zu beurteilen. Jedenfalls lebte es sich als Kleriker entweder im Kloster oder in der Gemeinde auf diese Weise ganz komfortabel. Und nun kommt dieser Martin Luther plötzlich daher und sagt: kein Mensch braucht diesen Klerikerstand, um bei Gott besser angeschrieben zu sein. Denn Gott ist selber klug genug um zu beurteilen, welchem Menschlein er die Gunst seiner Gnade zukommen lässt, und wer in der Hölle auf ewig verschmoren muss.

Und dieser Martin Luther, der keinem verbalen Handgemenge aus dem Weg geht, ist nicht irgendjemand. Sondern Mitglied im angesehenen Augustinerorden und obendrein als Theologieprofessor der führende Bibelausleger in Deutschland. Das kann man nicht so einfach ignorieren, wenn so einer dann mal eben ganz ungeniert, und später auch in deutscher Übersetzung kundtut: wir brauchen Euch Priester und Pfaffen nicht!

Die Stimmung war sowieso schon gereizt. Denn am 31. März 1515 hatte Papst Leo der Zehnte seine so genannte Ablassbulle erlassen.

Was man dafür wissen muss: Laut Offenbarung des Johannes ist der Mensch nach seinem Ableben erst einmal genauso tot wie ein Stein. Erst wenn die Endschlacht zwischen den Himmlischen Heerscharen und den teuflischen Streitmächten in Armageddon stattfindet, nach dem tausendjährigen Reich, erst dann wird der Tote wieder eingefleischt – re-inkarniert – , mit Waffen und Rüstung ausgestattet, um bei den Himmlischen Heerscharen mitzukämpfen. Nach erfolgreicher Vernichtung der satanischen Heerscharen wird dann Petrus die Personalakte durchackern und dann entweder sagen: hinauf mit Dir in das Paradies! Oder: Hinab in die ewige Hölle!

Nun hatte sich aber, je mächtiger die Katholische Kirche wurde, ein neues Reich zwischen irdischem Leben und Himmel oder Hölle immer mehr herauskristallisiert: das so genannte Fegefeuer. Die Seele des Verstorbenen bruzzelt hier bei mittlerer Temperatur bis zur Entscheidung. Es gibt nur zwei Textstellen in der Bibel, die man mit viel gutem Willen als Beleg für die Existenz eines Fegefeuers herbeiholen kann.

Aber diese Produktinnovation der Angstindustrie kam jetzt voll zum Einsatz. Denn der Vatikan in Rom plante umfassende Bauinvestitionen in den Petersdom. Er bekam jedoch gerade keine neuen Kredite von den oberitalienischen Banken. Und auch der Bischof von Mainz, Albrecht von Brandenburg, hatte sich verkalkuliert und konnte fällige Kredite der Augsburger Fugger-Bank nicht zurückzahlen.

Jetzt also die geniale Lösung der frommen Geldprobleme. Die Gläubigen konnten die Zeitspanne im Fegefeuer dadurch verkürzen, dass sie so genannte Ablassbriefe von der Kirche kauften. Eine soziale Komponente war in dem Geschäftsmodell auch enthalten. Denn wer kein Geld hatte, der konnte stattdessen gute Werke tun. Das reicht zur Not auch. Ein Herr Tetzel zog durch Deutschland und beherrschte bereits die Klaviatur der Public Relations mit seinem eingängigen Werbespruch: „Wenn die Münze in der Kasse klingt, die Seele in den Himmel springt!“

Die Leute draußen im Lande waren ganz versessen darauf, sich rechtzeitig einen Ablassbrief zu kaufen. Aus dem Kurfürstentum Sachsen, das den Ablasshandel auf seinem Territorium untersagte strömten die Leute in die Nachbarländer, um noch ein Schnäppchen bei der transzendentalen Straferleichterung zu ergattern.

Doch in der Kirche selber führte der Ablasshandel zu massiver Verärgerung. Die so genannten parochialen Priester, die vor Ort die Gemeinden betreuten und auf Abgaben ihrer Schäflein dringend angewiesen waren, bekamen nämlich von dem Geldregen nichts ab.

Denn die Gelder wurden von den mönchischen Orden wie den Franziskanern und vor allem den Dominikanern eingesammelt. Einen Teil durften sie behalten. Ein größerer Teil ging zum Papst, dem die Ordensbrüder direkt unterstellt waren.

Professor Doktor Martin Luther gehörte dem Augustinerorden an. Im Augustinerorden brodelte es bereits. Denn die Augustiner haben den Kirchenvater Augustinus von Hippo als ihren Namenspatron. Und so ist es kein Zufall, wenn Luther sich als Theologe jetzt auf die alten Kirchenväter Augustinus und Paulus beruft. Beide Patriarchen bilden aber eine Zeit ab, als es den aufgeblähten Apparat der Katholischen Kirche noch gar nicht gab. Als die Kirchengemeinden noch ziemlich versprengt vor sich hinwurschtelten. Damals war auch der Papst lediglich der Bischof von Rom. Je mehr aber sich ein Netzwerk des Katholizismus über ganz Europa legt, umso mehr gelingt es den Päpsten in Rom, dieses raffinierte Gewebe um sich zu zentrieren.

Wer die Daten hat, hat die Macht. Das galt schon im Mittelalter. Kaiser wurden deutsche Könige dagegen erst, wenn der Papst ihnen die Kaiserkrone aufsetzte. Die Krone steht ja für die auratische Ausstrahlung des Königs. Denn der König hatte auch spirituelle Kräfte, so glaubte man. Die Berührung eines Kranken durch den König konnte eine Wunderheilung auslösen. Damit ist allerdings im Jahre 1077 Schluss. Da sagt nämlich Papst Gregor der Siebte, ein Zwerg von ein Meter Fünfzig, zum König: hör mal zu! In Zukunft bin ich die Nummer eins in Europa! Das sieht König Heinrich der Vierte von Deutschland zunächst nicht ein. Doch Gregor hat mit dem Netzwerk der barmherzigen Mutter Kirche den armen Heinrich so mit Intrigen zugeballert, dass dieser dann im Bußgang in klirrender Kälte in Canossa darauf wartet, bis Gregor der Siebte ihm vergibt und ihn freundlicherweise nicht aus der Kirche ausschließt.

Von da ab war klar, dass kein weltlicher Herrscher gegen den Papst aufmucken konnte. Daran änderte auch das Schisma nichts: dass nämlich zwischenzeitlich die Könige sich ihre eigenen Päpste wählten gegen konkurrierende Päpste. Zugleich war der Apparat der Kirche aber auch immer mehr zum Selbstzweck geworden. Der Glaube wurde eingezwängt in die Regelwerke des griechischen Philosophen Aristoteles. Trotzdem blieb immer ein Rest Unlogik, den der berühmteste Scholastiker Thomas von Aquin dann so ausfüllte:

Credo quia absurdum est – Gerade weil es absurd ist, glaube ich.

Im ausgehenden Mittelalter dominierten in der Santa Ecclesia Katholica die Juristen. Gegen das gemeine Volk schirmte man sich ab, indem man sich auf Latein unterhielt. Die Reaktion des gemeinen Volkes und frühbürgerlicher Kreise war dabei immer anwesend. Gerade im dreizehnten Jahrhundert liefen der Kirche die Gläubigen in hellen Scharen davon. Neue Mischreligionen mit indischen und persischen Wurzeln machten sich breit im Balkan und am Mittelmeer. Diese Ketzer musste die Kirche militärisch niedermetzeln lassen von ergebenen Fürsten. Die Waldenser wollten einen hierarchiefreien christlichen Glauben praktizieren.

Deren Begründer Valdes ließ die Bibel bereits im dreizehnten Jahrhundert in die Landessprache übersetzen. Der Waldenser schaufelte sich eine große Grube, stieg hinein und „grübelte“ über seine Beziehung zu Gott. Dazu braucht‘s keine Priester. Doch die Waldenser wurden ebenfalls brutal vertrieben und verzogen sich in unwegsame Gebirgstäler. Urkommunistische Gemeinden verbreiteten sich. Und die Adamiten liefen die ganze Zeit nackt herum, um Gott ganz besitzlos entgegenzutreten. In Deutschland predigten die Mystiker wie Meister Ekkehard den priesterlosen intuitiven Glauben.

Luther war von dem deutschen Mystiker Tauler sehr beeindruckt. Auch die Lehren des englischen Reformators William Ockham hatte er gelesen. Auch Jan Hus war Luther wohl bekannt. Der mächtige Protest gegen die geschäftlichen Ambitionen des sich immer weiter ausbreitenden katholischen Klerus kam somit keinesfalls aus dem Nichts. Dass die Katholische Kirche Martin Luther nicht einfach pyrotechnisch entsorgen konnte wie Jan Hus hundert Jahre zuvor, war einem geopolitischen Glücksfall geschuldet.

Denn einige deutsche Kurfürsten waren wütend, dass immer mehr Geldmittel aus Deutschland abgezogen wurden nach Rom. Deswegen machte Kurfürst Friedrich der Dritte, von seinen Anhängern „der Weise“ tituliert, seinen Herrschaftsbereich Sachsen zur Basis des intelligenten Widerstands gegen die päpstliche Anmaßung.

Immer wieder schützt Friedrich der Weise den Martin Luther. Der Vatikan fordert Luthers Auslieferung aus Sachsen. Oder Luther soll aus Sachsen rausgeschmissen werden, um dann sofort den Häschern des Papstes in die Hände zu fallen. Friedrich weigert sich. Die Dominikaner klagen Luther der Ketzerei an. Klar. Die „Hunde des Herrn“, wie sich die Dominikaner selber nennen, verdienen ja als Franchisenehmer des Vatikans selber ganz wunderbar an den Ablassbriefen. Das Geschäft mit der Angst läuft super.

Unter dem Schutz Friedrichs kann Luther sich mit dem päpstlichen Abgesandten Cajetan im Augsburger Stammhaus der mächtigen Fugger-Bank, der damaligen Goldman Sachs, treffen. Weil aber nichts dabei rauskommt, verdrückt sich Luther wieder und lässt Cajetan ganz kackfrech wissen: „Ich bin dann mal weg!“ Und weil die geopolitische Lage für den Papst nicht günstig ist, bietet der Papst großzügig an, die Sache geräuschlos zu beerdigen.

Doch Luther haut bei der Leipziger Disputation mit katholischen Gelehrten im Juli 1519 noch einen drauf. Jetzt sagt er auf einmal: die Katholische Kirche hat überhaupt nicht das Monopol, für alle Christen zu sprechen! Der Papst ist durchaus in der Lage, zu irren. Den gelahrten Herrschaften bleibt die Spucke weg. Nun antwortet der Papst mit einer so genannten Bann-Androhungsbulle. Soll heißen: wenn Luther nicht endlich den Mund hält, wird ein Bann über ihn verhängt, mit anschließender Exkommunikation und nachfolgender Verbrennung. Und ewige Hölle inclusive.

Luther antwortet mit seinem Buch „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, wo er noch einmal auf gut Deutsch klarmacht, dass Gott sich im Gnadengeschehen von den Klerikern nicht reinquatschen lässt; die Kleriker also schlicht überflüssig sind. Amen. Luthers Chefideologe Philipp Melanchthon entfacht auf dem Wittenberger Schindanger ein herrliches Feuer. In dieses Feuer schleudern Luthers Fans sodann die aus ihrer Sicht übelsten Machwerke des Katholizismus hinein. Schließlich kommt noch Brausekopf Luther himself und schleudert eine Abschrift der päpstlichen Bannandrohungsbulle ins Feuer. Unglaublich! Dem Papst bleibt nun nichts anderes übrig als Luther am 3. Januar 1521 zu exkommunizieren und die Bannbulle gegen den aufsässigen Sachsen in Kraft zu setzen. Das wäre in früheren Zeiten das automatische Todesurteil gewesen. Nicht so bei Luther.

Warum? Nun, es kommen einige Ereignisse zusammen. Das wichtigste Ereignis war, dass 1519 Kaiser Maximilian der Erste stirbt. Ein neuer Kaiser muss gewählt werden. Denn im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gibt es keine Erbmonarchie. Die Macht soll aber im Hause Habsburg bleiben, und so ist jede Stimme wichtig. Gewählt wird der neue Kaiser von sieben Kurfürsten. Einer von den sieben ist Kurfürst Friedrich von Sachsen. Zu ihm müssen die Habsburger also schön nett sein, damit er für Maximilians Enkel König Carlos von Spanien stimmt. Das tut Friedrich.

Damit ergibt sich wiederum für den Papst eine neue ungemütliche Situation: denn der junge Carlos bringt in das Heilige Römische Reich, dem mächtigsten Widerpart der Kurie, noch die beiden sizilianischen Reiche ein. Damit befindet sich der Vatikan plötzlich umklammert von den Habsburgern in Süditalien und Norditalien. Der Papst darf also jetzt auch niemanden provozieren: weder den zukünftigen Kaiser Karl den Fünften und erst recht nicht Friedrich den Weisen von Sachsen. Von daher erklärt sich die wachsweiche Haltung gegen den Häretiker Luther, der jetzt im Jahre 1521 zum Reichstag nach Worms zitiert wird. Wie ein Todeskandidat kommt Luther nicht nach Worms.

Die Stadt Wittenberg stellt ihm eine für damalige Verhältnisse komfortable Kutsche, und seine Spesen bezahlen ebenfalls die Bürger von Wittenberg. Im Foyer des Wormser Reichstags raunt dem Luther ein Edelmann zu: „Mönchlein, Mönchlein, du gehest einen schweren Weg!“ Doch Luthers mächtiger Gönner Friedrich ist auch da und hält die Hand über Luther. Und so sagt Luther vor dem Kaiser Karl dem Fünften der versammelten Mannschaft:

Textzitat:
„… wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Wäre eigentlich ein Fall für die warme Hinrichtung, oder? Nicht so bei Luther. Im diskreten Gespräch im Hinterzimmer wird noch einmal versucht, Luther zum Widerruf zu überreden. Luther lehnt ab. Und anstatt dass Luther nun den blutrünstig grinsenden Henkern übergeben wird, lässt der Kaiser ihn am 25. April wissen, dass er sich davonmachen soll. Und dabei ist überhaupt noch kein Urteil gesprochen!

Luther macht sich auf nach Wittenberg. Und er weiß, dass der Kaiser und Kurfürst Friedrich längst einen Deal abgemacht haben, den man in etwa so zusammenfassen kann: wenn Friedrich den Luther für ein Jahr verschwinden lässt, wird der Kaiser nichts gegen Luther unternehmen. Und Luther schreibt an Lukas Cranach: „Ich laß mich eintun und verbergen, weiß selbst noch nicht wo.“

Auf dem Rückweg nach Wittenberg lässt Friedrich Luther scheinbar entführen. Luther ist sodann für ein Jahr auf der Wartburg unter dem Schutz des Kurfürsten. Und Luther hockt keineswegs die ganze Zeit als angeblicher Junker Jörg auf der Wartburg.

Einigermaßen unbehelligt reitet Luther nach Wittenberg und gibt seinem dortigen Think Tank unter Melanchthon Anweisungen. Melanchthon wiederum gibt Luther den Tipp, doch mal das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Was Luther dann auf der Wartburg auch macht. Die Reichsacht wurde über Luther erst einen Monat nach dem Reichstag zu Worms verhängt. Da war Luther längst in Sicherheit. Die Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche hatte allerdings für Luther überraschende Kollateral-Effekte. Denn überall in Deutschland lasen jetzt die einfachen Leute, was wirklich in der Bibel stand. Da war die Rede von der Gleichheit aller Menschen. Von ihrer Gleichwertigkeit. Die sozialistischen Gedanken der Bergpredigt.

Massenhaft revoltierten die Menschen. Das war für Luther zu viel. Er hatte lediglich daran gedacht, dem parasitären Klerus die Flügel zu stutzen. Dass nun die Bauern aufmüpfen, ging dem Theologen zu weit. Der Bauernführer Müntzer sei der „Erzteufel von Mühlhausen“. Luther giftete: „Drum soll hie zuschmeißen, würgen, und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, denn ein aufrührerischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muß, schlägst du nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir.“

Aber der Fortschritt ließ sich nicht mehr aufhalten. Und das perverse Geschäft mit der Angst der Menschen fand schließlich ein Ende. Auf dem Trienter Konzil verfügte Papst Pius der Fünfte, dass der Ablass zwar weiter bestehen bleibt, dass damit aber kein Geld mehr verdient werden darf. Das zeigt: der Kampf gegen das perverse Geschäft mit der Angst der Mitmenschen kann Erfolg haben, wenn sich die Interessen der kleinen Leute mit den Interessen von Leuten aus dem Machtapparat verbindet in einer intelligenten Weise. Luther hat das bewiesen.

Wir lernen aus der Vergangenheit, wie wir die Zukunft besser machen.

Quellen:

  • Achim Mayer: Fegefeuer und Bettelorden: Päpstliches Marketing im 13. Jahrhundert – Ein Beitrag zur Unternehmensgeschichte der katholischen Kirche unter Einsatz der Franchisetheorie. Marburg 1996
  • Volker Leppin: Die fremde Reformation. Luthers mystische Wurzeln. Beck, München 2016,
  • Christopher Spehr: Luther und das Konzil. Zur Entwicklung eines zentralen Themas in der Reformationszeit. Mohr Siebeck, Tübingen 2010
  • Volker Leppin: Die fremde Reformation. Luthers mystische Wurzeln. Beck, München 2016
  • Heinz Schilling: Karl V. Der Kaiser, dem die Welt zerbrach. Beck, München 2020
  • Bernhard Lohse: Luthers Theologie in ihrer historischen Entwicklung und in ihrem systematischen Zusammenhang. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995
  • Peter Zimmerling: Evangelische Mystik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015

Bildquellen (in chronologischer Reihenfolge):

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  2. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:World-Trade-Center_9-11.jpg
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  4. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lucas_Cranach_d.%C3%84._(Werkst.)_-_Portr%C3%A4t_des_Martin_Luther_(Lutherhaus_Wittenberg).jpg – gemeinfrei
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  6. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
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  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luthers_Romreise#/media/Datei:Luther_Cranach_the_Elder_BM_1837-0616.363.jpg
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinerorden
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_X.#/media/Datei:Bulla-contra-errores.jpg
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_von_Brandenburg#/media/Datei:Albrecht_of_Brandeburg_Duerer_VandA_E.653-1940.jpg
  13. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Tetzel#/media/Datei:Johann-tetzel-1.jpg – gemeinfrei
  14. https://de.wikipedia.org/wiki/Ablass#/media/Datei:Harlaching_St.-ANNAE_Bund_1747.jpg
  15. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
  16. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:!Augustinus_von_Hippo,_Heiliger.jpg
  17. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
  18. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
  19. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
  20. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Peter_Waldo
  21. https://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_der_Waldenser
  22. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Tauler#/media/Datei:Tauler_Predig_1522_Titel_von_Holbein.jpg
  23. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(Sachsen)#/media/Datei:Kurf%C3%BCrst-Friedrich-III-von-Sachsen.jpg
  24. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
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  26. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
  27. https://de.wikipedia.org/wiki/Habsburg#/media/Datei:Merian_Habsburg_1642.jpg
  28. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstag_zu_Worms_(1521)#/media/Datei:Bischofshof_Worms_1_Ausschnitt.tif
  29. https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_auf_dem_Reichstag_zu_Worms_1521
  30. https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_auf_dem_Reichstag_zu_Worms_1521#/media/Datei:Luther_at_the_Diet_of_Worms.jpg
  31. https://www.wartburg.de/de/luther-2017/luther-und-die-deutschen.html – gemeinfrei
  32. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei
  33. J.Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon – gemeinfrei

Hermann Ploppa hat mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderem: „Die Macher hinter den Kulissen: Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“„Hitlers amerikanische Lehrer: Die Eliten der USA als Geburtshelfer der Nazi-Bewegung“ sowie „Der Griff nach Eurasien: Die Hintergründe des ewigen Krieges gegen Russland“.

KenFM: Hermann Ploppa – Kampf um die eurasische Platte

Kommentar der Redaktion: Über Zeiten der Kooperation zwischen Deutschen und Russen und Ursachen des zweiten Weltkrieges

Das Jahr 2021 startet mit einem neuen Format auf dem Portal KenFM: HIStory

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ (Helmut Kohl)

Der Buchautor und Publizist Hermann Ploppa erläutert in HIStory kurz und sachlich historische Daten und Jahrestage von herausragenden geschichtlichen Ereignissen. Dabei werden in diesem Format Begebenheiten der Gegenwart, die mit einem Blick in die Vergangenheit in ihrer Bedeutung besser einzuordnen sind, künftig alle 14 Tage montags in einen geschichtlichen Kontext gebracht. Das Thema heute: Das deutsch-russische Verhältnis – der Kampf um die eurasische Platte

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Russland: Da sehen wir sofort Wladimir Putin vor unserem geistigen Auge. Dann denken wir vielleicht an Nawalny. Nawalny: ein Kritiker des allmächtigen russischen Dauer-Präsidenten Wladimir Putin. Putin habe seinen Kritiker Nawalny mit dem heimtückischen Gift Nowitschok zum Schweigen bringen wollen. Das ist für alle Medien der westlichen Wertegemeinschaft sonnenklar.

Überhaupt: Putin und die Russen.

Wenn dem so ist, dann wollen wir Deutschen auch kein russisches Erdgas aus der Nordstream-Pipeline beziehen. Darüber denkt zumindest unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich nach.

Russland: da müssten wir eigentlich doch auch an die 28 Millionen getöteten Bürger der Sowjetunion denken, die durch die deutsche Wehrmacht oder die Waffen-SS umgebracht worden sind.

Das klingt nun alles in allem nicht sehr angenehm. Eher düster und bedrohlich. Wenn wir an Russland denken, dann denken wir an Kriege. An Konflikte und Spannungen. Unsere Beziehungen mit Russland waren schon immer negativ eingefärbt. Stimmt das denn überhaupt? War das immer so?

Schauen wir uns ein bisschen in der Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen um. Dann sehen wir: Phasen gegenseitigen Misstrauens wurden immer wieder abgelöst von Phasen großen gegenseitigen Vertrauens und einer sehr engen, ja sogar intimen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland. Phasen, in denen Deutsche und Russen fast alles miteinander geteilt haben.

Deswegen machen wir jetzt einen kleinen Streifzug durch die wechselhafte Geschichte der Deutsch-Russischen Beziehungen.

In vergangenen Jahrhunderten gab es keine Nationalstaaten in unserem Sinne. Und auch keine klaren Grenzziehungen. Und auch keine Trennung nach Völkern. Deutsche, Polen, Russen oder Slowaken lebten munter durchmischt in territorialen Flickenteppichen. Nicht ohne Konflikte, aber ohne gewaltsame Auseinandersetzungen. Im Großen und Ganzen friedlich.

Die Zeit der „ethnischen Säuberungen“ lag noch in der Zukunft. In einem großen Raum innerhalb Europas und Asiens konnten sich Händler oder sonstige Reisende frei von Ost nach West und von West nach Ost hin und her bewegen. Es gab keine Mauer. Und auch keine Trennung in politische, verfeindete Blöcke. So war traditionell der Austausch zwischen Deutschland und Russland überaus rege. Die Zarin Katharina die Große stammte aus Deutschland. Michael Wassilijewitsch Lomonossow studierte ausgiebig in Deutschland, bevor er in Russland die Wissenschaft befruchtete. Russische Adlige kurierten ihre Wehwehchen in Baden-Baden aus. Deutsche Siedler fanden in Russland ein neues Zuhause. Zahlreiche deutsche Namen russischer Generäle, Politiker und Wissenschaftler zeugen von diesem lebendigen russisch-deutschen Handel und Wandel.

London, im Jahre 1904: Der überaus einflussreiche englische Gelehrte Halford Mackinder denkt über die Zukunftsperspektiven des Britischen Weltreichs nach. Bislang war das British Empire Herrscher der Welt. Großbritannien stützte sich auf seine übermächtige Marine. Nun stellt Mackinder aber fest: Eisenbahn und das neuartige Automobil können ab jetzt das Binnenland erschließen. Da können nun aber die Binnenländer ihre eigenen Rohstoffe viel besser abbauen und auf den Markt bringen als bisher. Damit entstehen der unangefochtenen Seemacht Großbritannien ganz neue Konkurrenten. England möchte auch gerne die neuen Rohstoffpotentiale in Russland und China für sich selber nutzen. Wenn aber die Binnenländer die Rohstoffe für sich selber nutzen, dann werden die Binnenländer automatisch auch immer mächtiger. Mackinder warnt seine Landsleute: wenn sich jemals Deutschland und Russland zusammentun – mit dem deutschen Ingenieurwissen und den gigantischen russischen Rohstoffen – dann können England und die USA einpacken. Und Mackinder fordert: ein solches deutsch-russisches Bündnis muss auf jeden Fall verhindert werden! Da muss auf dem europäischen Festland ein Verbündeter gefunden werden, der für Großbritannien die Rohstoffe auf dem eurasischen Super-Kontinent sicherstellen. Das kann Frankreich sein. Es kann aber auch irgendein anderer westeuropäischer Staat sein.

Doch zunächst machte der Genius der Geschichte den klugen Plänen von Mackinder und seinen englischen Mitstreitern einen fetten Strich durch die Rechnung. Denn im Jahre 1917 wurde aus dem russischen Reich der Zaren ziemlich schnell die kommunistische Sowjetunion. Das hatten ausgerechnet zwei erzreaktionäre deutsche Generäle auf dem Gewissen. Denn der Erste Weltkrieg, der 1914 mit so viel Schwung begonnen hatte, fraß sich in den nordfranzösischen Schützengräben fest. Neben der Westfront mit englischen und französischen Feinden hatten die Kaiserlichen Deutschen Streitkräfte noch einen kostspieligen Krieg gegen Russland im Rücken. Das Sagen hatten in Deutschland in jenen Tagen die beiden militärischen Oberbefehlshaber General Paul von Hindenburg und dessen Graue Eminenz, General Erich Ludendorff. Im Frühjahr 1917 löste eine liberaldemokratische Regierung das Zarenregime ab.

Jedoch dachten Kerenski und die anderen neuen russischen Führer gar nicht daran, den Krieg gegen Deutschland zu beenden. Sie ließen die russischen Soldaten weiter gegen Deutschland kämpfen und sterben. Hindenburg und Ludendorff ließen daraufhin den bis dahin ziemlich unbedeutenden russischen Sozialdemokraten Wladimir Iljitsch Uljanow, der sich selber Lenin nannte, in dessen kärglicher Dachkammer im Züricher Exil ausgraben. Hindenburg und Ludendorff statteten Lenin mit mächtig viel Geld aus. Sie steckten ihn in einen verschlossenen Sonderzug von Zürich über Deutschland und Skandinavien. Und ließen ihn schließlich in Petrograd, das gerade eben noch Sankt Petersburg hieß, aussteigen. Mit den üppigen deutschen Geldspenden gelang es Lenin sodann, im Handumdrehen zur bekanntesten Figur in der russischen Politik aufzusteigen.

Mit dem Sturm auf das zaristische Winterpalais im Oktober 1917 putschten sich Lenins Bolschewisten an die Macht. Lenin beendete sofort den Krieg gegen Deutschland. Hindenburgs Streitkräfte konnten nun alle Mannschaften an die Westfront schicken. Was allerdings nichts mehr einbrachte. Denn mittlerweile waren die frischen, ausgeruhten Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika auf den westeuropäischen Kriegsschauplätzen aufmarschiert.

Wir alle wissen: der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 hat die Spielkarten der Geopolitik ganz neu gemischt. Deutschland wurde von einer Koalition der Staaten Großbritannien, USA und Frankreich gänzlich niedergerungen. Aus dem russischen Zarenreich war die Sowjetunion hervorgegangen. Deutschland und die Sowjetunion wurden geächtet und aus der Völkergemeinschaft für einige Zeit ausgeschlossen.

Was lag näher, als dass die beiden Paria-Staaten Deutschland und die Sowjetunion sich zusammentun? Genau das geschah denn auch. Die Kontakte zu den Bolschewisten waren ja schon vom Generalsgespann Hindenburg und Ludendorff hergestellt worden. Und so verwundert es nicht, wenn bereits im Jahre 1920 der Chef der Reichswehr, Hans von Seeckt – alles andere als ein Kommunistenfreund – ganz offen sagt:

„Nur im festen Anschluß an Groß-Rußland hat Deutschland die Aussicht auf Wiedergewinnung seiner Weltmachtstellung … England und Frankreich fürchten den Zusammenschluß der beiden Landmächte und suchen ihn mit allen Mitteln zu hindern – also ist er von uns mit allen Kräften anzustreben …Und wenn Deutschland sich auf Rußlands Seite stellt, so ist es selbst unbesieglich, denn andere Mächte werden dann immer Rücksicht auf Deutschland nehmen müssen, weil sie Rußland nicht unbeachtet lassen können.“

Das sahen Deutschlands Konzernlenker ganz genauso. Und im politischen Spektrum der Weimarer Republik waren sich alle einig: um ein enges Bündnis mit der Sowjetunion führt kein Weg vorbei.

Und durch diese Brille gesehen kam denn auch der deutsch-sowjetische Kooperationsvertrag vom 16. April 1922 im italienischen Badeort Rapallo eigentlich nicht mehr überraschend. Die Sowjets hatten geschickt gepokert. Denn zunächst hatten sie einen solchen Kooperationsvertrag bereits mit Großbritannien und mit Frankreich verabredet. Dann steckten die Sowjets der deutschen Regierung, dass sie diesen Vertrag ebenso gut auch mit Deutschland abschließen könnten. Knapp zwei Stunden bevor die britisch-französische Delegation in Rapallo eintreffen konnte, schlossen die Sowjets den Vertrag mit den Deutschen ab. Sowjets und Deutsche verzichteten auf gegenseitigen Schadensausgleich für die einander zugefügten Kriegsschäden. Der Vertrag von Rapallo sah erleichterten Handel zwischen Russland und Deutschland vor. Eine Konsequenz aus dem Rapallo-Vertrag war die Errichtung der sowjetischen Tankstellenkette DEROP mit 2000 Filialen in Deutschland.

Aber das war noch nicht alles. Weil aufgrund des Versailler Vertrages die Deutschen keine Panzer und keine Flugzeuge in der Reichswehr einsetzen durften, entwickelten sie diese heimlich in der Sowjetunion. Eine klassische Win-Win-Situation. Denn die von dem Ingenieur Junckers entwickelten Kampfflugzeuge konnten die Sowjets in Lizenz ebenfalls bauen und nutzen. Deutsche Kriegstechnik im Schutz der Weite Russlands. Reichswehr und Rote Armee teilten ihre empfindlichsten Geheimnisse miteinander. Sowjetunion und Deutschland waren für viele Jahre eng verbunden.

Das war für fast alle einflussreichen Kreise – von rechts bis ganz links – in der Weimarer Republik absolut der Königsweg aus dem Underdog-Dasein. Nur ein gewisser Adolf Hitler aus München gab kräftig Kontra. In seinem Buch „Mein Kampf“ argumentiert Hitler, dass nur durch die enge Anbindung an die westliche Wertegemeinschaft ein Wiederaufstieg Deutschlands möglich ist. Deutschland soll als deindustrialisierter Bauernstaat für Großbritannien den Juniorpartner abgeben. Für Großbritannien soll Deutschland die Sowjetunion überfallen. Aber das ist noch nicht alles. So wie die europäischen Kolonisatoren in Nordamerika die Indianer ausgerottet haben, so sollten die Deutschen die „slawischen Untervölker“ – wie Hitler sich ausdrückt – ausrotten. Auf dem eroberten „Ostraum“ sollten dann rassereine deutsche Siedler als Bauern die westlichen Völker mit Nahrung versorgen. Hitler schwebt in Mein Kampf ein Staatenbündnis bestehend aus Großbritannien, dem faschistischen Italien und dem ebenfalls faschistisch gewordenen Deutschen Reich vor. Jenseits jeder Polemik kann man sagen: dieses Konzept hat große Ähnlichkeit mit der schon vorgestellten Geostrategie des Engländers Halford Mackinder.

Die Machtergreifung Hitlers und seiner Nazischergen brachte dann wie erwartet den abrupten Abbruch der Beziehungen Deutschlands zur Sowjetunion. Die Reichswehreinheiten wurden bis zum Ende des Jahres 1933 aus der Sowjetunion abgezogen. Der Flugingenieur Junckers fiel in Ungnade. Die deutsche Wirtschaft verbandelte sich nunmehr mit dem Westen – mit den USA und Großbritannien. Die Nazis bereiteten sich konsequent auf den Eroberungskrieg gegen die Sowjetunion vor.

Deswegen wird immer wieder die Frage gestellt: warum kam es dann doch im Jahre 1939 zum erneuten Bündnis Deutschlands mit der Sowjetunion? Nun, die Antwort ist nicht ganz einfach, aber doch klar genug: Hitler war pleite und nahm Hilfe wo er sie kriegen konnte. Im Januar 1939 schrieben die sieben Vorstandsmitglieder der Reichsbank einen Brief, der Hitler wenig erfreute. Reichsbankchef Hjalmar Schacht erinnerte den Führer daran, dass Deutschland die Aufrüstung mit einer Art Kryptowährung, dem Mefo-Fond, bezahlt hatte. Schacht sagte: wir können nicht länger eine Aufrüstung mit ungedeckter Währung, quasi nur durch das Drucken von Papiernoten, finanzieren. Außerdem haben wir seit vielen Jahren mehr Waren aus dem Ausland eingeführt als was wir ins Ausland geliefert haben. Jetzt geht nichts mehr. Gezeichnet Hjalmar Schacht.

Hitler was not amused und feuerte Schacht, den Überbringer der schlechten Nachricht. Daraufhin bemühen sich etliche Konzernchefs, für Hitler international einen Mega-Überbrückungskredit zu schnüren. Der englische Notenbankchef Montagu Norman und der Botschafter der USA in England, Joseph Kennedy – der Vater der legendären Kennedy-Brüder – legen dafür ihr gutes Wort ein. Doch der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Franklin Delano Roosevelt, pfeift Kennedy Senior zurück. Aus dem Megadeal für Adolf wird nichts.

Was soll Hitler jetzt tun? Soll er sich aufhängen, was er auch immer wieder gerne androhte, oder sollte er die Unterstützung von woanders herholen? Sein Außenminister Joachim von Ribbentrop hat die Lösung bereit. Er fädelt das Undenkbare ein. Mit dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow wird der so genannte Hitler-Stalin-Pakt eingefädelt und dann auch ratifiziert. Wieder eine Win-Win-Situation? Nicht wirklich. Denn Stalin denkt, er hat, indem er Hitler aus der Patsche hilft, das Deutsche Reich aus der antisowjetischen Phalanx der Westmächte herausgebrochen. Tatsächlich kann er mit Hitlers Duldung die Grenzen der Sowjetunion über die Teilung Polens und die Annexion der Baltischen Länder nach Westen verschieben. Das bringt ihm einen Zeitgewinn, um seine Truppen besser auf den möglicherweise unvermeidlichen Krieg einzustellen.

Doch Hitler kehrt zu seiner antisowjetischen Agenda zurück. Durch großzügige Gesten hat Hitler immer wieder den Westmächten signalisiert: ich komme zu meiner prowestlichen Agenda zurück! So verordnet er beispielsweise im berühmten Haltebefehl von Dünkirchen seinen Panzerverbänden, stehen zu bleiben. Damit ermöglicht Hitler den insgesamt 330.000 britischen und französischen Soldaten, die in Dünkirchen eingekesselt waren, ungehindert nach England abzuziehen. Hätte er diese Soldaten gefangen genommen, hätte Hitler den Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich schon im Mai 1940 für sich entschieden. Doch durch den Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 ist Hitlers Schicksal besiegelt. Nun hat er genau den Zweifrontenkrieg, den er immer vermeiden wollte. Und die Sowjetunion ist für die deutsche Wehrmacht eine Nummer zu groß. Die Panzer und Kanonen der Wehrmacht versinken im Schlamm der Pripjet-Sümpfe. Und an die dringend benötigten sowjetischen Ölvorkommen in Aserbeidschan kommt die Wehrmacht nicht mehr ran. Der Krieg ist verloren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs existiert kein gesamtdeutscher Staat mehr. Da der Westen es vorzieht, für einen neuen Krieg gegen die Sowjetunion zu rüsten, den Hitler nicht vollenden konnte, entsteht die Ost-West-Spannung. Deutschland wird in zwei Hälften geteilt. Und die beiden deutschen Teilstaaten sind nun Frontstaaten geworden. Aufgerüstet bis zum Anschlag und umfunktioniert zu terrestrischen Flugzeugträgern der verfeindeten Machtblöcke. Den starken Männern in den beiden deutschen Teilstaaten, Konrad Adenauer und Walter Ulbricht, bleibt nichts anderes übrig, als die Politik der Konfrontation an die Bevölkerung runterzureichen.

Doch bereits 1955 wagt der westdeutsche Bundeskanzler Adenauer den ersten Ausbruch aus der Konfrontation. Wieder eine Win-Win-Situation: die sowjetische Regierung unter Leitung von Nikita Chruschtschow entlässt die letzten 10.000 deutschen Kriegsgefangenen in die Freiheit nach Westdeutschland. Im Gegenzug nehmen die Bundesrepublik Deutschland und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen auf. Die Sowjets erhoffen sich davon ein gutes Geschäft: sie wollten ihr Rohöl und ihr Erdgas nach Westdeutschland verkaufen. Die westdeutschen Stahlkonzerne sollen für die Pipelines zuverlässige Röhren liefern. Doch Adenauer stellt sich quer: da er von den Amerikanern schon skeptisch beäugt wird wegen seines Flirts mit Frankreichs Präsident de Gaulle, will er es mit dem Großen Bruder aus Übersee nicht auch noch verderben, indem er sowjetisches Öl nach Westdeutschland sprudeln lässt. Die Amerikaner verhängen das so genannte Röhren-Embargo: sollten die westdeutschen Stahlbarone tatsächlich Rohre an die Sowjets liefern, würden sie auf von den Amerikanern beherrschten Märkten Platzverweis erhalten. Kommt uns doch irgendwie aus der Gegenwart verdammt bekannt vor…

Mit Adenauers Amtsnachfolger im Kanzleramt, Ludwig Erhard, kommt der sowjetische Führer Chruschtschow besser klar. Chruschtschow schickt seinen Schwiegersohn Adschubej zu Erhard. Im informellen Gespräch soll Adschubej dem deutschen Bundeskanzler ein delikates Angebot unterbreiten: tausche DDR gegen westdeutsche Entwicklungshilfe! Die Westdeutschen sollen in der Sowjetunion vor allem der schwächelnden Chemieindustrie mit modernster Technik unter die Arme greifen. Eine aufgepeppte sowjetische chemische Industrie könnte so vor allem die Landwirtschaft mit optimierten Düngemitteln versorgen. Das würde bessere Ernten bringen. Bislang hatte die Sowjetunion immer noch Weizen aus den USA und aus Kanada importieren müssen. Und war auf diese Weise de facto von den USA jederzeit erpressbar. Die Amerikaner könnten die Sowjets buchstäblich aushungern.

Aus dem sowjetisch-deutschen Deal wäre höchstwahrscheinlich etwas geworden. Denn die deutschen Unternehmer und auch viele Politiker sind ganz entzückt. Die deutsche Wiedervereinigung scheint im Jahre 1964 Realität zu werden. Der deutschen Wirtschaft würden traumhafte neue Geschäftsaussichten im Osten in den Schoß fallen. Doch aus dem Deal wird nichts. Da hat doch der einflussreiche Wallstreet-Banker Averell Harriman schon im Frühjahr 1964 orakelt, Chruschtschow würde im Herbst desselben Jahres gestürzt. An seine Stelle würde dann als Regierungschef Alexej Kossygin treten. Neuer Parteichef würde dann Leonid Breschnew. Nun, was für ein Zufall: im Oktober des Jahres 1964 wird Nikita Chruschtschow tatsächlich gestürzt. Leonid Breschnew wird neuer Chef der Kommunistischen Partei. Und der neue Regierungschef Alexej Kossygin unterrichtet in seiner ersten Amtshandlung eine amerikanische Wallstreet-Delegation über die Grundzüge der Politik der neuen Sowjetregierung. Geführt wird die Wallstreet-Delegation übrigens von einem gewissen Mister Averell Harriman …

Aus dem Chruschtschow-Erhard-Deal wird nichts. Nun, zwanzig Jahre später wiederholt sich genau diese Konstellation, natürlich mit anderen Akteuren. Dieselbe Konstellation heißt: biete DDR gegen Entwicklungshilfe. Es handelt sich nämlich um den Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, der dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl dieses delikate Angebot macht. Gorbatschow ist im Jahre 1985 endlich Führer einer maroden, verschuldeten und überalterten Sowjetunion geworden. Leonid Breschnew hatte Chruschtschows Reformpolitik nicht weitergeführt. Das Land war in eine Agonie verfallen. Militärisch hat die Sowjetunion dem Westen jetzt rein gar nichts mehr entgegenzusetzen. Und die sowjetischen Waren will niemand mehr kaufen. Nur noch Rohstoffe können die Sowjets in den Westen verkaufen, und das obendrein noch zu immer weiter fallenden Verkaufserlösen. Um eine Hungersnot und blankes Massenelend zu vermeiden, muss Gorbatschow die sowjetischen Goldreserven verscherbeln. Gorbatschow ist klar: er muss sich von allen Außenposten, die nur Geld kosten, schnellstmöglich trennen. Und sogar die DDR wurde in den letzten Jahren nur noch von der Sowjetunion bezuschusst. Die Sowjetunion muss gesund geschrumpft werden. Das ist der einzige Weg zur Rettung.

Bundeskanzler Kohl hatte Gorbatschow zuvor völlig unzutreffend als „neuen Goebbels“ verunglimpft. Doch die gemeinsamen Interessen führen die beiden Männer dann doch zusammen. Kohl lässt die Gelegenheit, als Kanzler der deutschen Wiedervereinigung in die Geschichtsbücher einzugehen, nicht verstreichen. Kohl und Gorbatschow treffen sich beim Lagerfeuer in Gorbatschows Datscha im Ural. Zugegen sind auch die beiden Außenminister Eduard Schewardnadse und Hans-Dietrich Genscher. Gorbatschow wird konkret: ihm fehlen 35 Milliarden Dollar, um aus der Klemme zu gelangen. Kohl und Genscher sind nicht abgeneigt. Die vier Männer werden sich handelseinig: Gorbatschow entlässt die DDR aus der sowjetischen Kontrolle. Dafür besorgen Kohl und Genscher den Sowjets die benötigten Milliarden. Alle vier Männer denken über den Tag hinaus. Deutschland, nun wieder vereint, wird mit der Sowjetunion eng zusammenarbeiten. Deutschland bekommt den Zugang zu Rohstoffen. Im Gegenzug soll die Sowjetunion das Geld und das Know-How der Westdeutschen bekommen. Wenn das wahr geworden wäre, dann wäre das genau die ultimative Verwirklichung der Schreckensvisionen des englischen Geopolitikers Halford Mackinder – wir erinnern uns – vor der er 1904 so eindringlich gewarnt hatte.

Doch auch aus diesem Deal wird nun auch wieder nichts. Denn der Präsident der Russischen Föderation, Boris Jelzin, trifft sich während dessen heimlich mit den Präsidenten der sowjetischen Teilrepubliken Ukraine und Weißrussland in einer entlegenen Waldhütte. Die drei Männer erklären die Sowjetunion kurzerhand für aufgelöst. Da Gorbatschow durch einen dilettantischen Putschversuch einiger fossiler Altstalinisten geschwächt ist, kann er dem illegalen Manöver von Jelzin nichts entgegensetzen. Die schwachen neuen ex-sowjetischen Republiken werden jetzt die fette Beute US-amerikanischer Investoren. Die deutsch-russisch-sowjetische Option ist damit einstweilen wieder vom Tisch.

Exakt zur Jahrtausendwende schickt der ehemalige KGB-Mitarbeiter Wladimir Putin den unfähigen, korrupten und trunksüchtigen russischen Präsidenten Jelzin nachhause. In einer beispiellosen Ochsentour saniert Putin das marode Russland. Putin ermöglicht damit ein russisches Wirtschaftswunder. Renten und Löhne werden wieder regelmäßig und verlässlich ausbezahlt. Die Auslandsschulden Russlands sind längst vollständig getilgt. Früher war Russland ein Lebensmittelimporteur. Heute ist Russland jedoch ein Lebensmittelexporteur.

Zunächst hatte der Westen geglaubt, Putin würde Jelzins Politik nicht anders, aber vieles besser machen. Als sich herausstellt, dass Putin Russland vom Westen unabhängig macht, wird aus dem Good Guy ganz schnell ein Bad Guy. Sprach Putin dereinst noch als Ehrengast im Deutschen Bundestag in deutscher Sprache, so wird er heute unisono von der Mainstreampresse als gefährlicher Tyrann hingestellt. Und während fast alle deutschen Kanzler ihre Karriere als stramme Amerika-Vasallen begonnen haben, um dann doch immer wieder eine vorsichtige Annäherung an den östlichen Nachbarn einzufädeln, wird unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel mit jedem Tag härter im Kurs gegen die Russen.

Die Theaterinszenierung um den angeblichen russischen Oppositionspolitiker Nawalny und dessen Vergiftung soll nun sogar dazu herhalten, die russische Pipeline Nordstream 2 möglicherweise doch noch zu kippen. Das ist eine Vasallentreue gegenüber den USA, die man mit Fug und Recht als Selbstmord auf Raten bezeichnen kann.

Wir können also aus diesem Ritt durch die Geschichte deutlich erkennen, dass sich Phasen einer Konfrontation zwischen Russland und Deutschland immer wieder abgelöst haben mit Phasen einer sehr engen Zusammenarbeit. Immer wieder wurde diese gegenseitige Annäherung von außen her gestört oder zerrüttet. Es wäre jetzt nach einer Phase der Konfrontation mal wieder an der Zeit, sich Russland vertrauensvoll anzunähern. Wir können daraus, wie die Vergangenheit lehrt, nur profitieren.

Bildquellen:

Russland-Karte: shutterstock_641865835

Sov. Ehrenmal Berlin: shutterstock_171658817

Wladimir Putin: shutterstock_1866439813

Paul von Hindenburg/Erich Ludendorff: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hindenburg-ludendorff.jpg

Vertrag von Rappallo: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R14433,_Vertrag_von_Rapallo.jpg

Jelzin/Putin: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9f/Vladimir_Putin_12_June_2001-2.jpg

Quellen und verwendete Literatur:

  1. Hermann Ploppa: Der Griff nach Eurasien – Die Hintergründe des ewigen Krieges gegen Russland. Marburg 2019
  2. Mackinder, Halford: Heartland Theory https://archive.org/stream/1904HEARTLANDTHEORYHALFORDMACKINDER/1904%20HEARTLAND%20THEORY%20HALFORD%20MACKINDER_djvu.txt
  3. ders.: Democratic Ideals and Reality. London 1942
  4. Haffner, Sebastian: Der Teufelspakt – Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. München 2002
  5. Brzezinski, Zbigniew: The Grand Chessboard – American Primary and Ist Geostrategic Imperatives. New York 1997
  6. Davies, R.W.: Soviet economic development from Lenin to Khrushchev. Cambridge 1998
  7. Falin, Valentin: Zweite Front – Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition. München 1997
  8. Kroll, Hans: Lebenserinnerungen eines Botschafters. Köln/Berlin 1967
  9. Leonhard, Wolfgang: Die Revolution entlässt ihre Kinder. Köln Berlin 1961
  10. Leonhard, Wolfgang: Nikita Sergejewitsch Chruschtschow – Aufstieg und Fall eines Sowjetführers. Luzern/Frankfurt a.M. 1965
  11. Scheufler, Armin: Das Röhrenembargo 1962/63 – Zur Geschichte der deutsch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen in der späten Adenauerzeit. Gießen 1996
  12. Schweizer, Peter: Victory: The Reagan Administration’s Secret Strategy that Hastened the Collapse of the Soviet Union. London 1994 (eBook)
  13. Seppain, Hélène: Contrasting US and German Attitudes to Soviet Trade, 1917-91 – Politics by Economic Means. London 1992

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KenFM: Hermann Ploppa – Abmahnung an Christian Drosten

Der Weg ist frei für eine Prozesslawine gegen die Corona-Panikmacher und Profiteure. von Hermann Ploppa.

Am 15. Dezember 2020 war es endlich so weit: die lange angekündigte Welle von Prozessen gegen die Politiker, Wissenschaftler und sonstige Profiteure der künstlich entfachten Panik im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat begonnen mit einem anwaltlichen Mahnschreiben gegen den an der Berliner Charité tätigen Virologen Christian Drosten.

Ein Beitrag von KenFM , hier finden Sie den Original Text:

lesen Sie weiter auf -> https://kenfm.de/abmahnung-an-christian-drosten/

In dem Schreiben des international renommierten Rechtsanwaltes Reiner Fuellmich aus Göttingen, wird Drosten aufgefordert, bis zum 22. Dezember seine Kernaussagen über Corona zu widerrufen. Er soll eine so genannte strafbewehrte Unterlassungserklärung unterschreiben. Zudem soll der Virologe Schadensersatz zahlen an einen Berliner Unternehmer, der durch die Lockdown-Maßnahmen schweren wirtschaftlichen Schaden erlitten hat.

Dieser Vorgang ist aus mehreren Gründen bedeutend. Erstens hat Rechtsanwalt Dr. Reiner Fuellmich bereits erfolgreich Klagen gegen Giganten wie Volkswagen oder die Deutsche Bank durchgeführt. Zum anderen kann man Fuellmich nicht dadurch lähmen, dass man ihn in Deutschland terrorisiert und lahmlegt wie im Frühsommer die Heidelberger Rechtsanwältin Beate Bahner, die kurzerhand für einen Monat in der Psychiatrie verschwand. Denn Fuellmich ist international bestens vernetzt und ist auch im US-Bundesstaat Kalifornien als Anwalt zugelassen. Und nach amerikanischem Recht kann Fuellmich von Kalifornien aus Sammelklagen gegen Drosten und seine Mitstreiter auf den Weg bringen.

Und das tut richtig weh. Denn einer einzelnen Klage können sich beliebig viele Personen und Körperschaften anschließen. Dadurch kann ein Streitwert in Milliardenhöhe auflaufen. So war es in den 1990er Jahren mit der Tabakindustrie. Die Zigarettendreher mussten gigantische Summen an die von ihnen geschädigten erkrankten Verbraucher zahlen. Im Falle der Corona-Einsperrungen und dem aus ihnen resultierenden Ruin ganzer Volkswirtschaften könnten sogar Billionensummen auflaufen.

Die Abmahnfrist gegen Christian Drosten ist mittlerweile abgelaufen (1). Vermutlich hat Drosten das unangenehme Einschreiben des Göttinger Rechtsanwalts ungeöffnet an seine Rechtsanwälte aus der Pharmabranche weitergereicht, nicht ohne ein überhebliches Lächeln. Doch wird – immer unter der Annahme, dass noch Reste einer Rechtsstaatlichkeit in der deutschen Justiz auffindbar sind – die Sache für den virologischen Hofastrologen der Merkel-Regierung durchaus unbehaglich.

Denn Rechtsanwalt Fuellmich stellt seine Abmahnschrift und die dann folgenden Klageschriften gegen Drosten, Wieler, Spahn und Co anderen Anwälten und deren Mandanten zur freien Verfügung. Das macht es möglich, dass Hunderttausende weiterer Klagen ohne großen Verzug folgen können – was einer de facto-Sammelklage-Erhebung gleichkommt.

Die Abmahnschrift von Fuellmich gegen Drosten umfasst sperrige 18 Seiten. Da nicht Jeder die Zeit und die Muße hat (wer liest schon gerne in seiner Freizeit Anwaltsbriefe?), sich in den Text zu vertiefen, soll im Folgenden eine kurze Zusammenfassung geliefert werden. Denn die Argumente von Fuellmich sind auch für die alltägliche Diskussion mit Freunden, Bekannten und Verwandten ein guter Leitfaden. Schließlich ist Fuellmichs Text die Essenz eines halben Jahres kollektiver Recherche im Corona-Untersuchungsausschuss.

Zu diesen Erkenntnissen haben Experten unterschiedlichster Fachrichtungen – unter anderem auch meine Wenigkeit – in stundenlangen Anhörungen ihren Teil beigetragen.

Eine persönliche Verantwortung des Herrn Drosten für die massiven Kollateralschäden für die Wirtschaft, den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie Psyche und Gesundheit sieht Fuellmich darin begründet, dass der Berliner Virologe der maßgebliche Berater der Bundesregierung und der ihr unterstellten Behörden ist. Als solcher kann Drosten sich nicht herausreden.

Es gibt im Zivilrecht – also der gleichberechtigten Klage von Bürgern gegen Bürger, oder gegen Körperschaften – den Paragrafen 830, Absatz 2 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Hier ist geregelt, dass auch Mittäter an einer „sittenwidrigen“ vorsätzlichen Schädigung zahlreicher Personen für Schadensersatzleistungen heranzuziehen sind. Ebenso ist Herr Drosten heranzuziehen im strafrechtlichen Sinn nach § 27 Absatz 1. Drosten kann demzufolge auch mit Haftstrafe belegt werden – wenn ein Gericht der Argumentation von Rechtsanwalt Reiner Fuellmich folgt.

Der Göttinger Rechtsanwalt geht davon aus, dass Drosten vorsätzlich fünf Falschbehauptungen – vulgo auch Lügen genannt – aufgestellt hat, um die Menschen zu schockieren und einzuschüchtern:

  • Drostens Behauptung, das Virus SARS-CoV-2 sei von Tieren auf den Menschen übergesprungen (eine so genannte Zoonose) und deshalb seien die Menschen dem völlig neuartigen Virus schutzlos ausgeliefert. Es gäbe noch keine massenhafte Immunität, und deshalb könne sich das Virus exponentiell ausbreiten. Dabei hatte Drosten selber bei anderer Gelegenheit gesagt, dass SARS-CoV-2 eng verwandt sei mit dem 2003 aufgetretenen SARS-Virus. Aber bei einer Sterblichkeitsrate von Corona von 0.14% könne von einem Massensterben keine Rede sein: „Behauptungen des Inhalts, niemand sei immun und jeder könne sich infizieren, entbehren jeder Grundlage.“
  • Drostens Behauptung, man könne das Virus in sich tragen, würde das aber nicht bemerken. Damit sei jeder Mitmensch potentiell ein großes Ansteckungsrisiko und eine gefährliche Virenschleuder. Drosten hatte das in einem Aufsatz Anfang des Jahres am Fall einer Chinesin belegen wollen, die aus Wuhan nach München gereist sei und dort vier Mitmenschen infiziert habe. Als längst klar war, dass die Frau schon in China Symptome mit Medikamenten bekämpft hatte, zog Drosten seine Aussage im Fachartikel nicht zurück. Aufgrund dieser Geschichte sind nun Millionen Menschen in Deutschland dazu verdonnert, mit gesundheitsschädlichen Masken herumzulaufen. Die Behauptung einer asymptomatischen Ansteckungsgefahr sei nach Fuellmich „perfide, ja gesellschaftszersetzend.“ Denn diese wahrheitswidrige Behauptung züchtet gegenseitiges Misstrauen.
  • Nur auf der Mär einer asymptomatischen Ansteckungsgefahr gründet das lukrative Geschäft mit den PCR-Tests: „… ohne die Lüge einer symptomfreien Ansteckungsgefahr wäre niemand auf die Idee gekommen, selbst kerngesunde Menschen mittels PCR auf SARS Cov-2 zu untersuchen.“ Diese PCR-Tests sind für Diagnostik völlig ungeeignet: denn sie können bereits abgestorbene Trümmer von Viren nicht unterscheiden von Viren, die sich noch reproduzieren. Da auch keine Norm existiert, wie viele Schleudergänge die Abstrichproben durchlaufen und auch sonst keine Normierung der unzähligen PCR-Labortests existiert, sind die Befunde absolut wertlos. Zudem unterscheidet der PCR-Test nicht zwischen Kontamination und Infektion. Virenträger können sich auf die Atemwege legen, ohne dass sie in das Gewebe eindringen: dabei handelt es sich um die so genannte Kontamination. Wenn sie in das Gewebe eindringen, dann erst entsteht eine Infektion. Zudem wird bei Corona mutwillig auf Sentinel-Programme verzichtet, wie sie bei Influenza-Pandemien üblich sind.
  • Drosten und seine Freunde behaupten ohne empirisch belastbare Belege eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems. Betten wurden freigehalten für Corona-Kranke. Die nie kamen.Die gesamte Gesundheitsaufsicht vernachlässigte andere Bereiche, so dass zum Beispiel kranke Mitmenschen sich nicht mehr angemessen behandeln ließen und in Extremfällen tot zuhause aufgefunden wurden. Und, wenig bekannt: zwischen dem 21.7.2020 und dem 21.11.2020 wurde der Bestand an Intensivbetten in Deutschland von 32.000 auf 28.000 abgebaut: „Wie soll man denn einer – von Ihnen [Drosten] maßgeblich beratenen Regierung, die mitten in der Pandemie mehr als ein Achtel aller intensivmedizinischen Kapazitäten abbaut, noch glauben, sie wolle uns vor einer Seuche schützen?“ Überlastete Krankenhäuser gab es lange vor Corona. Schon 2018 nahmen etliche Krankenhäuser so genannte „Abmeldungen“ vor. Rettungswagen mit Blaulicht wurden abgewiesen.
  • Schließlich Drostens Behauptung, gegen die Pandemie könnte am besten die Freiheitsberaubung der gesamten Bevölkerung etwas nützen. Das ist im internationalen Vergleich von Ländern mit hartem Lockdown und solchen ohne Lockdown nicht zu belegen. Das Virus war schon vor dem ersten Lockdown in der Bevölkerung angekommen. Und das ist ein ganz normaler Vorgang. Wichtige Bereiche der Gesundheitsvorsorge wurden wegen Corona sträflich vernachlässigt. Sogar die notwendige Prophylaxe gegen Legionellen im Trinkwasser wurde vernachlässigt.
  • Schließlich greifen alle zuvor genannten falschen Annahmen verhängnisvoll ineinander. Sie dienen einer Politik, der es offensichtlich nicht um eine angemessene Seuchenprophylaxe geht, sondern um eine „Verstetigung“ der Freiheitsberaubung – aus welchen Motiven auch immer: „Das Aufaddieren von ‚Neuinfektionen‘ wird sich also potenzieren und von der Politik zur Rechtfertigung für weitere Einschnitte herangezogen werden. Denn da positive Tests wider besseres Wissen mit Neuinfektionen gleichgesetzt werden, wird der Anstieg der so deklarierten ‚Neuinfektionen‘ seinerseits der Lüge Nahrung geben, das Virus sei hoch ansteckend und es sei niemand ‚immun‘, und deshalb drohe der Kollaps im Gesundheitswesen.“

Schlussfolgerung:

„So wie das Infektionsgeschehen derzeit abgebildet wird, ist es zielgerichtet darauf angelegt, dass der Lockdown nie enden wird.“

Nun dekliniert Fuellmich die oben genannten Falschbehauptungen Drostens noch einmal durch unter dem Aspekt, in welcher Weise sich Drosten strafbar gemacht hat. Dabei wird immer wieder nachgewiesen, dass Drosten es weitaus besser wusste, als seine Behauptungen in diesem Jahr es vermuten lassen. Er hat also laut Ausführungen von Fuellmich schlichtweg: gelogen! Und somit Millionen Menschen weltweit ins Elend und letztendlich in den Tod getrieben. Er hat schwere Schuld auf sich geladen, die nicht nur moralisch, sondern eben auch straf- und zivilrechtlich extrem schwer wiegt. Fuellmich an die Adresse Drostens: „Nicht das Virus, sondern lediglich die Luftbuchungen breiten sich exponentiell aus.“

Immer vorausgesetzt, dass der Rechtsstaat und seine Rechtspflege noch intakt sind, können sich Fuellmich und die vielen Anwälte, die seinen Pfaden folgen, hervorragende Chancen auf einen Erfolg ihrer Klagen in Deutschland, den USA und weltweit ausrechnen. Der Rechtsweg der mutigen Anwälte muss natürlich weiterhin durch politische Aktionen und Kampagnen unterstützt werden.

Quelle:

  1. https://nichtohneuns-freiburg.de/rechtsanwalt-dr-fuellmich-klage-gegen-drosten-in-der-charite/

KenFM: Hermann Ploppa – Arzneimittelzulassung auf Bestellung

Die Europäische Arzneimittelagentur wird Corona-Impfstoffe im rollierenden Verfahren durchwinken.

Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Ein Beitrag von KenFM , hier finden Sie den Original Text:

https://kenfm.de/arzneimittelzulassung-auf-bestellung-von-hermann-ploppa/

Wir alle sind gespannt. Werden die neuen Zauber-Impfstoffe, die die schreckliche Covid-19-Seuche mit einem Schlag ausrotten sollen, demnächst tatsächlich zugelassen? Wer wird den Weg freigeben für die Impfdroge, die uns von heute auf gestern wieder ein normales Leben bescheren soll?

Der Ball liegt bei der Europäischen Kommission, also unserer Regierung der Europäischen Union. Bevor die allerdings den Startschuss gibt für die Massenimpfungen, wird sie sich den fachkundigen Rat der Europäischen Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, kurz: EMA) in Amsterdam einholen. Die EMA prüft Arzneien, die neu auf den Markt kommen sollen. Ob sie auch verträglich sind und frei von Nebenwirkungen. Auf der EMA liegt also eine schwere Last der Verantwortung für das Schicksal von vielen Millionen europäischen Mitbürgern. Ist die EMA objektiv, nur dem Gemeinwohl verpflichtet?

Die EMA ist eine Institution unter dem Hut der Europäischen Union. Aber nur vierzehn Prozent der Einnahmen der EMA stammen aus der EU und anderen öffentlichen Töpfen. Die restlichen sechsundachtzig Prozent stammen von der Pharmaindustrie. Allerdings nicht als Spenden wie die achtzig Prozent Privatgeld bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die EMA erhebt Gebühren von den Pharmakonzernen, die ihre neuen patentierten Präparate genehmigt haben wollen. Eine so direkte Verpflichtung wie die WHO geht die EMA also gegenüber den Pharmakonzernen nicht ein.

Jedoch ergeben sich personelle Verflechtungen zwischen den großen Pillendrehern und der EU-Arzneimittelbehörde. Beobachter der Szene wie zum Beispiel Lobbycontrol sprechen hier von einem Drehtüreffekt: ehemalige Mitarbeiter der Pharmabranche heuern bei der EMA an. Oder sie wechseln von der EMA in die Pharmaindustrie. Es ist klar, dass sie ihre intime Kenntnis der EU-Behörde im neuen Job als Pharma-Berater voll einsetzen, um ihre ehemaligen Behördenmitarbeiter im Sinne ihres neuen Arbeitgebers zu beeinflussen.

Besonders krass der Fall des ehemaligen EMA-Chefs Thomas Lönngren im Jahre 2010. Lönngren hatte schon zwei Monate vor seinem Ausscheiden als EMA-Chef eine eigene Beratungsfirma für die Kunden aus der Pharmabranche aufgemacht. Er bot Beratung an, wie sich Firmen bei der Agentur besser für ihre Produkte einsetzen könnten. Als der Leiter der EMA-Rechtsabteilung Vicenzo Salvatore 2012 bei der EMA ausstieg, trat er sofort in die für Pharmakonzerne tätige Anwaltskanzlei Sidley Austin ein.

Sein Nachfolger Stefano Marino arbeitete zuvor beim italienischen Pharmaunternehmen Sigma-Tau als Spezialist für „Schutz geistigen Eigentums“. Zugleich war Marino Vorsitzender im Ausschuss „Marken“ im Europäischen Verband der Pharmazeutischen Industrie. Als die EMA im Jahr 2014 beschließt, sämtliche Daten aus klinischen Studien der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, unterbindet Marino diesen notwendigen Vorgang demokratischer Transparenz.

Weiterhin sehen wir hier Xavier Luria, bei der EMA zuständig für Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln, der später in der Pharmabranche richtig Geld verdient. So wundert es nicht mehr, dass die EMA das Krebsmittel Avastin auch für Brustkrebs freigegeben hat, was die amerikanische Kontrollbehörde FDA für ihren Bereich untersagt hat aufgrund der unverhältnismäßig starken Nebenwirkungen. Da ist es vielleicht hilfreich zu wissen, dass in einem von der EMA im Fall Avastin bestellten Expertengremium sechs von zehn Fachleuten geschäftlich verbandelt waren mit der Avastin-herstellenden Firma Roche.

Kontrovers diskutiert wird bis heute die Entscheidung der EMA, in Zukunft schon dann Genehmigungen für ein neues Präparat zu erteilen, wenn die erforderlichen Versuchsreihen noch gar nicht abgeschlossen sind. In diesem „rollierenden“ Zulassungsverfahren (englisch: rolling review) reicht das die Genehmigung erheischende Unternehmen einfach schon mal Zwischenergebnisse ein!

Kritiker sehen in diesem Vorgang eine Amerikanisierung unseres Zulassungsrechts durch die Hintertür. In den USA gilt: ein Produkt darf auf den Markt gelassen werden, auch wenn Risiken und Nebenwirkungen noch gar nicht erschöpfend erforscht sind. Das ist das so genannte Evidenzprinzip. Der Konsument ist in diesem makabren Freilandversuch das kostenlose Versuchskaninchen. Wenn es dann Anwälten und Wissenschaftlern gelingt, die Schädlichkeit des Produkts zu beweisen, dann kann es vom Markt genommen werden. Demgegenüber gilt in Europa das Vorsorgeprinzip: ein Produkt wird erst dann auf die breite Masse losgelassen, wenn seine Unschädlichkeit einwandfrei nachgewiesen ist. Die ganzen notwendigen Versuchsreihen sind natürlich für den Hersteller sehr kostspielig. Aber so viel Sicherheit ist man den Menschen schuldig.

Und genau diese fahrlässige Umgehung des europäischen Vorsorgeprinzips durch die EMA macht uns jetzt zu schaffen. Denn die diversen Impfstoffe gegen SARS-Cov2, die jetzt der Zulassung harren, sind eben überhaupt noch gar nicht nach europäischen Qualitätsstandards ausgereift. Da wird gesprochen von den etwa 43.000 Versuchspersonen, die bislang die Versuchsreihen für das neue Impfmittel der Firmen BioNTech und Pfizer durchlaufen haben – wovon die Hälfte der Probanden lediglich Placebos bekommen hat. Wie Professor Stefan Hockertz in einem Interview für Radio München dargelegt hat, ist jetzt gerade die Hälfte der Versuchsreihen für das BioNTech-Produkt absolviert – erst im Jahre 2022 sind die Versuche abgeschlossen. Erst dann kann man wirklich solide Daten vorlegen, anhand derer dann eine Genehmigung entweder erteilt oder abgelehnt wird. Die Stufe der Tierversuche hat man in diesem Falle übrigens locker übergangen und ist gleich in Menschenversuche eingestiegen. Zudem ist der Einsatz von Impfungen auf mRNA-Basis ein vollkommen neuartiges gentechnisches Experiment.

Nun hören wir ja allerorten, dass schon in diesem Dezember die Impfreihen auf der Grundlage der EMA-Genehmigung beginnen sollen. Schon hat die Europäische Kommission, die ja die letztendliche Genehmigung erteilen wird aufgrund der EMA-Expertise, hunderte Millionen Impfdosen bei BioNTech, Pfizer und anderen Anbietern gekauft. Schon werden die Impfzentren aus dem Boden gestampft. Die Genehmigung wird also erteilt, koste es was es wolle. Und wenn es auch unsere Gesundheit und körperliche Unversehrtheit kostet. Hier werden in einem Zeitraum von hundertfünfzig Jahren mühsam aufgebaute zivilisatorische Standards mal eben so geschleift.

Rubikon: PCR-Tests sind nicht nur ein Riesengeschäft, sie werden auch missbraucht, um die Demokratie auszuhebeln.

den Original Text mit Vorlesefunktion finden Sie auf -> rubikon.de

von Hermann Ploppa

Früher fühlte man sich zuerst krank, dann ging man zum Arzt und wurde — vielleicht — geheilt. Heute versucht der Staat möglichst viele Menschen zu nötigen oder zu überreden, sich testen zu lassen. Das ist nicht nur ein lukrativer Nebenverdienst für Ärzte und Test-Hersteller — es stellt Menschen auch unter Generalverdacht, für andere ein Gesundheitsrisiko darzustellen. Geschaffen wird eine hoch disziplinierte Menschenherde, die es Mächtigen erlaubt, eine Agenda durchzusetzen, die unter anderen Umständen vielleicht am Widerwillen der Bürger scheitern würde. „Kollateralschäden“ sind: ein ruinierter Mittelstand, eine gigantische Vermögensumverteilung von unten nach oben, die Realisierung nekrophiler Digitalisierungspläne, durch die auch der Trend zur Vereinzelung der Menschen verstärkt wird, und eine zunehmende Abhängigkeit des menschlichen Körpers von regelmäßigen Impfungen. Das Ganze ist offensichtlich ein gigantisches Betrugsmanöver — warum spielen fast alle dabei mit?

Die sogenannten PCR-Tests (Polymerase Chain Reaction) sind die zentralen Hebel, um eine Revolution von oben durchzusetzen und zu legitimieren. Mit dem Hinweis auf dramatisch ansteigende Infektionszahlen, generiert aus PCR-Tests, soll jetzt die Einsperrung von 99 Prozent gesunder Menschen gerechtfertigt werden.

Revolution von oben: darüber ist in dem letzten Dreivierteljahr ausführlich gesprochen und geschrieben worden. Unterschiedlichste „Kollateralnutzen“ ergeben sich für jenen heterogenen Haufen von Mächtigen, die sich gerade anschicken, ihre Macht noch einmal dramatisch auszuweiten:

  • Die ungeheuer schlagkräftig gewordene Pharmaindustrie verspricht sich ein Bombengeschäft mit der weltweiten Vermarktung eines neuen Typs von Impfungen. Diese werden das natürliche Immunsystem des Menschen ersetzen durch eine Abhängigkeit von regelmäßigen Impfungen neuen Typs, die in die genetische Ausstattung des Menschen eingreifen.
  • Die empfindliche Sozialarchitektur von (noch) souveränen Staaten wird durch den erzwungenen Stillstand der Wirtschaft ruiniert. Der gewerbliche Mittelstand wird gerade „abgewickelt“. Die öffentlichen Solidarsysteme ebenfalls.
  • Es findet eine gigantische Vermögensumverteilung von unten nach oben statt. Allein seit Ausrufung der Covid-19-Pandemie sind die Superreichen um 80 Milliarden US-Dollar nach Steuern reicher geworden.
  • Schließlich die Digitalisierung. Home Office und Home Schooling sind Vorgriffe auf eine durch 5G zentralisierte und transportierte anonymisierte digitale Kontrolle und Steuerung aller gesellschaftlichen Vorgänge. China ist auf diesem Sektor schon sehr weit vorangeschritten — und der Westen will aufholen.

In diesem Zusammenhang sind die Massentestungen durch PCR Mittel und Zweck zugleich. Mittel: das Screening praktisch der gesamten Bevölkerung nach dem SARS-CoV-2-Virus und die Verkündung eines Pandemie-Notstands scheint die oben genannten Zielsetzungen zu legitimieren. Die ganze Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen, ist ein beliebtes Mittel, um in anderen Kontexten nicht akzeptanzfähige Ziele durchzusetzen. Indem man zum Beispiel die Bürger der Ex-DDR unter Generalverdacht stellte, allesamt Stasi-Spione gewesen zu sein, hatte man die zu unterwerfenden Ostdeutschen gespalten. Im Windschatten dieser Spaltung begann die gigantische Enteignung der Ostdeutschen durch westliche Finanzbetrüger. Jetzt also der virologische Generalverdacht. Die Bevölkerung ist daraufhin gespalten in Gläubige der „Corona-Kirche“ und deren Skeptiker.

Nun ist überall nachzulesen und muss nicht weiter belegt werden, dass der PCR-Test im Jahre 1983 von Kary Mullis entwickelt wurde. Dieser Test sollte bei Menschen mit starken Krankheitssymptomen den Virustyp ermitteln, der die heftigen Beschwerden verursacht. Niemals hatte Mullis daran gedacht, mit dem PCR-Test Menschen ohne Beschwerden, ohne Symptome, zu traktieren. Dass genau das jetzt seit Ausrufung der Covid-19-Pandemie Anfang dieses Jahres geschehen ist, kann mit Fug und Recht als grober Missbrauch und als Zweckentfremdung bezeichnet werden.

Wer nur die offiziellen Statistiken richtig liest, erkennt, dass die SARS-CoV-2- Pandemie keinen anderen Verlauf aufweist als alle anderen Pandemien zuvor. Das heißt: kommt ein neuer Virentyp in Umlauf, so trifft er geschwächte Menschen unvorbereitet und er kann zu schweren Krankheitsverläufen führen. Sehr rasch aber tritt eine Art von Immunität ein, und die schweren Krankheitsverläufe nehmen ab. Das zeigt sich an den Sterblichkeitsraten. Die waren am Anfang durchaus bedenklich. Aber seit vielen Monaten liegt diese Sterblichkeitsrate im niedrigen Bereich. Das belegen nicht zuletzt die aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO (1).

Kurzarbeit statt Überlastung

Der zweite Lockdown wird nun also auch nicht mehr in erster Linie mit hoher Sterblichkeit durch Corona begründet, sondern damit dass man eine Überlastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern vermeiden will. Das hatten die Politiker bekanntlich schon als Begründung für den ersten Lockdown angeführt — es kam jedoch nicht zu einer Überbelegung der Intensivbetten. Im Gegenteil: die medizinischen Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt.

Auch jetzt orakelt Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann über eine sich anbahnende Überbelastung der Intensivmedizin. Die entsprechenden Zahlen beruhen auf einer massiven Manipulation, wie kürzlich Professor Christof Kuhbandner nachgewiesen hat (2). Denn jetzt werden grundsätzlich alle Intensivpatienten automatisch mit dem PCR-Test traktiert. Ergebnis: selbst wer wegen eines Autounfalls in die Intensivstation eingeliefert wurde, zählt, wenn bei ihm SARS-CoV-2 gefunden wird, als Corona-Intensiv-Patient! Auch an der linguistischen Front wird bereits von Anfang an grobe Irreführung betrieben. Denn Menschen, bei denen der PCR-Test irgendwann einmal positiv verlief und dann ein späterer Test negativ ausfiel, werden als „Genesen“ in der Statistik geführt — obwohl sie die ganze Zeit in keiner Weise krank gewesen sind.

Warum also stehen nicht mehr Ärzte auf gegen diesen gemeingefährlichen Unfug, und nicht nur die 700 Ärzte für Aufklärung? „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, sagte dereinst Karl Marx. So ist es auch in diesem Falle. Denn das Geschäft mit dem PCR-Missbrauch ist extrem profitabel, und die großen Nutznießer sind klug genug, viele kleine Nutznießer am Kuchen teilhaben zu lassen. So einfach ist das. Unzählige neue Labore für PCR-Tests sind seit Corona aus dem Boden geschossen wie Pilze nach einem warmen Regen. Diese Labore sind oftmals noch gar nicht richtig vorbereitet auf die neuen Aufgaben. Außerdem gibt es einen Wirrwarr an unterschiedlichsten Testmethoden.

Welche Genkomponenten angeschaut werden, differiert. Versagt eines dieser Instant-Labore, liefert ein anderes Instant-Labor ersatzweise mehr schlecht als recht PCR-Tests für das ausfallende Labor. So geschah es im bayrischen Augsburg. In einem Labor wurden 60 Personen PCR-positiv getestet (3). Eine Überprüfung ergab, dass 58 dieser 60 vermeintlich Positiven in Wirklichkeit negativ, also ohne SARS-CoV-2 waren. Diese „Panne“ wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als Profifußballer ebenfalls durch PCR-Tests fälschlich positiv getestet wurden. Die Dunkelziffer in diesem neuen Pioniergewerbe dürfte beträchtlich sein.

Ein einträgliches Geschäft

Die in der Bevölkerung geschürte Angst trägt profitable Früchte. In Solingen stehen die Menschen im strömenden Regen massenhaft Schlange wie dereinst in der verrufenen DDR, um einen PCR-Test zu ergattern (4). Danach befinden sie sich dann unter Umständen in Quarantäne — alleine in Solingen sind augenblicklich laut Pressebericht 1.800 Personen isoliert und aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen. Das ist bei einer Gesamtbevölkerungszahl für Solingen von 158.000 Einwohnern eine spektakuläre Zahl. Diese freiwilligen PCR-Testpersonen bezahlen womöglich, genauso wie Reiserückkehrer, die Kosten aus der eigenen Tasche.

Warum also halten fast alle Gesundheitsmitarbeiter still bei diesem schmutzigen Deal? Weil es sich lohnt. Denn Kassenärzte verdienen ein nettes Zubrot, das ihnen ohne Corona-Hype entgehen würde. In Bayern bekommen Ärzte für jeden PCR-Abstrich, den sie in der Praxis machen, 25 Euro von der Kassenärztlichen Vereinigung. Bei Hausbesuchen bekommen sie 45 Euro. Nehmen sie an einer Reihentestung außerhalb ihrer Arztpraxis teil, bekommen sie pro Stunde 130 Euro (5). Das schlägt mittlerweile volkswirtschaftlich durchaus spürbar zu Buche. So meldet das Ärzteblatt, dass seit Juli 2020 insgesamt bis jetzt 103 Millionen Euro an die Kassenärzte ausgeschüttet wurden. Und allein von Mitte September bis Mitte Oktober sind 74 Millionen Euro an die Kassenärzte überwiesen worden (6).

Das heißt: das schwunghafte Geschäft mit den PCR-Tests an asymptomatischen Mitbürgern nimmt gerade erst so richtig Fahrt auf. Das Robert Koch-Institut vermeldet in einer Excel-Tabelle, dass zwischen der zehnten und der zweiundvierzigsten Kalenderwoche dieses Jahres 20.380.376 PCR-Testungen durchgeführt worden sind. Die Testkits für die PCR-Analysen kosten zwischen 80 und 250 Euro. Ein Blick auf einen Taschenrechner genügt, um die Milliardendimensionen dieses vollkommen überflüssigen und unethischen PCR-Missbrauchs deutlich zu machen. Eine Geld- und Materialvergeudung von historischen Ausmaßen. Und je mehr Nutznießer an diesem Geschäft beteiligt sind, umso stärker der Druck, den PCR-Tests noch erheblich größeren Stellenwert einzuräumen als bisher. Politischer Druck und kommerzielle Interessen werden sich in den kommenden Monaten noch weiter gegenseitig verstärken. Eine Irrsinnsspirale.


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.hna.de/welt/corona-coronavirus-pandemie-who-sterblichkeitsrate-neue-studie-toedlich-gefaehrlich-kassel-hna-zr-90072443.html
(2) https://www.heise.de/tp/features/Corona-Lockdown-Droht-tatsaechlich-eine-akute-nationale-Gesundheitsnotlage-4942433.html?wt_mc=nl.tp-aktuell.taeglich
(3) https://www.n-tv.de/panorama/Bayerisches-Labor-liefert-falsche-Testergebnisse-article22129091.html
(4) https://www.solinger-tageblatt.de/solingen/solingen-pcr-test-nach-standard-13924394.html
(5) https://www.corodok.de/win-win-testzahlen-verdienen/
(6) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117564/Coronatests-der-KVen-kosten-inzwischen-103-Millionen-Euro

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Rubikon: Die Eliten wollen Corona nutzen, um in einem Akt „schöpferischer Zerstörung“ eine schöne neue Techno-Welt errichten.

Wir sind derzeit Zeugen einer gigantischen, schockartigen Umwälzung der Welt, deren Ergebnis eine völlige Neuordnung von dystopisch anmutendem Charakter sein soll. Rücksichtslos werden bestehende Ordnungen zugunsten der Errichtung neuer, zunehmend zentralisierter und inhumaner Strukturen vernichtet. Lockdown und Pandemie mit verheerenden Wirkungen für Wirtschaft und Demokratie stellen für die Superreichen eine großartige Gelegenheit dar, die Welt neu und nach ihren Wünschen zu formen. Corona wird so zum Schrittmacher der vierten industriellen Revolution.

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KenFM: Hört auf über Corona zu streiten – Denn im Schatten von Corona geschieht Ungeheuerliches

Es geht nicht um Corona. Es geht nicht darum, Schaden vom deutschen Volke zu wenden. Das bezeugt nicht zuallerletzt das reputierliche Robert-Koch-Institut höchstselbst.

Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Audio Podcast

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https://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg

Hermann Ploppa: Coronakrise, ein asymmetrischer Krieg der Superreichen gegen die restlichen 99 Prozent?

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ Warren Buffett, zeitweise reichster Mann der Welt

Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg, die Virologin Karin Mölling, der Stanford-Virologie-Professor IoannidisSucharit BhakdiProf. Dr. Stefan Hockertz, der Virologe Professor Dr. Carsten Scheller und unzählige weitere Stimmen zum Schweigen gebracht werden. Also fordert der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius, gegen Verbreiter von „Fake-News“ (2) zu Corona hart vorzugehen.

.. die Rolle der Bill Gates Stiftung -> WHO -> Johns Hopkins University -> Max Plank Institut -> Minister Span

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Audio Podcast (25 min)

über Hermann Ploppa bei rubikon.de

Hermann Ploppa: Wir haben (noch) die Wahl: Neo-Feudalismus oder Verfassungsdemokratie?

Ein Kommentar von Hermann Ploppa

„Das einzig sichere Bollwerk für dauerhafte Freiheit besteht in einer Regierung, die stark genug ist, die Interessen der Bevölkerung zu schützen, und einer Bevölkerung, die stark genug und informiert genug ist, ihre souveräne Kontrolle über die Regierung auszuüben.“

(Franklin Delano Roosevelt, 32. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika)

Der Text wurde kopiert von:
https://kenfm.de/tagesdosis-9-5-2019-wir-haben-noch-die-wahl-neo-feudalismus-oder-verfassungsdemokratie/

Wir sind gewohnt, in einem Verfassungsstaat zu leben. Aber wenn ein Verfassungsstaat so geschwächt und entkernt ist wie der unsere, dann kann der geistig-mentale Zustand einer superreichen Person, nehmen wir mal rein zufällig Mister Bill Gates, das Leben von Millionen, ja sogar von Milliarden Menschen beeinflussen und beeinträchtigen. Und so schauen wir in ohnmächtiger Wut zu, wie die Regenten der Europäischen Union und unzählige Regenten von verarmten Nationalstaaten gerade acht Milliarden Dollar zusammenkratzen, damit der Kindertraum des Softwarekönigs Bill Gates von der Abspritzung – entschuldigen Sie: der Zwangsinjektion aller auf der Erde lebenden oder vegetierenden Menschen Wirklichkeit werden kann.
Wenn die Verfassung, unser Grundgesetz, auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt wird, können durchgeknallte Individuen die Welt nach ihrem Bilde formen. Das ist, mit Verlaub gesagt, in den USA schon lange traurige Realität. Was gewisse marktradikale Stiftungs-Wanderprediger mit feuchten Augen uns andienen wollen, nämlich die öffentlich-private „Partnerschaft“, ist in den Vereinigten Staaten von Amerika schon lange verwirklicht. Nämlich dass weise superreiche Männer in informellen Zirkeln zusammensitzen und Pläne und Paradigmen aushecken für den Rest der eigenen Bevölkerung <1>.

Und dass dann von steuerbefreiten Stiftungen Richtlinien an Parteien, Gewerkschaften und pseudo-Bürgerkomitees heruntergereicht werden.

Im Kontrast dazu stehen traditionell die kontinentaleuropäischen Verfassungsstaaten. Den Konzernen, den Resten des Adels stand eine starke Arbeiterbewegung mit Genossenschaften und Parteien gegenüber, verbündet mit dem Bildungsbürgertum und der christlichen Soziallehre. Als Reichskanzler Bismarck 1890 mit einem brutalen Klassenkampf von oben die Oligarchenherrschaft einführen wollte, hatte der junge Kaiser Wilhelm II. den Mut, Bismarck zu entlassen und die verfassungsmäßigen Rechte aller Bevölkerungsgruppen zu garantieren. Der Ausbau des Verfassungsstaates ging bis 1933 konsequent weiter, und dann wieder seit 1945.

Das ist wichtig zu wissen. Denn wo Oligarchen wie Gates unbeschränkt schalten und walten können, vergreifen sie sich sogar an der körperlichen Unversehrtheit der Menschen.

Wo die Verfassung ausgesetzt ist wie bei uns jetzt gerade in der gefühlten Corona-Krise, da schmeißt allein die Bundesregierung dem Gates-Netzwerk für ihre irrwitzigen Impfpläne 560 Millionen Euro in den gierigen Rachen. 560 Millionen! Gerade die Corona-Kampagne hat erschreckende Defizite in unserem Gesundheitswesen offengelegt, die dringend behoben werden müssen. In beispielloser Devotheit apportiert Frau von der Leyen dem irren Milliardär Gates das mühsam erarbeitete Geld der europäischen Solidargemeinschaft der Steuerzahler. Das ist in dieser Nacktheit noch nicht dagewesen im verfassungsstaatlichen Europa. Hypnotisierte Schlafwandler in Spitzenpositionen.

Nicht so in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort gehörten die Körper der Bürger schon immer den superreichen Oligarchen und ihren Erfüllungsgehilfen. Betrachten wir nur allein den amerikanischen „Vater der Gynäkologie“, Doktor James Marion Sims.

An diesen Vater erinnern nach wie vor Denkmäler in den USA <2>. Sims führte chirurgische Experimente an afroamerikanischen Sklavinnen durch, die ihm von deren Besitzern in den 1840er Jahren zugeführt wurden. Die entkleideten Sklavinnen wurden im Hörsaal unter den voyeuristischen Blicken der Medizinstudenten in ihrem intimsten Bereich ohne Einsatz von Anästhesie chirurgischen Eingriffen ausgesetzt.

Die Stiftungen der Superreichen wie Harriman, Rockefeller und Carnegie entdeckten die Eugenik. Da man im ausgehenden 19. Jahrhundert noch keine Möglichkeiten hatte, die genetische Ausstattung von Menschen zu manipulieren, beschränkte man sich auf die Selektion. Die Wissenschaft in den USA war davon besessen, die Bevölkerung dadurch zu „veredeln“, dass man die als „minderwertig“ (inferior) wahrgenommen Mitmenschen kastrierte, sterilisierte oder in speziellen Lagern lebenslang einschloss. Das wurde schon damals in Gesetze für einzelne US-Bundesstaaten gegossen und umgesetzt. Das gipfelte schließlich 1914 in einem „Weltrassenaufartungsplan“, erarbeitet von den „philanthropischen“ Stiftungen von Rockefeller, Kellogg, Harriman, in Zusammenarbeit mit der US-Regierung und den Elite-Universitäten <3>.

In diesem Plan wird minutiös Jahr für Jahr bis 1985 (!) festgelegt, wie viel Menschen aus der Reproduktion herausgenommen werden müssen durch Kastration, Sterilisation oder lebenslange Einsperrung. Auf diese Weise sollten bis 1985 45 Millionen Menschen „eliminiert“ werden. Und schon 1911 schlug ein Statistiker vor, die Gesundheitsdaten aller Menschen dieser Erde in elfstelligen Zahlenreihen zu erfassen. Nichts ist neu unter unserer Sonne.

Der Erste Weltkrieg ließ diese Pläne dann in den Hintergrund treten. Nichtsdestoweniger erlebte die selektive Eugenik in den 1920er Jahren ihre Blütezeit. Nun drangen Polizisten in die Wohnungen unbescholtener Bürger ein und verschleppten sie in ein Krankenhaus. Dort wurden sie ohne weitere Erklärungen chirurgischen Eingriffen unterzogen und dann nach Hause geschickt. Sie wunderten sich, dass sie keine Kinder mehr bekommen konnten.

Weil die Behörde diese Menschen als „minderwertig“ eingestuft hatte, wurden sie zwangsweise sterilisiert. Wir erinnern uns, dass ausgerechnet im ehemaligen Musterland Dänemark solche Übergriffe vor kurzem in Gesetze gegossen wurden.

Präsident Franklin Delano Roosevelt unternahm beachtliche Anstrengungen, dem Oligarchen-Spuk mit der Stärkung der Verfassung ein wenig Einhalt zu gebieten. Doch diese ehrenwerten Versuche scheiterten letztlich an der Zähigkeit der superreichen Oligarchen. Denn von 1933 bis 1973 konnte im Süden der USA, im Bundesstaat Alabama, das perfide und menschenverachtende Tuskegee-Experiment durchgeführt werden.

In dieser Langzeit-Kohortenstudie wurde von Medizinern akribisch dokumentiert, wie etwa fünfhundert afroamerikanische Baumwollpächter langsam an Syphilis versterben. Um die Studie nicht zu verderben, wurde den Probanden nicht gesagt, dass sie lebensgefährlich erkrankt waren und es wurde ihnen auch kein Penicillin verabreicht, als dieses bereits auf dem Markt war. Dafür wurden ihre Bestattungskosten bezuschusst und sie bekamen kostenlose medizinische Versorgung <4>. Das reichte den Forschern noch nicht aus. Die US-Regierung bestach die Regierung von Guatemala. Zwischen 1944 und 1946 wurden in Guatemala Gefängnisinsassen und Patienten von Nervenheilanstalten künstlich mit Syphilis-Erregern infiziert, um den tödlichen Verlauf der Syphilis besser studieren zu können <5>.

Die US-Regierung schreckte auch nicht davor zurück, eine ganze Trabantenstadt von St. Louis mit einer nuklear verstrahlten Substanz zu vergiften <6>. Es ging darum, die Folgen eines Nuklearangriffs der USA auf Städte in der Sowjetunion am lebenden Objekt zu studieren.

Doch es blieb nicht bei den USA selber. Die Birth Control League, deren Begründerin Margaret Sanger eine entschiedene Propagandistin von Eugenik und Euthanasie war, benannte sich nach dem Schrecken des Holocaust in Planned Parenthood um und hatte wesentlichen Anteil an der Ein-kind-Politik in der Volksrepublik China. Ständig wurde vor der „Bevölkerungsexplosion“ gewarnt. In Propagandafilmen der 1960er Jahre sah der Zuschauer in diesem Zusammenhang immer wieder Massen von Asiaten oder Afrikanern. Die „Gelbe Gefahr“ wurde beschworen. So nimmt es nicht Wunder, dass in Indien in den 1970er Jahren die damalige Präsidentin Indira Gandhi Programme zur Zwangssterilisierung von jungen Männern auflegen ließ. In späteren Jahrzehnten konnten sich indische Frauen „freiwillig“, also gegen einen geringen Obulus, sterilisieren lassen. Und Indien will auch um jeden Preis zu einer Hochburg der pharmazeutischen Industrie werden.

Und der Preis ist hoch. 2005 wurde die Verwendung von Indern als Versuchsobjekte der internationalen Pharmaindustrie per Gesetzesänderung erleichtert <7>. In einer Klinik in Bhopal, die extra für die Opfer der Giftgaskatastrophe erbaut worden war, wurden neue Pharmazeutika ausprobiert, die nichts mit den Vergiftungen zu tun hatten. Die Menschen wurden einfach für Versuche missbraucht. Dabei starben vierzehn Personen.

Im Bundesstaat Andhra Pradesh und Gujarat wurden im Juli 2009 24.000 Mädchen im Alter zwischen zehn und vierzehn Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs geimpft, ohne dass die Eltern auch nur informiert waren. Infolge der Versuche sind mindestens sieben Mädchen verstorben. Die Versuche führte die Organisation Path, ein Ableger der Bill and Melinda Gates-Stiftung, durch. In der Universitätsklinik Delhi wurde an Säuglingen das Bluthochdruckmittel Valsartan von Novartis getestet. 49 Babies starben an den Folgen dieser Experimente.

Voraussetzung für ein ethisch einwandfreies Testverfahren von neuen Medikamenten ist immer der informed consent, was meistens übersetzt wird mit informierter Einwilligungserklärung. Davon kann aber in den Ländern der Dritten Welt keine Rede sein. Die ausführenden Versuchspersonen der philanthropischen Stiftungen und Pharmakonzerne belügen die Testpersonen oder locken sie mit geringwertigen Annehmlichkeiten. Besonders schlimm ist es in Afrika. Der Traum, ein Afrika ohne Afrikaner zu schaffen geht schon auf den Urvater der amerikanischen Eugenik und Hitler-Inspirator Madison Grant zurück. Nachdem Grant seine Genugtuung darüber zum Ausdruck brachte, dass die indianische Urbevölkerung durch europäische Infektionen ausgelöscht wurde, führte er in seinem Buch „Der Untergang der großen Rasse“ von 1916 aus: „Nachdem die natürlichen Hindernisse aus dem Weg geräumt sind, vermehren sich die Neger derart schnell, dass es keinen Lebensraum auf dem Kontinent mehr für weiße Menschen geben wird. Es sei denn, die tödliche Schlafkrankheit, die für Schwarze wesentlich todbringender ist als für Weiße, sollte zufälligerweise ungehindert ihren Verlauf nehmen.“ <8>

Immer wieder wurde der Versuch unternommen, die Afrikaner auf hinterhältige Weise zu sterilisieren:
In Südafrika und Namibia wird die Not AIDS-infizierter Frauen ausgenutzt, um ihnen im Austausch für medizinische Behandlung Sterilisationen zuzufügen <9>;

Das infame Navrongo-Experiment. Die Navrongo in Ghana sind ein abgeschirmtes Naturvolk. Trotzdem wurden zwischen 1996 und 2006 unter Leitung von USAID, der Bill and Melinda Gates-Stiftung und dem von der Rockefeller-Stiftung geförderte Population Council und der Andrew Mellon Stiftung Pharmazeutika getestet, die Frauen unfruchtbar machen. Befand Steven Mosher, der dem Population Research Institute vorsteht: „Die Bevölkerungskontrolleure schrecken vor nichts zurück, um afrikanische Frauen daran zu hindern, Kinder zu bekommen.“ <10>

Hunderttausende junger Frauen aus unteren Schichten mit afroamerikanischem Hintergrund sowie afrikanische Frauen wurden nicht informiert über die gefährlichen Nebenwirkungen von Depo Vera. Dabei handelt es sich um ein Impfpräparat, das Frauen für drei Monate vor Schwangerschaft bewahrt. Allerdings sind die Nebenwirkungen gravierend.

1996 führte Pfizer Versuche an nicht informierten Menschen in Nigeria durch. Getestet wurde das Antibiotikum Trovan an wehrlosen Kindern. Auch hier gab es keine Befragung der Eltern. Auch hier verstarben Kinder an den Folgen der Tests oder erlitten dauerhaft Schäden. In einem Vergleich zahlte Pfizer an die Opfer 75 Millionen Dollar und baute ein Krankenhaus.
Kwame Fosu, der diese Machenschaften dokumentiert hat, resümiert: „Es handelt sich um eine uralte Kosten-Nutzen-Analyse und Bevölkerungskontrollen-Ideologie. Sie haben schwarze und arme Menschen abgewertet und entmenschlicht.“

In Kenia schließlich haben WHO und UNICEF im Jahre 2014 Frauen kostenlos gegen Tetanus geimpft. Die katholische Bischofskonferenz von Kenia schöpfte Verdacht und erzwang die chemische Analyse der Impf-Ampullen. Dabei ergab sich, dass den Ampullen in vielen Fällen auch Substanzen beigemischt wurden, die die geimpften Frauen dauerhaft unfruchtbar machen.

Bei all diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren die allbekannten Akteure aus den USA beteiligt, mal mehr, mal weniger: die Bill und Melinda Gates Stiftung; die Rockefeller Stiftungen; unzählige weitere „philanthropische“ Stiftungen der Superreichen aus den USA. Die global agierenden Pharmakonzerne, allen voran: Gilead Sciences, Pfizer, GlaxoSmithKline, Merck, aber auch Boehringer Ingelheim aus Deutschland. Sie können sich so ungehemmt austoben, weil der proaktive Staat als Akteur künstlich verarmt, entkernt und enteignet ist und dem neofeudalen Treiben der Konzerne und steuerflüchtigen Stiftungen nichts mehr entgegensetzen kann.

Und nun sind also alle sieben Milliarden Erdenbürger vorgesehen für genau solche ungeheuerlichen Übergriffigkeiten, wie sie unsere Schwestern und Brüder in der Dritten Welt schon seit Ewigkeiten über sich haben ergehen lassen müssen.

Ob es dazu kommt, liegt an uns selber. Der Vorteil an der augenblicklichen Corona-Misere besteht darin, dass jetzt das Treiben der Superreichen und ihrer Erfüllungsgehilfen unverhofft schnell einer großen Öffentlichkeit sichtbar geworden ist. In einem imposanten Kraftakt der Schwarmintelligenz vieler wacher Geister wird jetzt gerade kollektiv viel gelernt.

Unser Denken wird gerade im Crashkurs der geplanten Katastrophe von Covid-19 revolutionär erneuert. Wir wissen jetzt ganz genau, mit wem wir es zu tun haben. Das wird uns eine große Hilfe sein im Kampf um einen neu erstarkten Verfassungsstaat.

Fangen wir an!

Quellen und Anmerkungen:

<1> Ausführlich dargelegt in Hermann Ploppa: Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern. Frankfurt/Main 2014
<2> New York Times, 18.8.2017, An Antebellum Hero, but to Whom?
https://www.nytimes.com/2017/08/18/nyregion/j-marion-sims-statue-removal.html
<3> Ausführlich dargelegt in Hermann Ploppa: Hitlers amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus. Marburg 2016
<4> Tuskegee https://en.wikipedia.org/wiki/Tuskegee_syphilis_experiment
<5> Die Welt, 7.11.2011, Die grausamen Menschenversuche der US-Amerikaner
https://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article13702846/Die-grausamen-Menschenversuche-der-US-Amerikaner.html
<6> Telepolis, 1.10.2012, Hermann Ploppa: Grüner Nebel, Rote Wolke, Schnelle Bräune
https://www.heise.de/tp/features/Gruener-Nebel-Rote-Wolke-Schnelle-Braeune-3395903.html
<7> Der Spiegel, 9.5.2012, Pharmaskandal: „Inder wollen keine Versuchskaninchen mehr sein“ https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/klinische-studien-in-indien-fordern-immer-wieder-todesopfer-a-806797.html
<8> Zitiert nach Ploppa, Hitlers, S. 180/181
<9> The Guardian, 22.6.2009, African Women with HIV ‚coerced into sterilisation‘
https://www.theguardian.com/world/2009/jun/22/africa-hiv-positive-women-sterilisation
<10> Rebecca Project, 26.12.2013. Alle folgenden Fakten ebenda.
http://rebeccaprojectjustice.org/resources/

Rubikon: Der Extremismus der Mitte

Kopie von rubikon.news

Was man nicht alles entdeckt, wenn man bei Zeitungsartikeln einmal hinter die Kulissen schaut.

von Hermann Ploppa

Im Dezember 2017 schlug die Verleihung des alternativen Karlspreises durch den Blog Neue Rheinische Zeitung an den Journalisten Ken Jebsen hohe Wellen. Damals hatte sich der starke Mann der Berliner Linkspartei und Kultursenator Klaus Lederer höchstselbst in dieses eigentlich gar nicht so bedeutende Prozedere um die Preisverleihung eingeschaltet. Er könne nicht dulden, dass sich im Berliner Kino Babylon „Aluhüte“ — was immer das sein mag — ein Stelldichein gäben. Im Subtext drohte der Kultursenator mit dem Entzug öffentlicher Zuschüsse an das Berliner Lichtspielhaus.

Die Veranstaltung fand jedoch statt, zugegebenermaßen unter unglücklichen Begleitumständen, und ein Redakteur der konservativen Tageszeitung Die Welt ließ es sich nicht nehmen, persönlich dem Ereignis beizuwohnen. Der darüber angefertigte Bericht erschien sodann am 14. Dezember 2017 in der Welt.

Der Verfasser Martin Niewendick war offenkundig von dem Ereignis wenig angetan, was er denn auch in seinem Text deutlich kundtat. Das ist sein gutes Recht, als Journalist seine subjektive Wertung abzugeben. Doch erstaunt dann doch die völlig überzogene, diffamierende und beleidigende Wortwahl. Der Titel lautet: „Das bizarre Treffen der antisemitischen Verschwörungstheoretiker“.

Nun gut, das muss nicht notwendig auf dem Mist von Niewendick gewachsen sein. Ich habe auch oft bei Mainstreamzeitungen die Erfahrung machen müssen, dass der verantwortliche Redakteur meinen Artikeln bisweilen dümmliche, reißerische und kalauernde Titel verpasst hat. Für den Fließtext zeichnet jedoch Niewendick alleine verantwortlich.

Und da geizt der Autor nicht mit propagandistischen Schlagwörtern, die den Tatbestand der Verleumdung und der üblen Nachrede erfüllen: „Verschwörungs-Guru Ken Jebsen“; „Gästeliste, die sich gewissermaßen aus dem who-is-who der antisemitischen Verschwörungstheoretiker-Szene zusammensetzt.“ Und so weiter und so fort. Unnötig zu sagen, dass sich im Kino Babylon nachweislich weder Antisemiten noch Verschwörungstheoretiker befanden.

Ich habe immer ein bestimmtes Bild vor Augen, wie der Schreiber des Textes wohl aussehen mag. In diesem Falle, bei einem Presseorgan des Springer-Konzerns, stellte ich mir einen versauerten Anzugträger mit zurückgekämmten Haaren und altmodischer Hornbrille vor. Umso erstaunter war ich, als mir eine Leserin meiner Bücher das Bild des Autors (1) oben genannten Artikels zusandte:

Bild

Der Autor ist also ein selbsterklärter Rapper mit einem Mossad-T-Shirt und dem Motto: „Was geht ab? Heute gibt es Truetalk an der Grenze zum Rufmord!“ Hm. Was will der Autor uns damit sagen? So hatte ich mir den Autor der gerne als seriös geachteten Tageszeitung Die Welt nun wirklich nicht vorgestellt. Ein Typ mit fanatischem Blick, glasigen Augen und unverhohlenen Sympathien für einen Geheimdienst, der nicht gerade den allerbesten Ruf genießt. Offensichtlich kein neutraler Journalist, sondern ein parteiischer Kämpfer in einer extrem polarisierten geopolitischen Konstellation.

Wer ist dieser Martin Niewendick? Das will ich jetzt aber doch mal wissen. Ein Blog namens „Salonkolumnisten gibt mir erste Orientierungshilfe:

„Politik-Redakteur bei der Welt, Blogger bei Ruhrbarone. Stationen bei Tagesspiegel, Spiegel, taz, Berliner Morgenpost, Jungle World and some funky shit. Ansonsten: Sprechsänger, Ruhrpott-Gewächs. Based in Berlin.“

Aha?

Als Rapper „Roni 87“ tritt Niewendick mit Rasta-Locken auf und nuschelt allerlei Zeugs, das uns wegen seiner absoluten Unverständlichkeit nicht weiter interessieren soll. Wie gut, dass der große Bob Marley das nicht mehr erleben muss…

Und das mit dem Mossad? Ist das ein Dummejungen-Scherz? Es wäre nur fair, wenn Niewendick sich in seinen Artikeln in der Mainstreampresse ausdrücklich in der Form eines Kommentars als Parteigänger der Netanyahu-Szene ausweisen würde. Vor kurzem erst echauffierte sich Niewendick in der alten konservativen Welt darüber, dass der scheidende Außenminister Sigmar Gabriel (von Niewendick als „Siggi Pop“ tituliert) weitere Hilfszahlungen Deutschlands an die UNO-Flüchtlingsorganisation UNRWA garantiert hat.

Die UNRWA kümmert sich ausschließlich um notleidende Palästinenser, die in den katastrophal unterversorgten Flüchtlingslagern in Jordanien, Libanon, Syrien, dem Gazastreifen, der Westbank oder in Ost-Jerusalem seit Jahrzehnten vor sich hin vegetieren. Die Bundesregierung unterstützte die UNO-Hilfsorganisation im Jahre 2017 mit 80 Millionen Euro. Der Autor unterstellt der Bundesregierung, sie würde mit diesem Geld Jihadisten finanzieren; die Palästinenser würden aus dem Geld „Märtyrerfonds“ aufbauen. Deshalb diffamiert Niewendick den scheidenden Außenminister als „treuen Freund der Jihadisten“.

Der Autor vergießt Krokodilstränen über die Perspektivlosigkeit der internierten Palästinenser, und beruft sich auf einen Experten namens Thomas von der Osten-Sacken, der einer Hilfsorganisation Wadi vorsteht und resümiert: „Der Status als Flüchtling sei quasi auf Lebenszeit festgeschrieben, da das Acht-Millionen-Einwohner-Land Israel die Eingliederung von rund sieben Millionen Menschen nicht bewerkstelligen kann.“

Wieder ein Fall von Zitierkartell, denn auch Thomas von der Osten-Sacken ist Teil des Problems, und nicht so sehr dessen Lösung. Auch von der Osten-Sacken schreibt durchaus bellizistisch, also Kriegs-bejahend, so ziemlich in den gleichen Presseorganen wie sein Mitstreiter Niewendick, schreibt aber zudem noch im Blog „Achse des Guten“. Am antideutschen Schwenk der Linkspartei war von der Osten-Sacken nicht ganz unbeteiligt.

Das Anti-Gabriel-Pamphlet veröffentlichte Niewendick dann auch noch im Blog Madrasa of Time. Hier bekommt Gabriel noch eine Clownsnase aufgesetzt.

Wer ist Madrasa of Time? Zunächst einmal: Madrasa ist arabisch und bedeutet einfach: „Schule“. Auf der linken Seite des Kopfbildes sieht man eine christliche Kirche. Auf der rechten Seite schweben drei Sterne Israels. Untertitel des Blogs: „Time of Counterjihad“. Der Heilige Krieg des Islam wird offenkundig in einem sehr verflachten Sinne als martialischer Krieg mit Panzern und Gewehren verstanden. Und dagegen, muss, so versteht es der Betrachter, ein Gegenkrieg mit Panzern und Gewehren geführt werden. Wie so viele dieser kriegerischen Blogseiten hat auch Madrasa of Time kein Impressum.

Nach deutschem Recht muss ein Presseorgan, ob gedruckt oder als im Internet, ein Impressum haben; also eine reale Person muss mit Kontaktdaten für den Inhalt des Blogs haften. Auf Madrasa of Time werden unter dem Deckmantel der Anonymität Personen, die für einen friedlichen Ausgleich zwischen Israel und Palästina werben, nach Herzenslust diffamiert. Nicht nur gegen Araber wird hier vom Leder gezogen, sondern auch und ganz besonders gegen den Iran.

Diffamierungen und Falschbehauptungen sogar gegen Regierungsmitglieder wie Sigmar Gabriel: das alles hindert eine Expertenkommission des Bundesministeriums des Innern nicht daran, in einem Dossier über Antisemitismus in Deutschland auch Autoren mit extremistischen Ansichten wie Martin Niewendick als seriöse Quelle zu zitieren.

Oder, um es frei nach Shakespeare zu sagen:

„Something is rotten in the State of Germany…”


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Quellen und Anmerkungen:

(1) Dieses Bild ist eine Einblendung eines Screenshots aus: https://www.youtube.com/watch?v=u8Kc5OkbCgA.